„Der europäische Aluminiummarkt gerät unter Druck“

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„Der europäische Aluminiummarkt gerät unter Druck“

Im Handelsstreit mit China drohen die USA mit Strafzöllen auf Aluminium. Volker Backs, Geschäftsführer von Hydro Aluminium in Deutschland, erklärt, warum auch europäische Hersteller darunter leiden würden.

Der Handelsstreit zwischen den USA und China eskaliert gerade. Was bedeutet das für Europas und speziell Deutschlands Aluminiumbranche?
Im Handelsstreit zwischen den USA und China und den damit verbundenen Importzöllen auf Aluminium aus China sehen wir vor allem die Gefahr einer künstlichen Verschiebung der Warenströme. Das heißt, Produkte die bisher aus China und anderen Drittstaaten in die USA exportiert wurden, könnten nun durch diese zusätzliche nichtmarktwirtschaftliche Verzerrung verstärkt nach Europa exportiert werden. Dadurch würde der europäische Aluminiummarkt unter Druck geraten.

US-Präsident Trump hat generelle Strafzölle auf Stahl und Aluminium angekündigt. Ausnahmen für Europa werden zwar diskutiert, sind aber noch nicht beschlossen. Worauf muss sich die deutsche Aluminiumbranche einstellen?
Sollte Europa nicht dauerhaft von den Strafzöllen ausgenommen werden, sehen wir vor allem negative Effekte für unsere Kunden und den Endverbraucher in den USA. Die Kosten für Produkte, die Aluminium beinhalten, könnten sich dann um bis zu 10 Prozent erhöhen. Dadurch würde die amerikanische Industrie an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, was sich wiederum negativ auf die Volkswirtschaft der USA auswirken würde.


Hat Hydro Vorkehrungen gegen mögliche US-Strafzölle auf Aluminium getroffen? Wie konkret bereitet sich Hydro auf mögliche Strafzoll-Szenarien vor?
Wir beobachten die Situation sehr genau. Wir sind im ständigen Dialog mit unseren Industrieverbänden, die wiederum in engem Austausch mit den Entscheidungsträgern auf nationaler und europäischer Ebene sind. Wir erwarten weiterhin von der europäischen Politik, dass sie sich klar zu einem fairen und freien internationalen Handel und für die europäische Industrie positioniert. Darüber sind wir im engen Austausch mit unseren Kunden in den USA, um deren reibungslose Belieferung sicherzustellen.

Wie stark ist Hydro von Exporten in die USA abhängig?
Hydro exportiert Aluminium in die USA, sowohl in Rohform als auch in Form von Halbzeugen. Konkrete Aussagen zur Abhängigkeit von US-Exporten der einzelnen Geschäftsbereiche möchte ich gegenwärtig noch nicht tätigen. Betrachtet man die Walzsparte des Unternehmens, die einen Großteil von Hydro in Deutschland ausmacht, steht fest: unser Kernmarkt ist Europa.
Welche Bereiche von Hydro wären von US-Strafzöllen betroffen?
Wir sind das weltweit einzige komplett integrierte Aluminium-Unternehmen mit Aktivitäten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die USA sind ein wichtiger Markt entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Als Unternehmen wären wir in den verschiedenen Geschäftsbereichen in unterschiedlichem Maße von den Zöllen betroffen.


In der Branche ist immer wieder vom sogenannten Kaskadeneffekt die Rede. So wird befürchtet, dass durch die US-Strafzölle auf chinesische Produkte mehr dieser Produkte nach Europa kommen. Trifft das auch für Aluminium zu? In welchem Ausmaß könnte chinesisches Aluminium nach Europa und Deutschland kommen?
Die amerikanischen Strafzölle lösen das Problem der globalen Überproduktion, hervorgebracht durch China, ja nicht. So erwarten wir, dass durch diese weitere Marktdeformation mehr Waren aus Drittstaaten auf den deutschen bzw. europäischen Markt umgelenkt werden. Chinesische Exporte in die USA werden 2018 und 2019 voraussichtlich um jeweils 20 Prozent und 25 Prozent bzw. 95 000 Tonnen und 110 000 Tonnen einbrechen. Ungefähr ein Drittel dieser Mengen könnte nach Europa kommen und somit auch den deutschen Markt stark beeinflussen.