EuroBasket 2017: DBB vor Italien: "Vielleicht ist so ein Dämpfer ganz gut“

Nachdem die Niederlage gegen Israel verdaut wurde, steht für das DBB-Team mit Italien der nächste Gegner bei der EuroBasket 2017 an. SPOX sprach mit Daniel Theis und Marco Belinelli über das vorentscheidende Spiel in Gruppe B.

Nachdem die Niederlage gegen Israel verdaut wurde, steht für das DBB-Team mit Italien der nächste Gegner bei der EuroBasket 2017 an. SPOX sprach mit Daniel Theis und Marco Belinelli über das vorentscheidende Spiel in Gruppe B.

Ein bisschen war es der deutschen Mannschaft natürlich schon anzumerken, dass am Vorabend etwas nicht gerade Ideales passiert war. So eine kuriose Niederlage wie die gegen Israel will erst einmal verdaut werden, der Ruhetag kam daher genau zum richtigen Zeitpunkt.

Den Montag verbrachte das Team überwiegend im Hotel, auf dem Zimmer oder am Pool. Erst am Abend stand eine Trainingseinheit auf dem Programm, nachdem zuvor noch versucht wurde, das Israel-Spiel abzuhaken und vor allem die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Gar nicht so einfach, angesichts der großen Fehlerkette - aber im Laufe des Tages wendete sich die Stimmung dann doch wieder zum Positiven.

"Gestern war natürlich alles ein bisschen bedrückt, weil wir selbst wussten, dass wir es einfach verbockt haben", sagte Daniel Theis zu SPOX. "Aber jetzt ist wieder alles okay, normal würde ich sagen. Im Endeffekt haben wir immer noch eine sehr gute Chance, weiterzukommen."

Daniel Theis: "Italien ist nicht unschlagbar"

Am Dienstag muss das DBB-Team gegen Italien ran, am Mittwoch folgt dann das letzte Gruppenspiel gegen die Litauer. Ein Sieg aus diesen beiden Partien würde nahezu garantiert fürs Achtelfinale reichen, selbst mit zwei Niederlagen könnte es bei günstigem Verlauf mit Istanbul klappen. Natürlich soll aber lieber ein Sieg her, im Idealfall direkt am Dienstag.

"Italien ist nicht unschlagbar", sagte Theis und verwies auf die 25 Minuten zwischen erstem Viertel und Schlussphase, die gegen Israel "wirklich gut verteidigt" wurde. "Dass wir dann so einbrechen, darf uns nicht passieren, aber wichtiger ist, dass wir auf dem Positiven aufbauen und uns von dem Negativen nicht herunterziehen lassen."

Der Einbruch könne sogar etwas Positives bewirken, erklärte Theis weiter. "Wir hatten das in der Vorbereitung so nicht, dass wir eingebrochen sind am Ende. Vielleicht hilft es, dass wir diese Erfahrung jetzt gemacht haben", sagte der Big Man. "Jetzt besteht nicht die Möglichkeit, sich auf 3-0 auszuruhen. Vielleicht ist so ein Dämpfer sogar ganz gut."

Belinelli warnt vor Schröder

Genau wie Italien und Litauen weist das DBB-Team nach drei Spielen eine 2-1-Bilanz auf, Georgien, Israel und die Ukraine haben je ein Spiel gewonnen - noch ist also völlig offen, wer letzten Endes die ersten vier Plätze besetzen wird. "Es ist unvorhersehbar. Die Litauer sind vielleicht das stärkste Team, aber hier kann jeder jeden schlagen", sagte etwa Italiens Star-Guard Marco Belinelli zu SPOX.

Die Deutschen hält der Guard, der im Sommer zu den Hawks getradet wurde, für ein "sehr gutes Team", wobei er vor allem seinen künftigen Teamkollegen Dennis Schröder sehr respektiert. "Mit Sicherheit ist Schröder ihr bester Spieler, er ist unheimlich schnell und ein guter Scorer. Gegen ihn müssen wir extrem wach sein", warnte Belinelli.

Allzu gut kenne er Schröder, dessen leichte Handverletzung ihn am Dienstag nicht mehr behindern sollte, allerdings noch nicht: "Wir sagen uns nur Hallo, wir sind natürlich gerade alle sehr beschäftigt und haben unterschiedliche Zeitpläne, auch wenn wir hier im gleichen Hotel wohnen. In Atlanta haben wir dann noch jede Menge Zeit, um uns kennenzulernen", grinste der NBA-Champion von 2014 (Spurs).

Theis: Vorfreude auf Duell mit Melli

Etwas geselliger geht es da schon auf den großen Positionen zu. Denn während Schröder (25 PPG) und Belinelli (19,3) erst ab der kommenden Saison zusammenspielen, haben Theis und Italiens Niccolo Melli in Bamberg zwei gemeinsame und extrem erfolgreiche Jahre hinter sich: "Wir sehen uns ja jeden Tag und quatschen natürlich", sagte Theis, der gegenüber SPOX keinen Hehl aus seiner Vorfreude machte.

"Niccolo hat gestern einen kleinen Schlag abbekommen, aber heute habe ich ihn schon gesehen und er meinte, morgen ist er bereit", sagte Theis. "Er freut sich drauf. Das wird interessant, weil wir jetzt zwei Jahre lang im Training jeden Tag gegeneinander geackert haben. Jeder kennt wirklich jeden Move des anderen in- und auswendig. Ich glaube, das wird ein richtig gutes Duell."

Auch Italien hat Sorgen

Gut möglich, dass diese beiden Matchups spielentscheidend sein werden. Die Italiener sind mit einer weniger hochkarätigen Mannschaft angereist als beispielsweise zur EuroBasket 2015 in Berlin - dafür hat unter anderem Superstar Danilo Gallinari gesorgt, als er sich in der Vorbereitung bei einem Faustschlag die Hand brach. An seiner Statt sind Belinelli, Melli, Neu-Bamberger Daniel Hackett und natürlich Luigi Datome die wohl gefährlichsten Spieler.

Als "explosives" Team bezeichnete Theis die Italiener - zurecht: Italien schießt im Turnier bisher fast 50 Prozent von Downtown, obwohl es öfter abdrückt als jedes andere Team (28 Versuche pro Spiel). Wenn man den Italienern den Wurf nimmt, fehlt ihnen aber häufig die zündende Idee, abgesehen vom Hero-Ball. Ohne Gallinari sind sie darin allerdings nicht mehr so gefährlich wie sonst.

Werden die richtigen Lehren gezogen?

Wenn das DBB-Team sich also darauf fokussiert, 40 Minuten lang so diszipliniert zu verteidigen wie zweieinhalb Viertel lang gegen die Israelis, sind die Chancen durchaus gut. Dass die deutsche Mannschaft das kann, hat sie gegen Georgien gezeigt, wenngleich die Italiener natürlich einen anderen Spielstil favorisieren.

Wenn die richtigen Lehren gezogen werden, könnte Theis also Recht haben - denn dann wäre das Israel-Spiel wirklich nur ein Dämpfer, den man schnell abhaken könnte auf dem Weg zum besten EM-Ergebnis der Deutschen seit 2011, als zuletzt eine Vorrunde überstanden wurde. Aber wenn nicht - dann dürfte man sich noch lange an diesen kuriosen Abend in Tel Aviv zurückerinnern.

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