Lufthansa kann mit 33 weiteren Air-Berlin-Maschinen fliegen

Im Streit um möglicherweise überhöhte Ticketpreise tadelt das Bundeskartellamt die Lufthansa

Die Lufthansa kann 33 weitere Maschinen der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin in ihre Flotte aufnehmen: Die EU-Kommission erlaubte die bereits im Oktober vereinbarte Übernahme dieser Flugzeuge am Donnerstag unter Auflagen. Deutschlands größte Airline habe ausreichende Zugeständnisse gemacht, sodass der Kauf nur begrenzte Auswirkungen auf den Wettbewerb habe, erklärte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Demnach verzichtet die Lufthansa auf einige Start- und Landerechte in Düsseldorf.

Vestager erklärte, es sei der "Job" der Kommission dafür zu sorgen, dass Übernahmen nicht dazu führten, dass Verbraucher danach schlechter dran seien. Die ebenfalls von der Lufthansa geplante Übernahme der Air-Berlin-Tochter Niki drohte die Kommission mit diesem Argument zu verbieten - daher verzichtete die Lufthansa vor einer Woche kurzerhand auf Niki.

Mit dem Segen der Kommission übernimmt die Lufthansa nun die Air-Berlin-Tochter LG Walter (LGW) mit 33 Maschinen und über 800 Mitarbeitern und gliedert sie in ihre Billig-Tochter Eurowings ein. Abgeschlossen sein soll der Verkauf bereits im Januar. "Alle Mitarbeiter der LGW kommen mit ihren bestehenden Arbeitsverträgen zur Eurowings", erklärte Eurowings-Chef Thorsten Dirks am Donnerstag. Die Zahl solle im Flugbetrieb 2018 auf bis zu 870 Mitarbeiter wachsen.

Der Generalbevollmächtigte für Air Berlin, Frank Kebekus, äußerte sich erfreut. Mit dem Verkaufserlös könne die insolvente Fluggesellschaft einen weiteren Teil des 150-Millionen-Kredits zurückzahlen, den Air Berlin Mitte August zur Aufrechterhaltung des Flugbetriebs vom Bund bekommen hatte, kündigte er an. Medienberichten zufolge soll Kebekus schon mehr als 40 Millionen Euro überwiesen haben.

40 Millionen Euro sollte auch der britische Billigflieger Easyjet für 25 Air-Berlin-Maschinen sowie Start- und Landerechte (Slots) für den Flughafen Berlin Tegel zahlen. Diese Übernahme hatte die Kommission bereits am 12. Dezember genehmigt. Bundesverkehrsminister Christian Schmidt (CSU) sprach angesichts der Genehmigung aus Brüssel für die Lufthansa von einem "guten Signal für den Luftverkehrsstandort Deutschland".

Die Lufthansa verleibt sich insgesamt 63 Maschinen von Air Berlin ein: 30 hatte sie bereits nach der Insolvenz Mitte August gekauft oder geleast, wie ein Sprecher am Donnerstag erläuterte. Darunter sind auch vier Maschinen von Niki - sie muss Lufthansa zu Marktkonditionen wieder veräußern, falls sich ein anderer Käufer für Niki findet.

Niki musste nach dem Kaufverzicht der Lufthansa Insolvenz anmelden und steht weiterhin zum Verkauf. Die Bieterfrist endete Donnerstagmittag; Insolvenzverwalter Lucas Flöther wollte die verbindlichen Angebote am Freitag dem Gläubigerausschuss vorlegen. Dort werde es Freitag "eine Entscheidung, zumindest eine Weichenstellung geben", sagte Flöther im österreichischen Sender ORF, wie die Nachrichtenagentur APA berichtete.

Interesse an Niki angemeldet haben nach eigenen Angaben der Gründer der Airline, der frühere Rennfahrer Niki Lauda, der britische Reiseveranstalter Thomas Cook und der deutsche Ex-Manager Thomas Limberger mit seiner Investmentgesellschaft SilverArrow.