Europa hat den Import von russischem Öl auf dem Seeweg schon vor dem Start des EU-Embargos um 90 Prozent gesenkt

October 21, 2022, Novo-Ogaryovo, Moscow Oblast, Russia: Russian President Vladimir Putin holds a video conference call with Magadan Region Governor Sergei Nosov, from the official residence at Novo-Ogaryovo October 21, 2022 outside Moscow, Russia. (Credit Image: © Gavriil Grigorov/Kremlin Pool/Planet Pix via ZUMA Press Wire - Copyright: Gavriil Grigorov/Kremlin Pool/Planet Pix via ZUMA Press Wire
October 21, 2022, Novo-Ogaryovo, Moscow Oblast, Russia: Russian President Vladimir Putin holds a video conference call with Magadan Region Governor Sergei Nosov, from the official residence at Novo-Ogaryovo October 21, 2022 outside Moscow, Russia. (Credit Image: © Gavriil Grigorov/Kremlin Pool/Planet Pix via ZUMA Press Wire - Copyright: Gavriil Grigorov/Kremlin Pool/Planet Pix via ZUMA Press Wire

Anfang Dezember tritt das teilweise EU-Embargo gegen russisches Öl in Kraft. Schon zwei Wochen vorher haben die Länder Nordeuropas die russischen Ölimporte auf dem Seeweg um mehr als 92 Prozent reduziert, wie eine Bloomberg-Analyse auf der Grundlage von Schiffsdaten zeigt.

In den vier Wochen bis zum 18. November exportierte Russland nur noch 95.000 Barrel Rohöl pro Tag nach Rotterdam in den Niederlanden. Das ist laut Bloomberg ein Rückgang um 92 Prozent gegenüber 1,2 Millionen Barrel pro Tag im Februar vor Russlands Überfall auf die Ukraine. Rotterdam war laut Bloomberg in der neunten Woche in Folge Russlands einziger Zielhafen für Rohöllieferungen in Nordeuropa.

Dies ist von Bedeutung, weil nordeuropäische Länder, allen voran Deutschland, die Niederlande und Polen 2021 die wichtigsten europäischen Importeure für russisches Öl waren.

Die EU hatte Ende Mai ein Embargo gegen Öl aus Russland beschlossen. Vom 5. Dezember an ist die Einfuhr für Rohöl aus Russland über den Seeweg verboten. Ausgenommen von dem Verbot ist Pipeline-Rohöl. Dies soll vor allem osteuropäischen Ländern wie Ungarn mehr Zeit geben. Damit bleibt auch die wichtigste Pipeline "Druschba" offen, die auch Raffinerien in Deutschland und Polen erreicht. Beide Länder haben jedoch bereits erklärt, dass sie von den Ausnahmen keinen Gebrauch machen wollen.

Auf Pipelines entfiel nur ein Drittel der russischen Rohöl-Lieferungen in die EU. Der größere Teil von zwei Dritteln kam über Öltanker. Die EU war Russlands größter Einzelmarkt für Energie.

Der Einbruch der Rohöllieferungen auf dem Seeweg nach Nordeuropa ließ die gesamten russischen Öl-Ausfuhren auf dem Seeweg in der Woche bis zum 18. November auf ein Neun-Wochen-Tief von 2,67 Millionen Barrel pro Tag sinken, berichtet Bloomberg.

Russlands Einnahmen aus den Rohölexportzöllen fielen danach auf einen Wochendurchschnitt von 127 Millionen US-Dollar und damit den niedrigsten Stand seit Februar.

Russland will unverkauftes Öl nach Asien verkaufen

Russland wird nach dem Inkrafttreten des EU-Importverbots pro Tag wahrscheinlich 1,1 Millionen Barrel unverkauftes Rohöl haben, schätzte die Internationale Energieagentur am Dienstag.

Um die Defizite auszugleichen, exportiert Russland deutlich mehr Rohöl nach Asien, unter anderem nach Indien und China. Im Oktober überholte Russland Saudi-Arabien und den Irak als wichtigster Öllieferant Indiens. Die russischen Rohölimporte nach China lagen im September um 22 Prozent über dem Vorjahr.

US-Finanzministerin Janet Yellen sagte der Nachrichtenagentur Reuters, sie sei nicht allzu besorgt über die Käufe von russischem Rohöl durch Indien und China. Die Gruppe der sieben großen Industriestaaten (G-7) will ebenfalls vom 5. Dezember an eine Preisobergrenze für russisches Öl durchsetzen.

Russlands stellvertretender Ministerpräsident Alexander Novak sagte, sein Land werde kein Öl an diejenigen verkaufen, die die Preisgrenze anwenden, berichtete die russische Agentur Interfax Stattdessen werde Russland sein Öl an "marktorientierte Partner" verkaufen oder seine Ölproduktion reduzieren, sagte Novak.

Der Artikel erschien zuerst bei Business Insider in den USA mit dem Titel: "Northern Europe has already slashed Russian oil imports by 90%, 2 weeks before the EU ban kicks in". Das Original lest ihr hier.