EU-Gipfel billigt Ernennung des Spaniers de Guindos zum EZB-Vizechef

Der frühere spanische Finanzminister Luis de Guindos wird die neue Nummer zwei bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Staats- und Regierungschefs der EU stimmten am Donnerstag bei ihrem Gipfeltreffen in Brüssel der Ernennung zu

Der frühere spanische Finanzminister Luis de Guindos wird die neue Nummer zwei bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Staats- und Regierungschefs der EU stimmten am Donnerstag bei ihrem Gipfeltreffen in Brüssel der Ernennung des konservativen Politikers zum neuen EZB-Vizepräsidenten zu. Die Personalie dürfte auch erste Weichen für die Nachfolge von EZB-Präsident Mario Draghi stellen, dessen Mandat im kommenden Jahr endet.

Am 1. Juni übernimmt de Guindos sein neues Amt in Frankfurt am Main. Er wird Nachfolger des Portugiesen Vítor Constâncio. Gegen die Berufung von de Guindos hatte es im Europaparlament erhebliche Vorbehalte gegeben. Kritisiert wurde dort vor allem, dass es keine Kandidatin gab, was dem Gleichgewicht zwischen Männern und Frauen auf wichtigen Posten in der EU schade.

Kritiker bemängelten zudem, dass der Spanier keine Erfahrung in einer Zentralbank hat. Andere stellten seine politische Unabhängigkeit in Frage. Auch das Auswahlverfahren im Kreise der Finanzminister wurde von einigen Abgeordneten gerügt. Das Europaparlament billigte die Ernennung von de Guindos in der vergangenen Woche nur knapp.

Finanzpolitisch ist der 58-Jährige de Guindos ein Veteran. Seit Ende 2011 war er Spaniens Finanzminister und hat damit hautnah die Finanzkrise miterlebt, die auch sein Land in schwere Turbulenzen brachte. 2015 hatte sich der Spanier erfolglos für den Posten des Vorsitzenden der Eurogruppe beworben.

Über die Nachfolge für EZB-Chef Draghi soll dann im kommenden Jahr entschieden werden. Sein Mandat endet am 31. Oktober 2019. Als möglicher Kandidat gilt Bundesbank-Präsident Jens Weidmann.

Weidmanns Chancen dürften sich durch die Wahl von de Guindos erhöhen, da der Vize-Posten bei der EZB dann weiter in der Hand eines südeuropäischen Landes liegen würde. Die nördlichen Euro-Länder dürften dann auf einen Kandidaten aus ihren Reihen für die Spitze der Zentralbank dringen.