EuroBasket 2017: "Schröder ist das Nonplusultra bei der EM“

Die EuroBasket 2017 steht vor der Tür. Dennis Schröder rückt beim DBB in den Fokus - ist er sogar der beste Point Guard der EM? Hat das Turnier wegen der vielen Absagen an Bedeutung verloren, machen Spanien und Serbien den Titel unter sich aus und wäre nicht Henrik Rödl der bessere Bundestrainer für den DBB? Drei SPOX-Redakteure diskutieren mit Ex-Nationalspieler Stephen Arigbabu und nennen dabei den möglichen MVP des Turniers.

Die EuroBasket 2017 steht vor der Tür. Dennis Schröder rückt beim DBB in den Fokus - ist er sogar der beste Point Guard der EM? Hat das Turnier wegen der vielen Absagen an Bedeutung verloren, machen Spanien und Serbien den Titel unter sich aus und wäre nicht Henrik Rödl der bessere Bundestrainer für den DBB? Drei SPOX-Redakteure diskutieren mit Ex-Nationalspieler Stephen Arigbabu und nennen dabei den möglichen MVP des Turniers.

Seite 1: Dennis Schröder ist der beste Point Guard der EM

Dennis Schröder ist der beste Point Guard der EM

Stephen Arigbabu: Das kann man so unterschreiben - Dennis' individuelle Fähigkeiten sind bei diesem Turnier einzigartig. Ein positives Beispiel dafür war das Supercup-Spiel gegen Russland. Da hat mich Schröder beeindruckt, denn niemand konnte ihn davon abhalten, zum Korb zu penetrieren. Bleibt die Frage: Was macht er, wenn sich die Defense darauf einstellt und den Weg zum Korb dicht macht? Dann muss er andere Lösungen finden und seine Mitspieler mit einbeziehen.

Thorben Rybarczik: Guter Punkt. Das könnte in der Tat zum Problem werden - aber ich bin diesbezüglich optimistisch. Ich glaube, dass er seit der Heim-EM 2015 beim Playmaking und in der Entscheidungsfindung große Schritte nach vorne gemacht hat. Einen Kopf-durch-die-Wand-Schröder werden wir nicht mehr sehen. Sein erstes Jahr als NBA-Starter hat ihn deutlich reifer werden lassen. Um zurück zur These zu kommen: Seit klar ist, dass Teodosic bei Serbien ausfällt, ist das für mich mit einem klaren "ja" zu beantworten. Der Trend zum scorenden und penetrierenden Point Guard, von dem der Erfolg eines Teams abhängt, schwappt auch immer mehr nach Europa rüber. Und in dieser Hinsicht ist Schröder das Nonplusultra bei der EM.

Stephen Arigbabu: Da du die Entscheidungsfindung schon ansprichst: Bei dieser mag Schröder im Vergleich zu den alten Hasen im Nachteil sein. Da fällt mir beispielsweise ein Navarro von Spanien ein, der schon gefühlt in 100 Finals gestanden hat und immer weiß, was zu tun ist. Aber bezogen auf die Athletik und die individuelle Klasse hat Schröder klar die Nase vorn.

Robert Arndt: Aber habt ihr da nicht jemanden vergessen? Bei den Spaniern spielt schließlich auch noch ein gewisser Ricky Rubio. Der hat deutlich mehr Erfahrung und spielt nun auch schon sein x-tes Turnier auf diesem Niveau. Klar ist aber auch, dass Schröder natürlich viel mehr Verantwortung schultern muss, da das deutsche Team deutlich schwächer als das der Iberer ist. So werden seine Stats natürlich um Längen besser aussehen. Für das All-Tournament-Team könnte es also für den Hawks-Guard tatsächlich reichen.

Thorben Rybarczik: Für mich ist Schröder auf jeden Fall auch die Optimal-Besetzung auf der Eins für das deutsche Team. Es fehlen durch die Absagen weitere, proaktive Spieler, die scoren und Würfe kreieren können. Deshalb ist es umso wichtiger, dass Schröder diese Rolle übernehmen kann. Ich bleibe mal beim Beispiel Teodosic und sage: Selbst wenn dieser fit wäre, würde ich ihn nicht für Schröder eintauschen wollen. Denn auch, wenn er (noch) der bessere Spieler sein mag, würde er den Deutschen nicht so weiterhelfen wie Dennis in Bestform.

