EU-Behörde bestätigt Gefahr von Insektenvernichtungsmitteln für Bienen

Bienen sind gefährdet

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die Gefahr von Neonikotinoiden für Honig- und Wildbienen in einer neuen Risikobewertung bestätigt. Imker und Umweltverbände sowie Vertreter der Grünen und der SPD forderten am Mittwoch daher ein Sofort-Verbot dieser Insektenvernichtungsmittel. "Die Bienengifte müssen jetzt schleunigst vom Acker", erklärte etwa der Grünen-Bundestagsabgeordnete Harald Ebner. Hersteller wie Bayer und Syngenta kritisierten den EFSA-Bericht.

Die Behörde legte eine aktualisierte Risikobewertung der Insektizide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam vor, die etwa zur Behandlung von Saatgut verwendet werden. Die Behörde mit Sitz im italienischen Parma kommt darin zu dem Schluss, dass diese Neonikotinoide eine Bedrohung für die Bestände von Honig- und Wildbienen darstellen.

Der EFSA-Bericht bestätigt eine erste Studie aus dem Jahr 2013. Auch wenn die Risikobewertung insbesondere für Wildbienen damals wegen mangelnder Daten nicht abgeschlossen werden konnte, schränkte die EU-Kommission die Nutzung von Neonikotinoiden danach erheblich ein. Nur in Gewächshäusern und bei ausgewählten Nutzpflanzen wie Wintergetreide dürfen die Insektenvernichtungsmittel weiterhin zum Einsatz kommen.

Die Kommission plädierte für eine weitere Einschränkung der Anwendung. Die neue Einschätzung der EFSA stärke nun die wissenschaftliche Basis für den Vorschlag der Kommission, den Freiluft-Einsatz von Neonikotinoiden in der EU zu verbieten, teilte die Brüsseler Behörde am Mittwoch mit.

Bereits Anfang Dezember sollte im zuständigen Fachausschuss über ein vollständiges Freiluft-Verbot abgestimmt werden. Mit Verweis auf den noch ausstehenden Bericht der EFSA wurde das Votum verschoben. Das nächste Treffen des Ausschusses findet am 22. und 23. März statt.

Auch die Bundesregierung hatte sich dafür ausgesprochen, für eine Neubewertung von Neonikotinoiden die Ergebnisse der EFSA abzuwarten. "Sollte sich die Schädlichkeit dieser Stoffe bestätigen", müsse ihre Verwendung verboten werden, sagte Landwirtschaftsminister Schmidt Anfang Dezember.

Schmidt müssen nun "zu seinem Wort stehen", erklärte die Umweltorganisation Greenpeace. Martin Häusling, Europa-Abgeordneter der Grünen, forderte "ein komplettes Anwendungsverbot für alle Neonikotinoide", das auch für die Nutzung in Gewächshäusern gelten würde und somit über den Vorschlag der Kommission hinaus geht.

Deutlich äußerte sich auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD): "Ich nehme den Bundeslandwirtschaftsminister beim Wort", erklärte sie. Nach der Mitteilung der EFSA stehe seinem Ja zu einem Verbot "nun nichts mehr im Wege." Hendricks verwies darauf, dass der Koalitionsvertrag für eine neue Bundesregierung von SPD und Unionsparteien "ein ausdrückliches Bekenntnis zum Bienenschutz enthält".

Imker-Präsident Peter Maske forderte im "Tagesspiegel" (Donnerstagsausgabe) ein europaweites Verbot aller Neonikotinoide. Das Bienensterben halte an: Im vergangenen Herbst habe es 800.000 Völker in Deutschland gegeben, in diesem Jahr dürften es 20 Prozent weniger sein. Die Bienen leiden demnach unter den Insektiziden, aber auch unter Nahrungsmangel und der Varroa-Milbe.

Die Chemiekonzerne Bayer und Syngenta erklärten, die neue Bewertung der EFSA sei kein Grund für eine weitere Beschränkung der Nutzung von Neonikotinoiden. Sie zweifelten zudem die Schlussfolgerungen der Studie an. Sie entsprächen nicht der "gängigen Mainstream-Wissenschaft zur Gesundheit von Bienen".

Bayer und der Schweizer Konzern Syngenta hatten bereits gegen die frühere Beschränkung der Nutzung von Neonikotinoiden vor dem Europäischen Gerichtshof Klage erhoben. Das Verfahren läuft noch.