EU-Agentur: Mehr als 80.000 Todesfälle durch Luftverschmutzung in Deutschland

Die Luftverschmutzung in Europa hat nach Berechnungen der Europäischen Umweltagentur (EEA) im Jahr 2014 zum vorzeitigen Tod von mehr als 520.000 Menschen geführt - mehr als 80.000 davon in Deutschland. Rund 400.000 dieser Todesfälle in Europa und etwa 66.000 in Deutschland ließen sich auf die Belastung durch Feinstaub zurückführen, teilte die EEA am Mittwoch mit. Stickoxide sind demnach für den Tod von knapp 13.000 Menschen in Deutschland verantwortlich.

Insgesamt ging die Luftverschmutzung in Europa der EEA zufolge leicht zurück. So lag die Schätzung der vorzeitigen Todesfälle für das Jahr 2013 mit rund 550.000 Todesfällen in 41 Staaten auf dem europäischen Kontinent etwas höher.

Der Bericht über die Luftqualität in Europa gebe dennoch "keine Entwarnung", erklärte Arne Fellermann vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Besonders besorgniserregend sei eine überarbeitete Einschätzung der EEA, wonach auch niedrige Stickoxidbelastungen gesundheitsschädlicher sein könnten, als bislang angenommen.

Bei dieser Berechnung gehe die EEA für Deutschland "nun von 44.960 Todesfällen aus ? im Vergleich zu 12.860 nach alter Berechnungsart", erklärte Fellermann. "Der EEA-Bericht zeigt, dass wir bei der Luftqualität immer noch große Defizite haben". Die Bundesregierung habe es in den letzten Jahren versäumt, die Menschen ausreichend zu schützen. Er forderte ein Verkaufsverbot für Dieselautos, die die gesetzlichen Grenzwerte im Realbetrieb nicht einhalten. In Innenstädten werden Stickoxid-Emissionen vor allem von Diesel-Fahrzeugen verursacht.

Der Chef der Deutschen Umwelthilfe (DUH) Jürgen Resch erklärte, die von der Bundesregierung nach dem Dieselskandal versprochenen Maßnahmen würden keine schnelle Verbesserung bringen. "Wir setzen auf gerichtliche Dieselfahrverbote."