Der Euro verliert an Bedeutung

Der Euro hat gegenüber dem US-Dollar im vergangenen Jahr deutlich an Boden verloren und war international weniger gefragt. Die Europäische Zentralbank sieht dafür vor allem einen Grund.


Die Gründerväter des Euro wollten mit der Gemeinschaftswährung nicht zuletzt den US-Dollar herausfordern – und dessen weltweite Vorherrschaft als Leitwährung brechen. Vielleicht hatten manche den Satz des früheren US-Wirtschaftsministers John Connally im Kopf: „Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem.“

Auch 18 Jahre nach der Euro-Einführung jedoch ist der Dollar unangefochten die wichtigste Währung der Welt. Der Abstand zum Euro hat sich 2016 sogar noch vergrößert. „Der Euro hat als internationale Währung weiter an Boden verloren“, sagte EZB-Direktor Benoît Cœuré am Mittwoch bei der Vorstellung eines Reports zur internationalen Rolle des Euro. Die abnehmende Bedeutung zeige sich etwa bei internationalen Schuldenpapieren, bei Fremdwährungskrediten und Fremdwährungsschulden. Hier macht sich bemerkbar, dass immer mehr Fremdwährungskredite in Schwellenländern aufgenommen werden. Diese wiederum werden größtenteils in US-Dollar abgewickelt.


Hauptsächlich führt die Europäische Zentralbank (EZB) den internationalen Bedeutungsverlust des Euro jedoch auf die politische Unsicherheit 2016 zurück. Das Brexit-Votum, der Regierungswechsel in den USA sowie Wahlen in einigen Euro-Ländern hätten dazu geführt, dass der Euro international weniger gefragt gewesen sei.

Nach wie vor bleibe der Euro jedoch „unangefochten die zweitwichtigste internationale Währung,“ stellte Cœuré klar. Er habe seine Position in einem Umfeld behauptet, in dem die nicht-konventionellen Reservewährungen aus den Schwellenländern immer wichtiger würden. Seinen Anteil an den weltweiten Devisenreserven konnte der Euro auf 19,7 Prozent von zuvor 19,4 Prozent sogar leicht ausbauen. Die EZB sieht dies als Zeichen dafür, dass sich der Euro als offizielles Mittel zur Wertaufbewahrung bei Turbulenzen an den Finanzmärkten behauptet habe.


Die weltweit führende Reservewährung blieb 2016 mit Abstand der Dollar. Sein Anteil an den globalen Devisenreserven ging jedoch leicht auf 64 von zuvor 65 Prozent zurück. In Zukunft könnte vor allem der Anteil des chinesischen Renminbi deutlich zunehmen, der aktuell bei etwa einem Prozent liegt. Die EZB hatte unlängst rund eine halbe Milliarde Euro an Dollar-Währungsreserven in die chinesische Währung getauscht. Aus Sicht von EZB-Direktor Cœuré war die jüngste Investition der Euro-Notenbank in den Renminbi ein erster Schritt in einer Lernkurve. Weitere Käufe seien möglich.
Auch der Euro könnte in diesem Jahr wieder etwas Boden gut machen. Nach dem Erfolg des reformorientierten Kandidaten Emmanuel Macron bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich spielen an den Märkten die politischen Risiken in der Euro-Zone derzeit kaum eine Rolle. Dies könnte das internationale Vertrauen in den Euro wieder stärken.

KONTEXT

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