EuGH: 100.000 Euro pro Tag für das Abholzen des Białowieża-Walds in Polen

Sollte Polen das Abholzen im Białowieża-Wald nicht sofort einstellen, droht dem Land eine Strafe von 100.000 Euro pro Tag. Das geht aus einem Beschluss des Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg hervor, der damit eine Anordnung der EU-Kommission bestätigt.

Seit März 2016 fällt die polnische Regierung Bäume in einem der letzten Urwälder Europas. Über einen Zeitraum von zehn Jahren sollen rund 180.000 Kubikmeter Holz aus dem nicht unter Schutz stehenden Teil des Waldes abgeholzt werden. Begründet hatte die rechtskonservative Regierungspartei (PiS) ihr Vorgehen damit, den Borkenkämpfer, einen Holzschädling, bekämpfen zu wollen. Außerdem sollen sowohl Forstmitarbeiter als auch Touristen vor umfallenden Bäumen geschützt werden. Gegenüber der EU sagte die Regierung, dass das Roden der Bäume im Einklang mit EU-Regeln geschehe, um eine Zerstörung des Waldes zu verhindern.

Die EU-Kommission sieht das anders. Sie hatte Polen vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt, weil das Land trotz Aufforderung aus Brüssel weiter Bäume im Białowieża abholzte.

Eine Umweltaktivistin erklärt: “Ich bin das erste Mal um die Osterzeit in den Wald gekommen und ich habe das Ausmaß der Abholzung gesehen. Es hat mir das Herz gebrochen.”

Umweltschützer warnen davor, dass das Fällen zahlreicher Bäume das unberührte Ökosystem zerstören könnte.

Rafal Kowalczyk arbeitet für die polnische Akademie der Wissenschaften, er sagt: “Dieser Wald ist anders: Er ist ein ursprünglicher Wald. So sollte ein Wald aussehen. “

Der europäische Urwald, der sich über eine Fläche von 150.000 Hektar in Polen und Weißrussland erstreckt ist seit 1979 Teil des ist der Unesco-Welterbes. Im Wald leben rund 20.000 Tierarten, darunter ist auch das europäische Bison. Mit rund 50 Metern Höhe stehen dort auch die höchsten Bäume Europas.