Europas Juden haben Angst - Hass und Angriffe nehmen zu

Für manche Menschen ist es nur eine Botschaft an der Wand. Aber für andere bedeutet es Angst.

Vor einem jüdischen Gebäude in Brüssel wurde nach der großen pro-palästinensischen Demonstration im Europäischen Viertel ein Graffiti gemalt. Die Botschaft ist nicht so unschuldig, wie Rabbi Menachen Margolin, Vorsitzender der Europäischen Jüdischen Vereinigung, gegenüber Euronews sagt.

"Wir wissen, dass Ihr hier seit. Das ist eine Synagoge. Und im Wesentlichen ist dies die Hauptbotschaft."

Seit Beginn des Krieges der Hamas gegen Israel gibt es einen enormen Anstieg von Antisemitismus.

Zu den Angriffen gegen Juden zählen körperliche Übergriffe und verbale Aggressionen, aber auch Hassschmierereien und Online-Drohungen.

Obwohl die Polizei den Schutz für die jüdische Gemeinschaft erhöht hat, haben die europäischen Juden Angst.

Etwas, was sie jahrzehntelang nicht gesehen haben, so Rabbi Margolin.

"Wir bekommen viele Berichte, viele Anrufe, viele E-Mails von jüdischen Menschen aus Europa, von Privatleuten und von Institutionen, Synagogen, Schulen. Die Leute sehen auf der Straße, dass sie viel mehr Bemerkungen, viel mehr böse Blicke, Hass und Rufe nach Tod und körperlicher Aufstachelung bekommen."

Euronews besuchte eine Synagoge im Herzen von Brüssel, filmte jedoch aus Sicherheitsgründen nicht außerhalb des Gebäudes. Die Sicherheitsmaßnahmen sind drakonisch. Rabbi Margolin zeigte uns Hassbilder aus ganz Europa.

"Dies ist eine Schule in Deutschland, die mit Graffiti übersät ist. Dies ist eine Demonstration gegen Juden, die in Spanien stattfand. Dies ist ein weiteres Graffiti am jüdischen Haus, das uns an die Kristallnacht erinnert. Leider haben Menschen Fenster von Synagogen eingeschlagen."

Die Menschen schützen ihre Familien. Margolin: „Es gibt jetzt sehr viele Leute, die Türen sichern, Kameras installieren, Fenster austauschen, ein kugelsicheres Fenster, die versuchen, Türen feuerfest zu machen. Und doch wissen die Leute auch, dass das nicht ausreicht.“

Wichtigstes Instrument für die Hassbotschaften sind Rabbi Margolin zufolge die sozialen Medien.

Er fordert eine größere Kontrolle über die redaktionellen Inhalte und eine bessere Aufklärung gegen Rassismus.

Die EU-Kommission äußerte unterdessen ihre Besorgnis über die Zunahme von Hassreden und -verbrechen gegen jüdische und muslimische Gemeinschaften in Europa und erklärte deren Sicherheit zur obersten Priorität.