EuroBasket 2017: "Wir haben noch viel zu tun. Dennis auch"

Die deutsche Mannschaft hat ihre Pflicht erfüllt und das erste Spiel der EuroBasket 2017 gegen die Ukraine mit 75:63 gewonnen. Bundestrainer Chris Fleming wollte im Anschluss aber noch nicht in Euphorie verfallen. Das Spiel habe Stärken, aber auch die Schwäche des DBB-Teams gezeigt.

Die deutsche Mannschaft hat ihre Pflicht erfüllt und das erste Spiel der EuroBasket 2017 gegen die Ukraine mit 75:63 gewonnen. Bundestrainer Chris Fleming wollte im Anschluss aber noch nicht in Euphorie verfallen. Das Spiel habe Stärken, aber auch die Schwäche des DBB-Teams gezeigt.

"Ich glaube, hauptsächlich ist der Ball nicht durch die Schleuse gegangen", sagte Bundestrainer Chris Fleming nach der Partie gegen die Ukraine mit einem Grinsen, als einer der deutschen Reporter ihn fragte, was da am Anfang schief gelaufen war. "Wir hatten gute Würfe. Es ist dann so: Wenn du sie nicht triffst, wirst du ein bisschen steifer, aber wir haben diese Situationen dann ganz gut gelöst."

Über drei Minuten hatte es zu den ersten deutschen Punkten dieses Turniers gedauert, einem Layup von Dennis Schröder, nach fast sieben Minuten waren allerdings auch bloß zwei Freiwürfe von Robin Benzing dazugekommen. Händeringend suchte das DBB-Team in dieser Phase Halt, gegen einen Gegner, den alle Welt zuvor als Pflichtaufgabe bezeichnet hatte.

Die Deutschen wirkten nicht selbstbewusst, ein Thema, was laut Fleming "immer wieder" aufkommt. "Da sind Spieler dabei, die weg waren, gerade verletzt, gerade erst neu dazugekommen sind, oder wie auch immer, und sie überlegen eher zweimal, ob sie werfen oder einen bestimmten Pass spielen oder nicht", bemängelte Fleming. Das Team solle entschlossener auftreten.

Stellenweise gelang das den Deutschen im weiteren Spielverlauf. Der nervöse Beginn ist im Endeffekt nur noch eine Randnotiz, denn die Partie wurde gewonnen, die Pflicht erledigt. "We started to get our shit together", fasste Benzing auf der anschließenden Pressekonferenz alles treffend zusammen. Auch wenn er sich Sekunden danach dafür entschuldigte, geflucht zu haben.

Fleming: Maodo Lo brachte Energie ins Spiel

Für die Augen der meisten Zuschauer kam der Wendepunkt, als Fleming kurz nach der ersten Viertelpause seinen besten Spieler wieder hereinbrachte - schließlich dominierte Schröder das zweite Viertel im Anschluss mit 13 Punkten und 4 Assists. Der Coach jedoch hatte schon vorher eine Wende im Spiel ausgemacht, wie er später erklärte.

"Ende des ersten und Anfang des zweiten Viertels war Maodo [Lo] ausschlaggebend dafür, dass wir unsere Energie ins Spiel gebracht haben", sagte Fleming. Der Bamberger hatte zwar offensiv Probleme gehabt, darum mache er sich jedoch keine Sorgen, erklärte der Coach: "Wir brauchen ihn defensiv, sein Wurf wird kommen."

Lo kümmerte sich fortan um den vorher starken Olexandr Mishula, der den Spielaufbau der Ukraine bis dahin fast im Alleingang geschmissen hatte. Deren Offense kam dementsprechend ins Stocken, den Deutschen fehlte also nur noch die Initialzündung in der eigenen Offense, um das Spiel zu drehen. Auftritt: Schröder.

Murzin: Kapitulation vor Dennis Schröder

"Wir wussten natürlich vorher, dass Schröder ein sehr guter Spieler ist", sagte Ukraine-Coach Ievgen Murzin auf der PK. "Er ist ein großartiger Spieler." Viel mehr fiel ihm nicht ein, um Schröders Spiel zu beschreiben. Allerdings war ihm eben vorher auch kein Mittel eingefallen, dieses zu beschränken. Auch wenn er kaum etwas unversucht ließ, von Traps über Double- und Triple-Teams, von sehr physischem Spiel ganz zu schweigen.

Beispielhaft war eine Szene kurz nach Schröders Rückkehr im zweiten Viertel, als er am Riesen Viacheslav Kravtsov hängen blieb und umfiel, aber keinen Pfiff hörte. Natürlich beschwerte sich Schröder, das hatte er auch im ersten Viertel schon ein paarmal getan. Statt aber zu schmollen, ließ er sein Spiel für sich sprechen und bestrafte die Ukraine auf diese Weise.

Schröder traf exzellent von draußen, das Absinken der Gegner war also immer wieder riskant. Mit seiner Schnelligkeit kamen sie logischerweise ebenso wenig klar, zumal die Ukraine auf den kleinen Positionen keinen herausragenden Athleten hat, der eine realistische Chance gehabt hätte, bei den Penetrationen des Hawks-Guards regelmäßig vor ihm zu bleiben.

Fleming: Nun denken wir an Georgien

So schenkte er ihnen am Ende brutal effiziente 32 Punkte ein, 7 Assists kamen dazu und man hatte das Gefühl, dass er, wenn er auch in Halbzeit zwei permanent den Fuß am Gas gehabt hätte, locker auch 40 hätte machen können. Er musste es an diesem Tag nicht, vielleicht muss er es aber in den kommenden Spielen versuchen. "Wir haben gerade den wohl schwächsten Gegner unserer Gruppe geschlagen", stellte Fleming klar. "Wir haben noch viel zu tun. Dennis auch."

Dementsprechend richtete sich der Fokus direkt nach dem "Riesenspiel" Schröders (Lo) auf die nächsten Aufgaben. Morgen wird pausiert, dann kommen nacheinander die Aufgaben Georgien und Israel, die härter werden dürften als das erste Spiel. Auch deshalb soll am spielfreien Tag versucht werden, neben dem Videostudium so gut zu regenerieren wie möglich.

Welche Lehren er aus dem Auftaktspiel für die weitere Gruppenphase ziehen kann, wurde Fleming gefragt. "Es auch nicht unbedingt etwas Taktisches", entgegnete der US-Amerikaner. "Es geht mehr darum, dass wir jetzt noch ein weiteres Spiel zusammen hatten, etwas selbstbewusster sind. Das ist so der Bereich, in dem wir noch am meisten Luft nach oben haben."

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