EU-Kommission verklagt Polen wegen Abholzung im geschützten Bialowieza-Wald

Bialowieza-Wald in Polen

Die EU-Kommission hat Polen wegen der verstärkten Abholzung im Bialowieza-Wald vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt. Weil Polen bereits mit dem Holzeinschlag in geschütztem Gebiet begonnen hat, forderte die Kommission am Donnerstag in Brüssel eine einstweilige Verfügung des EuGH. Diese wird nur in außerordentlich dringenden und schwerwiegenden Fällen verhängt, bis ein endgültiges Urteil ergangen ist.

Die Klage folgte einer Aufforderung der Kommission vom April, in der die Behörde Polen zur Einstellung des großflächigen Holzeinschlags in dem als einer der letzten Urwälder Europas geltenden Gebiet aufforderte. Polens rechtskonservative Regierung hatte im März 2016 beschlossen, eine Verdreifachung der bisher zugestandenen Abholzung zu erlauben, auch in Gebieten des Waldes, die bisher von Eingriffen jeglicher Art ausgenommen waren.

Polen hätte die angekündigten Maßnahmen innerhalb eines Monats zurücknehmen müssen. Stattdessen setzte das Land den Beschluss um. Polens Umweltminister Jan Szyszko forderte im Juni, den Wald von der Unesco-Welterbeliste zu streichen. In der vergangenen Woche demonstrierten Umweltschützer in Krakau, wo das Unesco-Welterbekomitee tagte, gegen die Abholzung.

Der Wald von Bialowieza erstreckt sich über 150.000 Hektar entlang der Grenze zwischen Polen und Weißrussland. Ein Teil des Waldes ist Schutzgebiet und zählt zum Weltnaturerbe und Biosphärenreservat der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (Unesco). Menschliche Eingriffe sind dort nur sehr eingeschränkt erlaubt, Besucher dürfen sich nur auf bestimmten Routen bewegen.

Polen hatte die Abholzung zuvor mit der Bekämpfung des Borkenkäfers gerechtfertigt. Dies widerspreche aber den Naturschutzzielen für das Gebiet, das Teil des Natura-2000-Netzes der EU ist. Das Netz verbindet Schutzgebiete in der gesamten Europäischen Union und macht mehr als 18 Prozent der Landfläche der EU sowie sechs Prozent der Meeresfläche aus.