Robert Arndt: Dass wir allein schon darüber diskutieren können, ob Schröder der beste Point Guard der EM ist, zeigt, welche Entwicklung Dennis in seinen vier Jahren in Atlanta genommen hat. Außerdem finde ich es stark, dass er überhaupt dabei ist. Ich hoffe sehr, dass wir in zehn Jahren von der Schröder-Ära sprechen können, wenn auch vielleicht nicht so wie es mit Dirk Nowitzki war. Das ist aber vollkommen in Ordnung.

Ole Frerks: Richtig, Robert - ich rechne ihm das ebenfalls hoch an und glaube, dass er auch aktiv in diese Leader-Rolle reinmöchte. Dass Theis überhaupt dabei ist, hat ja zum Großteil auch mit Schröder zu tun und ich hoffe, dass er damit auch für die anderen Spieler mehr und mehr zum Vorbild wird. Wenn wir aber noch mal kurz auf die These zurückkommen: Gerade in Anbetracht der Wichtigkeit von Scoring Guards wundert mich etwas, dass keiner von euch Goran Dragic genannt hat - das ist meiner Meinung nach der kompletteste Einser des Turniers. Im Gegensatz zu Schröder hat er zudem viel Erfahrung mit europäischem Basketball, weshalb ich ihn Stand heute noch etwas stärker einschätze, in zwei Jahren dann aber vermutlich nicht mehr.

Seite 2: Wegen Absagen und Verletzungen vieler Stars: Die EM hat an Bedeutung verloren

Wegen Absagen und Verletzungen vieler Stars: Die EM hat an Bedeutung verloren

Thorben Rybarczik: Natürlich ist es im Vorfeld des Turniers ein Euphorie-Dämpfer, wenn Tag für Tag neue News von Ausfällen reinschneien. Mit Parker, Teodosic, Gallinari und Antetokounmpo handelt es sich um die absoluten Aushängeschilder ihrer Nation - das drückt schon auf die Stimmung. Andererseits glaube ich, dass sich das im Laufe der ersten Turniertage ändert. Wenn die ersten Spiele rum sind, die ersten Highlights produziert wurden, dann ist es fast egal, wer da auf dem Court steht.

Stephen Arigbabu: Ganz genau! Sobald die Spiele losgehen, wird der Fokus nur darauf liegen. Und es ist ja nicht so, dass überhaupt keine Stars dabei sind, ganz im Gegenteil. Man muss sich ja nur mal den Kader der Spanier mit den Gasol-Brüdern oder Ricky Rubio anschauen. Und für die Spieler selbst oder die einzelnen Nationen ist das sowieso unerheblich, wer spielt. Es geht darum, den Europameister auszuspielen - wer da letztendlich mitspielt, das interessiert später niemanden mehr. Wenn der Ball zum Sprungball hochgeworfen wird, dann geht's ab. Daran ändern die Ausfälle nichts.

Robert Arndt: Sportlich und aus Sicht der Spieler mag das stimmen, dass die Ausfälle die Bedeutung nicht mindern. Aber von der Warte der Zuschauer aus betrachtet, ist das doch anders. Man könnte es auch so sehen: Aufgrund der fehlenden NBA-Stars schalten weniger Zuschauer - vor allem solche, die sich nur für das Event und die Stars interessieren - ein. Wenn man die Bedeutung des Titels an der Reichweite und Aufmerksamkeit misst, stimmt die These also.

Stephen Arigbabu: Da muss ich dir widersprechen. Denn: Dem Basketballkenner wird es egal sein, wer auf dem Feld steht. Er schaltet des Sports wegen ein und achtet auf andere Dinge als nur die großen Stars. Und der allgemeine 08/15-Fan, der nur so mal reinschaut, wird doch ohnehin nicht merken, wer da auf dem Feld steht oder ob ein Teodosic einen verrückten No-Look-Pass spielt oder ein Giannis einen Meter über Ring-Niveau einen Rebound holt.

Ole Frerks: Aber wären andererseits nicht Spieler wie Giannis oder Teodosic solche, die 08/15-Fans dazu motivieren könnten, Basketballkenner zu werden, Stephen? Ich bin ehrlich: Ich freue mich sehr auf das Turnier, zumal ich zum ersten Mal selbst bei einer EM vor Ort sein werde, ich bin aber schon der Meinung, dass durch die vielen Absagen etwas vom Reiz verloren geht. Natürlich wird für diejenigen Spieler, die da sind, der Turniersieg nicht weniger wert sein, jeder wird sich aufopfern. Aber dass so viele Spieler absagen, zeigt für mich schon, dass der Stellenwert eben nicht mehr so hoch angesehen wird. Bei Vielen zählt ja eigentlich nur noch Olympia oder auch die WM - was schade ist. Das zeigt aber meiner Meinung nach auch das wachsende Zerwürfnis zwischen der FIBA und der Fraktion NBA/Euroleague. Für den europäischen Basketball an sich und insbesondere auch für die Nationalmannschaften wäre es wichtig, wenn die Verbände und Ligen in Zukunft wieder wenigstens ein kleines bisschen mehr zusammenarbeiten.

