Euro gibt im ersten Juli-Handel deutlich nach


Der Euro ist am Montag mit Verlusten in die neue Handelswoche und den Juni gestartet. Am Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1369 Dollar und damit ein halbes Prozent weniger als am Freitagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitagnachmittag auf 1,1412 Dollar festgesetzt. Die Commerzbank-Analysten führten die Schwäche beim Euro nur auf Gewinnmitnahmen zurück. „Der Markt hat allen Grund, an seiner Meinung festzuhalten, dass die EZB bald den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik vornimmt und den Leitzins anhebt“, sagte Devisenexpertin Antje Praefcke.

Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hatte den Stein vergangene Woche ins Rollen gebracht, als er nach Meinung von Börsianern Hinweise auf ein Anziehen der geldpolitischen Zügel gab. Draghi sieht die Wirtschaft auf einem breiten und soliden Erholungspfad. Mit der Aussage, die Tendenz der Inflation zeige in die richtige Richtung, überraschte er die Märkte, die plötzlich die Wende zum Ende der ultralockeren Geldpolitik aus den Worten vernommen haben wolle. Daraufhin war der Euro auf ein Zwölf-Monats-Hoch geklettert, insgesamt hatte er sich in der vergangenen Woche um mehr als zwei ganze Dollar-Cent verteuert.


Dass es um die Wirtschaft in der Euro-Zone gut bestellt ist, zeigten die Einkaufsmanagerindizes der Industrie. Die Geschäfte der Firmen legten im Juni so stark zu wie seit mehr als sechs Jahren nicht. Der Index des Analysehauses Markit für die deutsche Industrie kletterte auf ein Vier-Jahres-Hoch von 59,60 Punkten. Bei 50 Zählern signalisiert der Sektor einen Wachstumskurs. Der Einkaufsmanagerindex für die gesamte Euro-Zone kletterte von 57,30 auf 57,40 Punkte. Für Frankreich fiel er leicht von 55,00 auf 54,80 Zähler, am Nachmittag folgt der US-amerikanische.

„Spekulationen, wonach die EZB ihre Geldpolitik schneller anpassen könnte, sollten vor diesem Hintergrund zumindest nicht kleiner werden“, sagte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. Dass es heute wieder runter ging beim Euro, und das obwohl europäische Konjunkturdaten eine stabile Wirtschaft bezeugten, was den Druck auf die Geldpolitik erhöht, lässt den Rückschluss zu, dass der ein oder andere Kasse machte – oder die jüngste Euro-Teuerung doch für eine Übertreibung hält.