Europa auf der Suche nach fossilen Brennstoffen

Europa auf der Suche nach fossilen Brennstoffen

Um sich von Energielieferungen aus Russland zu lösen, will die EU künftig deutlich mehr Gas aus der Südkaukasus-Republik Aserbaidschan beziehen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der

Leyen und Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev unterzeichneten in Baku eine Absichtserklärung.

Von der Leyen sagte, so öffne man "ein neues Kapitel in der Energie-Zusammenarbeit" mit Aserbaidschan. Das Land sei ein Schlüsselpartner, um sich von fossilen Brennstoffen aus Russland zu lösen. Schon jetzt würden jährlich 8,1 Milliarden Kubikmeter geliefert, von kommendem Jahr an sollten es bereits 12 Milliarden sein.

Italien hat sich unterdessen weitere Gaslieferungen aus Algerien gesichert. Ministerpräsident Mario Draghi sagte in Algier, Algerien sei nun der Hauptlieferant für Italien geworden.

Es sei auch eine Gelegenheit für die Länder gewesen, ihren Einsatz für die Stabilisierung im Mittelmeerraum zu bekräftigen. Algeriens Präsident Abdelmadjid Tebboune zeigte sich mit den 15 Abkommen unter anderem in den Bereichen erneuerbare Energien, Bau und Kampf gegen Korruption zufrieden.

Algerien ist der wichtigste Gaslieferant Italiens. Draghis Regierung beschloss nach dem russischen Angriff gegen die Ukraine, von Gaslieferungen aus Moskau unabhängig werden zu wollen. Die Russland pumpte zuvor jährlich 29 Milliarden Kubikmeter Gas nach Italien. Algerien sicherte nun zusätzliche 4 Milliarden Kubikmeter zu den schon vereinbarten 21 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr zu. Das italienische Ministerium für ökologischen Wandel sprach von einem wichtigen Schritt.

Das Gas liefert Algerien über die Transmed-Pipeline, die durch das Mittelmeer nach Sizilien führt. Italien ging auch in anderen Ländern auf die Suche nach möglichen Gaslieferanten und schloss Vereinbarungen unter anderem mit dem Golfstaat Katar für Flüssiggas (LNG) und Aserbaidschan.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron empfing in gleicher Mission den Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Muhammad ben Zayid al-Nahyan. Auch Paris bangt um die Energieversorgung.

An der Ostseepipeline Nord Stream 1 sollen die Wartungsarbeiten bis Donnerstag abgeschlossen sein. Doch kommt dann auch Gas?

Die Frage ist, ob Kremlchef Wladimir Putin nach der Wartung den Gashahn wieder aufdreht. Nord Stream 1 ist eine sehr bedeutende Gaspipeline nach Deutschland.

Russlands Energieriese Gazprom wollte sich zur Zukunft der Energieversorgung in Deutschland und in anderen EU-Staaten nicht festlegen. Die Wartungsarbeiten an der Ostseepipeline Nord Stream 1 - der wichtigsten Leitung von Russland nach Deutschland - sollen zwar am Donnerstag abgeschlossen sein. Aber es fehlt eine wichtige Turbine, die Kanada lange wegen der Sanktionen nach Russlands Angriffskrieg zurückgehalten hat. In Russland erwartet niemand, dass sie bis zum letzten Wartungstag wieder eingebaut ist. Für die Gasversorgung in Deutschland und Europa hat das Folgen.

"Davon hängt die verlässliche Arbeit der Gasleitung Nord Stream und die Versorgung der europäischen Verbraucher ab", teilte Gazprom am Wochenende mit. Das Unternehmen beklagt, es gebe vom deutschen Konzern Siemens Energy keine Dokumente, die eine Rückkehr der Gasturbine bestätigten. Siemens Energy wollte am Montag keine Angaben zum Stand der Dinge machen. Es bleibe dabei, "dass es unser Ziel ist, die Turbine so schnell wie möglich zu ihrem Einsatzort zu transportieren".

Sie ist laut Gazprom für die Kompressorstation Portowaja wichtig, die wiederum für den Betrieb von Nord Stream 1 essenziell sei. Schon vor Beginn der zehntägigen Wartungsarbeiten hatte Gazprom die Gasdurchleitung durch die Pipeline um 60 Prozent gedrosselt. Das trieb die Gaspreise weiter nach oben. Gazprom begründete ausgebliebene Lieferungen gegenüber dem Versorger Uniper mit höherer Gewalt. Uniper habe ein entsprechendes Schreiben von Gazprom Export erhalten, sagte ein Konzernsprecher.

Mit der Lieferung der Gasturbine soll Russland ein Vorwand für einen Stopp der Gaslieferungen genommen werden, wie eine Sprecherin von Wirtschaftsminister Robert Habeck deutlich machte. "Es handelt sich um eine Ersatzturbine. Dennoch tun wir alles, um diesen Vorwand zu nehmen". Zwar betont Moskau mit Blick auf die Wartungsarbeiten, Russland wolle seine Verpflichtungen als Gaslieferant auch künftig erfüllen. Aber um die Turbine dreht sich längst die Energiekrise in Europa.

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