Thorben Rybarczik: Es gibt ja Dinge, die den europäischen Basketball positiv vom NBA-Basketball abheben. Dazu gehört der Fokus auf Teambasketball und Defense. Diese Attribute leiden ja keineswegs darunter, dass Superstars fehlen - im Gegenteil. Teams können es sich in der Regel nicht leisten, sich auf Eins-gegen-Eins-Künstler zu verlassen. Stattdessen zeigt sich mehr denn je, welches Team mit welchem Konzept spielt, wer die besseren Coaching-Staffs hat, wer im Verbund besser verteidigt. Das kommt durch Star-Ausfälle noch mehr zum Tragen, wodurch das Turnier sogar interessanter wird.

Seite 3: Henrik Rödl hätte schon als Bundestrainer in die EM gehen sollen

Henrik Rödl hätte schon als Bundestrainer in die EM gehen sollen

Stephen Arigbabu: Warum hätte das so sein sollen? Es wurde doch von Anfang an kommuniziert, dass Fleming noch einmal Head Coach ist. Und er ist für mich auch eine sehr gute Lösung. Darüber hinaus arbeitet er ohnehin schon eng mit Rödl zusammen, der in alle Abläufe involviert ist. Wenn er dann nach dem Sommer übernimmt, passt das doch. Außerdem könnte es auch einen positiven Einfluss auf das Team haben, dass Fleming noch einmal dabei ist. Die Jungs wissen ja auch, dass es das letzte Turnier des Coaches ist und wollen für ihn was Gutes abliefern. Zumindest bei uns war es damals so, dass wir für den Trainer gespielt haben. Und Fleming hat das nötige Standing innerhalb der Mannschaft.

Thorben Rybarczik: Da bin ich bei dir. Fleming hat in der Vergangenheit stets das Beste aus den ihm zu Verfügung stehenden Teams herausgeholt. Dabei hatte er gewissermaßen einen undankbaren Job, denn auch wenn die vielen Absagen ein Phänomen sind, das es schon immer gab, hatte wohl kein Bundestrainer vor ihm so viele Ausfälle zu beklagen. Warum sollte er also nicht die Chance haben, noch einmal ein großes Turnier zu spielen und damit einen würdigen Abschluss zu feiern? Zumal er ja schon für die - zugebenermaßen etwas holprige - Qualifikation gesorgt hat.

Stephen Arigbabu: Eben. Er hat seine Ziele immer erreicht, auch wenn es Kritik gab. Wie du schon sagst: Wenn es Spieler gibt, die aus privaten Gründen während eines Quali-Turniers abreisen, dann wird es schwer für den Trainer. So etwas gab es in unserer Generation übrigens nicht. So gesehen hätte es sicherlich auch Trainer gegeben, die nach dem vergangenen Quali-Sommer gesagt hätten: 'Das war's, ich hab' die Schnauze voll'. Das hat Fleming nicht getan, was man ihm hoch anrechnen muss.

Ole Frerks: Fleming hatte einen verdammt schwierigen Job - einerseits die vielen Absagen, andererseits späte Zusagen, kaum Möglichkeiten für gemeinsames Training, und so weiter. Er hat daraus viel, wenn auch womöglich nicht das komplette Maximum rausgeholt. Ich finde es daher auch angemessen, dass er eine letzte Chance erhält, noch etwas richtig Positives aus seiner Amtszeit herauszuholen.

Thorben Rybarczik: Trotzdem halte ich Rödl für den optimalen Nachfolger - allein schon deshalb, weil die Nationalmannschaft für ihn immer die höchste Priorität hatte. Das war bei Fleming zumindest in der jüngeren Vergangenheit nicht der Fall. Vielleicht hat das ja auch auf die Spieler abgefärbt, bei denen das offensichtlich genau so war.

