Bayer-Monsanto-Fusionsauflagen machen BASF zum Gewinner

Die EU-Wettbewerbshüter haben Bayer die geplante milliardenschwere Übernahme von Monsanto erlaubt. Allerdings sind die Auflagen streng.

Die EU-Kommission gibt die Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto durch Bayer unter Auflagen frei. Das teilte EU-Wettbewerbshüterin Margrethe Vestager am Mittwoch mit. Bayer macht damit einen großen Schritt bei den Fusionsplänen. Das Verfahren in Brüssel gilt neben dem in den USA als eine der beiden entscheidenden Kartellprüfungen. Das Urteil des US-Justizministeriums steht noch aus und könnte sich noch einige Zeit hinziehen.

„Die Genehmigung der Europäischen Kommission ist ein großer Erfolg und ein bedeutender Meilenstein", erklärte der Bayer-Vorstandsvorsitzende Werner Baumann. Die Leverkusener wollen 62,5 Milliarden Dollar für die Übernahme von Monsanto bezahlen und mit dem amerikanischen Saatgutspezialisten zum weltweit führenden Anbieter in der Agrochemie aufsteigen.

Auch die Investoren zeigten sich am Mittwoch erleichtert. Die Bayer-Aktien gaben ihre Verluste ab und notierten am frühen Nachmittag 1,3 Prozent im Plus.


Die Kartellprüfung in Brüssel lief seit Juli vergangenen Jahres und zog sich länger hin als erwartet. Gegen die Pläne gibt es nach wie vor massiven öffentlichen Widerstand, vor allem von landwirtschaftlichen Verbände und Nichtregierungsorganisation fordern ein Verbot. Sie kritisieren die Marktmacht des neuen Großanbieters und fürchten höhere Preise.

Die an Brüssel adressierten Aufrufe zum Verbot liefen jedoch ins Leere. Mit den vorliegenden Zusagen der Konzerne werde sich der Wettbewerb in der Branche nicht verringern, sagt Wettbewerbskommissarin Vestager. Bayer darf die Übernahme nur unter hohen Auflagen vollziehen. Das betrifft vor allem Segmente, in denen beide Konzerne eine zu starke Marktposition hätten. Bayer will alle Auflagen erfüllen und die betreffenden Geschäfte an den Konkurrenten BASF verkaufen.

BASF wird Feldsaatgut wie Raps und Soja sowie das Unkrautvernichtungsmittel Liberty samt darauf abgestimmtes Saatgut übernehmen. Der Konzern wird für diese Teile von Bayer, die auf einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro kommen, rund 5,9 Milliarden Euro bezahlen. Dazu kommen die kompletten Gemüsesaaten von Bayer, die rund 430 Millionen Euro Umsatz machen. Auch dieses Geschäft soll an BASF gehen, der Preis ist noch offen.

Mit den Verkäufen bei diesen überlappenden Geschäften von Bayer und Monsanto gibt sich die Kommission aber nicht zufrieden. Monsanto wird ein recht neues Mittel gegen Bodenschädlinge abgeben müssen. Hinzu kommen die Übertragung dreier Forschungsvorhaben von Bayer bei hochwirksamen Unkrautvernichtern. All dies soll ebenfalls an BASF gehen. Dem Ludwigshafener Konzern räumt Bayer zudem eine Lizenz für die IT-Plattform zur digitalen Steuerung der Landwirtschaft ein.


BASF ist damit klarer Gewinner des Prüfungsverfahrens. Der Konzern wird zu einem starken Spieler im Agrochemiemarkt. Allerdings werden die geplanten Verkäufe an BASF durch die EU nochmal einzeln geprüft. Vorher darf Bayer die Fusion mit den Amerikanern nicht abschließen.

Die EU-Kommission arbeitet bei der Prüfung der Monsanto-Übernahme eng mit dem US-Justizministerium zusammen. Doch dessen Entscheidung steht noch aus und könnte sich noch einige Zeit hinziehen. Die Wettbewerbsabteilung des Ministeriums hatte jüngst weitere Bedenken gegen die Fusion angemeldet.

Bayer gibt sich aber für das weitere Verfahren zuversichtlich. Auch in Russland steht die Freigabe noch aus. China hingegen hat den Zusammenschluss bereits gestattet.

Bayer muss mit den EU-Auflagen umgerechnet 2,2 Milliarden Dollar Umsatz abgeben. Das ist deutlich mehr, als der Konzern ursprünglich eingeplant hatte. Im Fusionsvertrag ist ein Volumen von 1,6 Milliarden Dollar für kartellrechtlich abzugebende Geschäfte festgelegt. Andererseits müsste Bayer zwei Milliarden Dollar an Monsanto zahlen, wenn die Fusion aus kartellrechtlichen Gründen abgesagt wird.

Insgesamt wird der fusionierte Konzern auf einen Umsatz von rund 22 Milliarden Dollar kommen und sowohl bei Saatgut wie auch bei Pflanzenschutzmitteln weltweit führend sein. Neben Bayer wird der Markt vom US-Konzern Dow-Dupont sowie den europäischen Anbietern Syngenta und BASF dominiert.