EU: Junckers Wanken durch schmerzhafte Rückenprobleme verursacht

Juncker bei der Begrüßung des belgischen Premiers Michel und seiner Frau

Die EU-Kommission hat schwere Rückenbeschwerden für die sichtbaren Gehprobleme ihres Präsidenten Jean-Claude Juncker während des Nato-Gipfels verantwortlich gemacht. Der 63-Jährige habe am Mittwochabend "unter einem besonders schmerzhaften Ischiasanfall mit Krämpfen" gelitten, sagte ein Sprecher am Freitag. Mutmaßungen, ein auf Video-Bildern zu sehendes Wanken sei auf Alkohol zurückzuführen, seien "beleidigend" und "mehr als geschmacklos".

Juncker hatte am Mittwochabend beim Nato-Gipfel in einem Brüsseler Museum am Abendessen der Staats- und Regierungschefs teilgenommen. Vor dem Gebäude hatte er unter anderem Schwierigkeiten, die Stufen zu einem Podest zu erklimmen. Auf dem Rückweg musste er zeitweise durch die anwesenden Regierungschefs gestützt werden, darunter Mark Rutte aus den Niederlanden und Antonio Costa aus Portugal.

Auch der ukrainische Präsident Petro Poroschenko griff einmal ein, als Juncker nach hinten zu fallen schien, wie auf einem Video zu sehen ist. Später wurde Juncker in einem Rollstuhl aus dem Gebäude gebracht.

Junckers Sprecher verwies darauf, dass der Kommissionschef schon länger an dem Ischias-Problem leide. Er nehme Medikamente, und es gehe ihm wieder besser, sagte er. Auf die Frage, ob der frühere Luxemburger Ministerpräsident womöglich Schmerzmittel mit Alkohol vermischt habe, antwortete der Sprecher: "Nein, hat er nicht. Zumindest bin ich mir dessen nicht bewusst."

Auch die Bundesregierung sah sich mit einer Frage nach Junckers Gesundheitszustand konfrontiert. Regierungssprecher Steffen Seibert bezeichnete diese als "ungewöhnlich", fügte dann aber an: "Das Vertrauen der Bundesregierung in den Kommissionspräsidenten ist sehr hoch."

Juncker hat zwei lange Reisen vor sich. Kommende Woche fliegt er nach China und Japan. Am 25. Juli wird er dann in Washington erwartet, wo er mit US-Präsident Donald Trump über eine Lösung für den Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der EU verhandeln soll.

Juncker steht seit Ende 2014 an der Spitze der EU-Kommission. Seine Amtszeit endet im Herbst 2019. Er hat bereits erklärt, dass er kein zweites Mandat anstrebt. Nach dem Brexit-Referendum 2016 war schon einmal über seinen Gesundheitszustand spekuliert worden. Der Konservative sagte damals, er sei "weder müde noch krank" und werde "bis zum letzten Atemzug für die geeinte EU kämpfen".