Warum euch die falschen Glaubenssätze am Vermögensaufbau hindern - und wie ihr das ändert

Margarethe Honisch
·Lesedauer: 4 Min.

"Geld verdirbt den Charakter", "Geld allein macht nicht glücklich" – wer von uns hat all diese Binsenweisheiten nicht schon gehört oder selbst angewandt. Das Problem dabei ist: Indem wir solche Sprüche und Glaubenssätze immer wieder hören oder selbst anwenden, glauben wir sie irgendwann auch. Und genau das kann fatale Folgen für unsere Finanzplanung haben.

Glaubenssätze – nur esoterisches Gelaber?

Zunächst einmal, was sind überhaupt Glaubenssätze? Ich habe lange Zeit gedacht, Glaubenssätze wären irgendein esoterischer Mist, bei deren Auseinandersetzung, man sich im Gruppenkreis an den Händen hält, während ein selbsternannter Coach mit sanfter Stimme einem Mut zuflüstert. Tatsächlich beschäftigen sich auch unterschiedliche Wissenschaftsbereiche mit dem Thema Glaubenssätze, darunter die Verhaltenspsychologie und sogar die Biochemie. Denn Glauben löst auch beobachtbare biochemische Prozesse im Gehirn aus. Statt Räucherstächen, setzt man dabei also auf handfeste Studien.

Glaubenssätze sind im Grunde persönliche Überzeugungen oder Leitprinzipien, die unserem Leben einen Sinn und eine Richtung geben – oder uns auch von einer bestimmten Richtung abhalten. Das heißt, sie sind nicht unbedingt wahr oder gut für uns. Vielmehr sind es „interne Befehle“ an das Gehirn. Bezogen auf Geld, äußern sie sich beispielsweise so, dass Menschen sich ein ungesundes finanzielles Verhalten aneignen, weil sie eh nicht daran glauben, eines Tages viel Geld zu haben.

Wer aus einem finanziell schwachen Elternhaus kommt, hat gelernt, dass Reichtümer nur „den anderen“ vorbehalten sind oder es unmöglich ist finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen. Da Glaubenssätze nicht beim Glauben aufhören, sondern sich direkt auf das Verhalten auswirken, bleiben Menschen, die so denken, in dieser Spirale hängen. Wozu schließlich Geld sparen und auf etwas verzichten? Stattdessen wird zusätzlich noch der Fernseher auf Pump gekauft.

Keine Lust auf Sex wegen Geldsorgen

Viele meiner Workshops starten auch mit dem Thema Glaubenssätze. Dazu sammle ich mit den Teilnehmerinnen meist negative Glaubenssätze und lasse diese dann überprüfen: Stimmt das wirklich? Gibt es Studien dazu? Gibt es Gegenbeispiele aus dem Bekanntenkreis?

Beispielsweise der Glaubenssatz „Geld allein macht nicht glücklich.“ Vermutlich würden die meisten spontan zustimmen, weil wir alle wissen, dass zum Glück auch eine gute Gesundheit und soziale Beziehungen gehören. Studien zeigen jedoch, dass sich Geldsorgen genau darauf negativ auswirken können.

Wissenschaftler nennen dieses Phänomen, das „Money Sickness Syndrome“. Wer unter finanziellem Stress steht, hat häufiger auch mit Angstzuständen, Konzentrationsschwäche, Schlaflosigkeit sowie Atemnot, Verdauungsstörungen oder sogar dem Verlust der Libido zu kämpfen. Ja, richtig: Wer sich um Geld sorgt, denkt nicht an Sex.

Das Gehirn einfach mal austricksen

Das Gute an Glaubenssätzen ist: Sie sind eine Wahl und wir haben die Macht, unsere Überzeugungen zu wählen – und zu ändern. Aus einem „Geld allein macht nicht glücklich“, wird dann ein „Geld verhilft mir zu weniger Sorgen und gibt mir Sicherheit“. Diesen Satz muss ich mir dann immer wieder vorsagen, damit ich ihn irgendwann auch wirklich verinnerlicht habe und er in meinem Gehirn angekommen ist. Manche Menschen nutzen dafür Affirmationen und sagen sich ihre neuen Glaubenssätze immer wieder auf. Andere arbeiten mit Visualisierungen. Klingt immer noch zu esoterisch? Es gibt dazu auch Beispiele aus dem echten Leben.

Wer Sportsendungen schaut, kann immer wieder beobachten, wie Spitzensportler vor ihrem Einsatz mit sich selbst sprechen. Muhammad Ali ist bekannt dafür, Affirmationen genutzt zu haben. Jim Carey wählte Visualisierungen und hat sich selbst einen 10-Millionen-Dollar-Check ausgestellt und ihn auf Thanksgiving 1995 datiert, den er jahrelang mit sich herumtrug. Wenige Tage vor diesem Ereignis bekam er die Zusage für den Film „Dumm und dümmer.“ Die Gage: 10 Millionen Dollar.

Erkennen & umprogrammieren

Wenn ihr also schon immer Probleme damit hattet, gut mit Geld umzugehen, überlegt euch, warum das so ist? Oft fängt so eine Programmierung des Gehirns schon in der Kindheit an. Was haben Cruella de Vil aus 101 Dalmatiner, die böse Königin aus Schneewittchen oder Jafar aus Aladin gemeinsam? Richtig, sie sind alle böse – aber auch alle reich. Als Kind nehmen wir so etwas unterbewusst wahr.

Unsere Überzeugungen werden irgendwann zu unserer Realität und letztendlich könnt ihr auch entscheiden, was ihr glaubt. Glaubt ihr, dass ihr immer Geldsorgen haben werdet oder glaubt ihr, dass ihr eure Finanzen in den Griff bekommt? Ihr entscheidet.