Ole Frerks: Das finde ich Fleming gegenüber nicht fair. Auch die Top-Teams in Europa haben teilweise Coaches in Doppelfunktion - Djordjevic betreut Serbien und Bayern, Collet coacht Frankreich und Straßburg, Messina coacht Italien und ist Assistant Coach bei den Spurs, und so weiter. Es hängt für mich mehr an den Spielern, die sagen müssen: ‚Ich habe Lust, ich spiele.' Das ist bei den Deutschen anders als bei den klassischen Basketball-Nationen wie Serbien. Ich hoffe deswegen wie gesagt, dass Schröder in Zukunft das Vorbild für die anderen Talente sein wird. Dadurch hätte Rödl dann in Zukunft auch einen angenehmeren Job als Fleming ihn hatte, ohne dass er das selbst direkt beeinflussen würde.

Robert Arndt: Bei dieser These bin ich sehr zwiegespalten. Ich halte Rödl auch für die beste Wahl, gerade weil er eben immer vor Ort ist und auch den Stallgeruch vorweist. Er weiß, wie die Dinge beim DBB laufen und hat sich hoffentlich zudem bei Fleming ein paar Sachen abschauen können. Denn bei aller Kritik halte ich Fleming weiter für einen exzellenten Coach, der aber wohl besser als Klub-Trainer aufgehoben ist, der täglich in der Halle steht. Andererseits ist es jetzt nur konsequent am Amerikaner festzuhalten. Mit welchem Trainer auch immer: Das deutsche Team wird bei diesem Turnier (leider) nicht weit kommen. Rödl kann im Hintergrund seine Lehren ziehen und steht nicht im Kreuzfeuer der Kritik, falls es tatsächlich ernüchternd läuft. So bekommt Rödl nach der Eurobasket die Chance auf einen frischen Start.

Seite 4: Spanien und Serbien machen den Titel unter sich aus

Spanien und Serbien machen den Titel unter sich aus

Thorben Rybarczik: Das unterschreibe ich so. Wenn ich mich komplett für eines dieser Teams entscheiden müsste, wäre ich dieses Jahr sogar bei den Serben. Denn in einem harten Turniermodus, in dem ab dem Achtelfinale ein schwacher Tag reicht, um rauszufliegen, sind sie - gerade im Hinblick auf die vielen Star-Absagen - im Vorteil. Wenn der Dreier mal nicht fällt, wenn der offensive Rhythmus nicht da ist, dann geht es darum, mit Defense und Physis im Spiel zu bleiben und Selbstvertrauen zu generieren. Und das beherrschen die Serben wie kein anderes Team. Zumal mit Djordjevic ein Spezialist an der Seitenlinie steht, wenn es um diese Attribute geht.

Stephen Arigbabu: Das Argument kann man aber genauso gut umdrehen. Was ist denn, wenn ein Team, das man vielleicht noch gar nicht auf dem Zettel hat, plötzlich heiß läuft und das über mehrere Spiele konserviert? Dann kann alles passieren, woran auch Serbiens Physis nichts ändern kann. Rebounds prallen unglücklich ab und landen beim Gegner und schon hagelt es den nächsten Dreier. Dann können sich Mannschaften in einen Rausch spielen und jedes Spiel gewinnen. So etwas sieht man auch vereinzelt in der BBL oder NBA, wenn Bamberg oder Golden State unerwartet einzelne Spiele verlieren, weil beim Gegner alles geht. Für einen Sieg in einer Playoff-Serie würde das zwar nicht reichen, in einem Do-or-Die-Duell sieht das aber ganz anders aus. Und darum geht es ja bei einer EM. Als Beispiel muss man sich nur die EM 2005 anschauen, als wir mit Dirk völlig unerwartet ins Finale gekommen sind, nachdem wir im Halbfinale Spanien geschlagen haben. Damit hat auch niemand gerechnet.

Robert Arndt: Und was haben Bamberg, Golden State und der Dirkster gemeinsam? Sie haben eine hohe Qualität. Natürlich hast du Recht, wenn du sagst, dass Überraschungen in einem Spiel möglich sind. Aber in der K.o.-Runde sind es eben vier Spiele, die du gewinnen musst und da sehe ich kaum ein Team, welches sich in einen Rausch spielt. Nur einen Kandidaten habe ich: Litauen. Die haben über Jahre vor allem eines bewiesen: Sie sind grundsolide und eingespielt, für mich ein nicht zu unterschätzender Faktor, dazu haben sie rund um Jonas Valanciunas die Schützen, die, wie du sagst, an einigen Abenden richtig heiß laufen können. Aber: Ich habe Zweifel am serbischen Team. Der Auftritt beim Supercup war stark, dennoch sehe ich Schwächen in der Guardrotation. Neben Teodosic ist auch der zurückgetretene Stefan Markovic nicht dabei. So bleiben Stefan Jovic und Vassilije Micic. Vor allem der Ex-Bayern-Spieler wird sicher einige Probleme bekommen. Da tut auch die kurzfristige Verletzung von Nemanja Nedovic sehr weh.

