Vier Palästinenser bei Protesten gegen Trumps Jerusalem-Entscheidung getötet

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Neue Zusammenstöße in Jerusalem

Am Freitag demonstrierten erneut tausende Palästinenser in Jerusalem gegen Trumps Entscheidung

Bei Protesten gegen die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch US-Präsident Donald Trump haben israelische Soldaten und Grenzpolizisten vier Palästinenser durch Schüsse getötet. Im Gazastreifen beteiligten sich am Freitag zehntausende Palästinenser an den Protesten, im israelisch besetzten Westjordanland gingen tausende weitere auf die Straße. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nannte die Jerusalem-Entscheidung Trumps eine "Bombe in den Nahen Osten".

Zwei Palästinenser, einer von ihnen an beiden Beinen amputiert, wurden bei Zusammenstößen während einer Demonstration östlich von Gaza getötet. Das dritte Todesopfer gab es in der Ortschaft Anata zwischen Jerusalem und dem Westjordanland. Außerhalb von Ramallah im Westjordanland erschoss die israelische Grenzpolizei einen Palästinenser, der mutmaßlich einen Sprengstoffgürtel trug und nach Polizeiangaben während einer Demonstration zwei Mal auf einen Polizisten einstach.

In Ramallah, Bethlehem, Hebron, Kalandija und in der Nähe von Nablus im Westjordanland warfen jugendliche Palästinenser Steine in Richtung der israelischen Sicherheitskräfte. Diese feuerten scharfe Munition, Gummigeschosse und Tränengas ab.

Der Chef der im Gazastreifen regierenden Hamas, Ismail Hanija, hatte am Donnerstag vor zehntausenden Unterstützern dazu aufgerufen, "dass die islamische Welt jeden Freitag zu einem Tag des Zorns und der Revolution in jeder Hauptstadt und jeder Stadt macht".

Das Gesundheitsministerium in Gaza erklärte, mehr als 140 Palästinenser seien bei Auseinandersetzungen mit israelischen Sicherheitskräften verletzt worden, einige von ihnen schwer. Mehr als 50 Menschen wurden im Westjordanland ins Krankenhaus eingeliefert. In der Jerusalemer Altstadt gab es nach den muslimischen Freitagsgebeten ebenfalls Zusammenstöße. In Jordanien jenseits der Grenze folgten tausende dem Aufruf der Muslimbrüder zu einer Demonstration, bei der Fahnen Israels und der USA verbrannt wurden.

Im indischen Hyderabad trampelten muslimische Männer vor den Freitagsgebeten auf Flaggen der USA und Israels herum. Sie riefen Slogans gegen Trumps Entscheidung. Proteste gab es auch vor der US-Botschaft in Kuala Lumpur.

Die Europäische Union blieb unterdessen in der Jerusalem-Frage auf Distanz zu den USA: Die Haltung der EU zum Status der Stadt bleibe "unverändert", bekräftigten die 28 EU-Staats- und Regierungschefs am Donnerstagabend bei ihrem Gipfel in Brüssel.

"Die EU-Chefs bekräftigen ihr festes Bekenntnis zu einer Zwei-Staaten-Lösung, und in diesem Zusammenhang bleibt die Haltung der EU zu Jerusalem unverändert", schrieb Ratspräsident Donald Tusk im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Der Status von Jerusalem ist einer der größten Streitpunkte im israelisch-palästinensischen Konflikt. Israel proklamierte den Ost- und den Westteil der Stadt zur "ewigen, unteilbaren Hauptstadt"; für die Palästinenser ist Ost-Jerusalem hingegen die Hauptstadt ihres künftigen Staates.

Trump hatte am 6. Dezember trotz eindringlicher Warnungen aus aller Welt Jerusalem offiziell als Hauptstadt Israels anerkannt und den Umzug der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem angeordnet. Die Entscheidung hatte vor allem in muslimischen und arabischen Ländern heftige Proteste ausgelöst. In den Palästinensergebieten kam es dabei wiederholt zu Gewalt. Mit den vier neuen Toten erhöht sich die Zahl der Palästinenser, die israelische Soldaten und Polizisten bei Protesten gegen Trumps Hauptstadt-Entscheidung töteten, auf acht.

Erdogan beschuldigte Trump, eine "Bombe in den Nahen Osten" geworfen zu haben. Bei ihrem Gipfeltreffen in Istanbul hatten die 57 Mitgliedstaaten der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) am Mittwoch Trumps "einseitige, illegale und unverantwortliche" Entscheidung kritisiert und alle Staaten der Welt dazu aufgerufen, "den Staat Palästina mit Ost-Jerusalem als seiner besetzten Hauptstadt anzuerkennen". Erdogan will überdies erreichen, dass die UNO Trumps Entscheidung für ungültig erklärt.