EU macht Weg für Monsanto-Übernahme durch Bayer frei

Die EU-Kommission hat grünes Licht für die Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto durch den Chemieriesen Bayer gegeben. Die Unternehmen hätten durch Zugeständnisse die "wettbewerbsrechtlichen Bedenken" der Kommission ausräumen können

Die EU-Kommission hat grünes Licht für die Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto durch den Chemieriesen Bayer gegeben. Die Unternehmen hätten durch Zugeständnisse wettbewerbsrechtliche Bedenken "vollständig ausgeräumt", erklärte die Brüsseler Behörde am Mittwoch und knüpfte die milliardenschwere Übernahme zugleich an Bedingungen. Bayer begrüßte die Entscheidung als "großen Erfolg" und "Meilenstein", das Bündnis "Konzernmacht beschränken" kritisierte die Genehmigung hingegen scharf.

Durch die Übernahme des US-Konzerns durch den deutschen Chemieriesen soll der weltweit größte Anbieter von Pestiziden und Saatgut entstehen. Aufgrund von Bedenken, die Fusion könne den Wettbewerb bei Schlüsselprodukten für Bauern einschränken, hatte die EU im August eine vertiefte Prüfung der Fusion eingeleitet. In der Folge kündigte Bayer an, Teile seines Geschäfts an den Ludwigshafener Konkurrenten BASF abzugeben.

Am Mittwoch erklärte die Kommission nun, die Übernahme sei nach der EU-Fusionskontrollverordnung "geprüft und genehmigt". Durch die Verpflichtungszusagen der Unternehmen werde gewährleistet, "dass auf den Märkten für Saatgut, Pflanzenschutzmittel und digitale Landwirtschaft auch nach dem Zusammenschluss wirksamer Produkt- und Innovationswettbewerb herrscht", erklärte Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager.

Dieser Beschluss ist aber ausdrücklich daran geknüpft, dass die entsprechenden Geschäftsteile auch tatsächlich verkauft werden: "Bayer kann die Übernahme von Monsanto erst dann vollziehen, wenn die Kommission die endgültige Veräußerung des gesamten Pakets an BASF förmlich geprüft und genehmigt hat", erklärte die Kommission. Auf den ersten Blick habe es den Anschein, "dass BASF ein geeigneter Käufer sein könnte". Zudem hätten sich Wettbewerber und Kunden "größtenteils positiv zur Eignung der BASF als Käufer" geäußert.

Bayer-Chef Werner Baumann begrüßte die EU-Genehmigung als "bedeutenden Meilenstein". Der Chemiekonzern peilt an, die Monsanto-Übernahme noch im zweiten Quartal dieses Jahres abzuschließen. Gemeinsam mit Monsanto wolle Bayer "Landwirten in aller Welt helfen, mehr und bessere Nahrungsmittel nachhaltiger zu produzieren", erklärte Baumann. "Davon profitieren Verbraucher und Umwelt."

Die Initiative "Konzernmacht beschränken" erklärte hingegen, es sei ein "schlechter Tag" für Landwirte und Verbraucher. Vor allem in den Ländern auf der südlichen Erdhalbkugel steige dadurch für Bauern die "Abhängigkeit vom Superkonzern", erklärte das Bündnis, dem 28 Organisationen unter anderem aus den Bereichen Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft angehören.

Die Übernahme werde "weltweit fatale Folgen" haben, warnte auch das katholische Hilfswerk Misereor. Die Fusion sei "ein weiterer Schritt in Richtung der Kontrollübernahme weniger Konzerne über die weltweiten Saatgut- und Pestizidmärkte", erklärte Misereor-Chef Pirmin Spiegel. Für die Konzerne gehe es um Gewinnmaximierung und die Erschließung neuer Wachstumsmärkte. Dies sei weder an den Realitäten kleinbäuerlicher Betriebe ausgerichtet noch an den sich verändernden klimatischen Bedingungen in Afrika, Asien, Lateinamerika und Europa.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter erklärte, Umweltschutzaspekte hätten im Genehmigungsverfahren "offenbar keine Rolle gespielt". Die Linken-Politikerin Eva-Maria Schreiber kritisierte, vor allem Kleinbauern drohten "in eine gefährliche Abhängigkeit von hohen Saatgutpreisen" zu geraten.