EU-Staaten setzen 2018 Pflicht zum automatischen Aufkauf von Milchpulver aus

Ein Sack Magermilchpulver in einem Lager in Belgien

Die EU-Staaten haben für dieses Jahr die Pflicht Brüssels zum automatischen Aufkauf von Magermilchpulver ausgesetzt. Die Menge, welche die EU-Kommission den Produzenten zu einem festen Preis abnehmen muss, sei "für 2018 auf null Tonnen" gesetzt worden, teilte der EU-Rat nach einem Beschluss der europäischen Agrarminister am Montag mit. Grund seien bereits "sehr hohe Lagerbestände" der EU bei Magermilchpulver von fast 400.000 Tonnen.

Schon die derzeitigen Lagermengen könnten "ernsthaften Druck auf den Markt" ausüben, "mit einer negativen Wirkung auf die Preise für Molkereiprodukte", hieß es in einer Pressemitteilung. Die EU bekommt ihre schon eingelagerten Bestände derzeit nicht los, weil die Marktpreise inzwischen unter dem Interventionsniveau beim Aufkauf liegen.

Produzenten von Magermilch können normalerweise jedes Jahr zwischen dem 1. März und dem 30. Juni Stützungskäufe zu Festpreisen von der EU-Kommission verlangen. Obergrenze sind 109.000 Tonnen. Auch wenn es dieses Jahr keinen "automatischen" Aufkauf gebe, könne die EU weiter "von Fall zu Fall" eingreifen, erklärte der EU-Rat. Dabei entscheide Brüssel aber selbst, wieviel und zu welchem Preis gekauft werde.

Welche Auswirkungen die Aussetzung des automatischen Aufkaufs von Pulver auf den Milchmarkt insgesamt haben wird, ist schwer absehbar. EU-Vertreter verwiesen darauf, dass die Preise für Butter im vergangenen Jahr deutlich gestiegen sind. "Die Erzeuger haben die Sahne abgeschöpft und daraus Butter gemacht", hieß es. "Und in einem zweiten Schritt haben sie Magermilchpulver nochmal an die Kommission verkaufen können."

Nach Daten des Milchmarkt-Observatoriums der EU-Kommission (MMO) befanden sich in europäischen Lagern Mitte Januar 378.578 Tonnen Magermilchpulver. Die größten Mengen gab es dabei in Frankreich (71.740 Tonnen), Belgien (66.235 Tonnen) und Deutschland (65.571 Tonnen).