EU-Kommission will Steuerberater zur Transparenz zwingen

dpa-AFX

BRÜSSEL (dpa-AFX) - Im Kampf gegen Steuerflucht will die EU-Kommission Steuerberater, Buchhalter, Bankiers oder Anwälte zur Transparenz verpflichten. Diese müssten sich an die Behörden wenden, wenn sie den Verdacht hätten, dass Klienten von ihnen Steuern hinterziehen wollten, schlug die EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel vor. "Steuerbehörden sollten über die notwendigen Informationen verfügen, um aggressive Steuerplanungsstrategien zu unterbinden", erklärte EU-Finanzkommissar Pierre Moscovici.

Damit zieht die Brüsseler Behörde auch eine Konsequenz aus den Panama Papers. Im Zentrum des Skandals steht die Anwaltskanzlei Mossack Fonseca aus Panama. Aus öffentlich gewordenen Unterlagen geht hervor, dass zahlreiche Politiker, Sportler und andere Prominente Vermögen in Offshore-Firmen hielten.

Die Meldepflicht soll nach Vorstellungen der EU-Kommission sowohl für die Berater als auch für ihre Kunden gelten. Verdächtig wären dabei etwa Überweisungen in Steuerparadiese oder Geschäfte mit Gebieten, die kaum gegen Geldwäsche vorgehen. Auch Mehrfachsteuernachlässe in unterschiedlichen Ländern nennt die EU-Kommission. Die Vorschläge können aber nur in Kraft treten, wenn die EU-Staaten zustimmen. Das Europaparlament muss angehört werden.

Bei betroffenen Berufsgruppen lösten die Pläne schon vor der offiziellen Präsentation Alarm aus. "Das ist der Einstieg in den Ausstieg des Anwaltsgeheimnisses", sagte der Präsident des Deutschen Anwaltvereins, Ulrich Schellenberg.