Geplante Monsanto-Übernahme durch Bayer wohl nicht mehr in diesem Jahr

Die EU hat Bedenken gegen die Übernahme von Monsanto durch Bayer

Die geplante Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto durch den deutschen Chemiekonzern Bayer wird dieses Jahr wohl nicht mehr über die Bühne gehen. Die EU-Kommission kündigte am Dienstag an, die umstrittene Fusion wegen "vorläufiger Bedenken" genau unter die Lupe zu nehmen. Die Entscheidung soll bis zum 8. Januar 2018 fallen. Bayer erklärte, "aufgrund der Größe und des Umfangs der geplanten Übernahme" mit einer näheren Untersuchung gerechnet zu haben.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager teilte mit, die Brüsseler Behörde sei besorgt darüber, "dass der Zusammenschluss den Wettbewerb in den drei Bereichen Pestiziden, Saatgut und agronomische Merkmale beeinträchtigen könnte". Bei agronomischen Merkmalen handelt es sich um Charakteristika von Pflanzen wie Größe oder Resistenz gegen bestimmte Krankheiten oder Pestizide, die in Laboren entwickelt werden können. Hier hat Monsanto weltweit eine vorherrschende Stellung.

"Saatgut und Pestizide sind für Landwirte und letztlich auch für die Verbraucher von entscheidender Bedeutung", begründete Vestager die Entscheidung. Die Kommission habe derzeit Bedenken, dass die geplante Übernahme den Wettbewerb auf verschiedenen Märkten "einschränken könnte, was zu höheren Preisen, einer geringeren Qualität, weniger Auswahl und geringerer Innovation führen würde". Die Kommission müsse "auf diesen Märkten einen wirksamen Wettbewerb sicherstellen".

Um die Bedenken auszuräumen, hätten Bayer und Monsanto Verpflichtungsangebote vorgelegt, teilte die Kommission mit. Diese hätten aber nicht ausgereicht, um die "ernsthaften Zweifel an der Vereinbarkeit des Zusammenschlusses mit der EU-Fusionskontrollverordnung zu zerstreuen".

Bayer erklärte, von den Vorteilen des geplanten Zusammenschlusses für die Landwirte und Kunden überzeugt zu sein. Der Konzern werde die EU-Kommission bei der Untersuchung wie bisher eng und konstruktiv unterstützen. Die geplante Übernahme hat einen Umfang von umgerechnet rund 56 Milliarden Euro. Der Zusammenschluss mit Monsanto würde Bayer zum Weltmarktführer in der Agrarchemie machen.

Bayer hatte Ende Juni bei der EU-Wettbewerbsbehörde die Zulassung der geplanten Fusion beantragt. Die EU-Kommission als Kartellwächterin muss die Übernahme von Monsanto durch Bayer genehmigen. In den USA läuft das behördliche Verfahren zur Kartellfreigabe bereits. Gegenüber Monsanto gibt es allerdings vielerorts Vorbehalte, weil das Unternehmen neben dem umstrittenen Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat auch gentechnisch veränderte Pflanzen herstellt.

"Die geplante Fusion von Bayer und Monsanto wäre schlecht für den Wettbewerb und schlecht für die Umwelt", erklärten Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter und die Grünen-Wettbewerbspolitikerin Katharina Dröge. Sie forderten Vestager auf, neben Wettbewerbsaspekten auch die Auswirkungen auf die Umwelt und Ernährungsfragen zu prüfen.

Auch die Umweltorganisation WWF begrüßte die Ankündigung der EU-Kommission. "Es ist gut, dass Bayer den US-Saatgut- und Herbizidspezialisten Monsanto nicht einfach schlucken darf", erklärte Jörg-Andreas Krüger vom WWF Deutschland". Dies stimme "vorsichtig optimistisch, dass die EU im laufenden Jahr nicht auch noch eine dritte Elefantenhochzeit im Agrar-Sektor durchwinkt".

Der Sektor für Agrochemie durchläuft derzeit eine starke Konsolidierung: ChemChina schluckte im Mai das schweizerische Chemieunternehmen Syngenta, im Juni gaben die US-Behörden grünes Licht für die Fusion der beiden US-Chemieriesen Dow Chemical und DuPont. Umwelt- und Entwicklungsverbände warnen, die Fusionen würden zu einer starken Monopolisierung führen: Nur noch drei Konzerne würden 70 Prozent des weltweiten Pestizidmarktes und mehr als 60 Prozent des kommerziellen Saatguts kontrollieren.