Europa will Chip-Versorgung sichern; Ansatz bisher ‘naiv’

Natalia Drozdiak
·Lesedauer: 2 Min.

(Bloomberg) -- In den letzten Jahrzehnten hat Europa viel an Halbleiterdesign und -fertigung ausgelagert. EU-Industriekommissar Thierry Breton nennt dieses Vorgehen im Rückblick naiv - die EU müsse nun gegensteuern und will die regionale Produktion bis 2030 verdoppeln.

Breton sagte, es sei möglich, das bestehende Ungleichgewicht zu beseitigen. Der weltweite Chipmangel, der aktuell vielen Branchen vom Automobilbau bis zur Elektronik das Leben schwer macht, sei ein Beweis, dass es jetzt Zeit sei zu handeln.

“Wir wollen zu unserem früheren Marktanteil in der Produktion zurück, um die Anforderungen unserer Industrien erfüllen zu können”, sagte Breton, der ehemalige Vorstandsvorsitzender des französischen IT-Riesen Atos SE und der France Telecom SA. Europas Anteil an der weltweiten Halbleiterherstellung ist im Laufe der Jahre gesunken, weil die Region “zu naiv, zu offen” war.

Am Mittwoch wird die Europäische Kommission weitere Einzelheiten zu der im März angekündigten Strategie bekannt geben, mit der die Produktion bis 2030 auf mindestens 20% Weltmarktanteil verdoppelt werden soll. Sie inkludiert eine Branchenallianz der führenden europäischen Halbleiterunternehmen, Forschungszentren und mehr als ein Dutzend EU-Länder, so Breton. Mindestens 22 Länder haben bereits eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet.

Diese Allianz wird entscheiden müssen, wie Design und Produktion von Chips im Bereich 20 Nanometer bis 10 Nanometer gesteigert werden kann, die kleiner und leistungsfähiger sind als die meisten derzeit in Europa hergestellten, sagte Breton. Einen Zeitplan dafür gibt es bislang nicht.

Parallel dazu wird die EU Pläne erarbeiten, bis 2030 die nächste Generation von Spitzenchips zu entwickeln. Angestrebt wird der Bereich von unter 5 Nanometern bis 2 Nanometern, ein ehrgeiziges Ziel, das bislang noch nicht mal von den Besten in der Branche - Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. und Südkoreas Samsung Electronics Co. - erreicht wird.

Europa hatte jahrelang einen Großteil der weltweiten Halbleiter gebaut. 1990 erreichte die Kapazität hier etwa 44%, liegt jetzt aber eher bei 10%. Taiwan, Südkorea und Japan machen dagegen etwa 60% der Produktion aus, so Boston Consulting. Europäische Hersteller wie NXP Semiconductors NV und Infineon Technologies AG lagern inzwischen den größten Teil ihrer Produktion an Hersteller wie TSMC aus.Daran ist unter anderem der Niedergang von Europas Handyherstellern wie Nokia Corp. und Ericsson AB verantwortlich, so Experten. Ausbaden müssen den Angebotsmangel nun die Autohersteller. Unklar ist derzeit noch, wie das technologisch höchst anspruchsvolle Ziel, in Bereiche von unter 5 Nanometern oder gar 2 Nanometern vorstoßen zu wollen, erreicht werden kann. Genauso unklar ist bislang noch die Finanzierung der Initiative.

Überschrift des Artikels im Original:Europe Looks to Secure Chip Supply After ‘Naive’ Past Approach

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