Ole Frerks: Bei einem Turnier mit K.o.-Modus halte ich nicht viel von solchen Thesen. Natürlich gibt es Favoriten, zu denen Serbien und Spanien zweifelsohne gehören, aber Stephen hat es schon richtig gesagt: Wenn ein Favorit am falschen Tag mies drauf ist und gegen ein brandheißes Team antritt, kann schon auch mal im Viertelfinale Schluss sein. Ich würde den Favoritenkreis wie Robert um Litauen erweitern, dazu kommen die Franzosen, auch wenn sie einige Ausfälle zu verkraften haben - das Guard-Duo de Colo/Heurtel ist trotzdem aller Ehren wert. Traditionell muss man die Griechen ebenfalls auf dem Zettel haben und leichte Außenseiterchancen gebe ich auch Slowenien, wenn Dragic und der (in meinen Augen) No.1-Pick 2018 Luka Doncic entsprechend harmonieren. Mein Tipp wäre trotzdem Serbien, aber wenn es nur nach Favoriten ginge, würde Kentucky auch fast jedes Jahr die NCAA gewinnen.

Seite 5: MVP des Turniers wird...

MVP des Turniers wird...

Stephen Arigbabu: Es ist ja eine Art ungeschriebenes Gesetz, dass ein Spieler MVP wird, der es auch ins Finale schafft - mindestens. Darum würde es auch Schröder nichts helfen, wenn er 30 Punkte im Schnitt macht und Deutschland früh ausscheidet. Wenn ich also mal von Spanien als Europameister ausgehe und Pau Gasol ein anständiges Turnier spielt, wird er es wahrscheinlich.

Robert Arndt: Das sehe ich ganz genauso. Auch in der Vorbereitung übernahm Pau wieder viel Verantwortung und spielte weit über 20 Minuten - trotz der Anwesenheit seines Bruders Marc. Sollte Spanien überzeugen, ist auch er meine erste Wahl. Ansonsten habe ich Nando de Colo bei Frankreich und Bogdan Bogdanovic bei den Serben auf dem Zettel. Die zwei Guards sind für mich aber nur Außenseiter.

Thorben Rybarczik: Ich hatte als MVP fest mit Giannis gerechnet, aber das geht ja jetzt nicht mehr. Deshalb würde ich euch zustimmen und auf Gasol tippen. Man hat ja bei den vergangenen großen Turnieren beobachten können, wie motiviert er ist und dass er immer noch über sich hinaus wachsen kann. Dass er zuletzt bei den Spurs kein allzu großer Faktor mehr war, sollte man nicht überbewerten. Das war ja vor zwei Jahren - als er noch bei den Bulls gespielt hat - ähnlich. Der Rest ist bekannt. Und dieses Jahr hat er sogar noch seinen Bruder Marc dabei, der für ihn die Drecksarbeit erledigen kann, damit sich Pau auf die MVP-relevanten Dinge, also vor allem das Scoring, konzentrieren kann.

Stephen Arigbabu: Es ist wahrscheinlich auch Gasols letztes, großes Turnier. Das sorgt für eine Portion Extra-Motivation bei ihm. Er will als Europameister abtreten und wird diesen Spirit aufs Team übertragen, das ihrem Anführer der goldenen Generation natürlich auch diesen tollen Abschluss bescheren will.

Ole Frerks: Wenn die Spanier es machen, wird es wahrscheinlich schon wieder ein Gasol, da habt ihr wohl Recht. Ich glaube in diesem Jahr aber nicht an die Spanier, dafür fehlt es mir ein wenig an Tiefe auf dem Flügel und an Dynamik im Backcourt - Sergio Llull wird richtig fehlen, Navarro lebt doch mittlerweile seit Jahren primär von seinem Ruf, auch wenn er vereinzelt immer noch starke Spiele hat. La Bomba ist eben einfach auch schon etwas in die Jahre gekommen. Ich habe wie gesagt die Serben auf dem Zettel und tippe daher auf Bogdanovic als MVP. Alternativ halte ich Valanciunas, Dragic, de Colo und - natürlich - beide Gasol-Hermanos für legitime Kandidaten.

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