Mit etwas Risikofreude eine lohnende Geldanlage

Deutschland steigt aus, aber weltweit nimmt die Bedeutung von Atomstrom spürbar zu. Uran ist der wichtigste Brennstoff für den Betrieb von Atomkraftwerken. Von einem steigenden Uranpreis können auch Anleger profitieren.

Nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima am 11. März 2011 schaltete Japan sämtliche seiner damals 54 Atomkraftwerke ab. Bis dahin speiste das Land 30 Prozent seines Strombedarfs aus Atomenergie. Weil das rohstoffarme Japan gut 90 Prozent seines Primärenergiebedarfs durch Importe decken muss, entschloss man sich 2015 zum Wiedereinstieg in die Nuklearenergie. Aktuell werden in Japan noch 42 Reaktoren als betriebstauglich eingestuft. Die ersten beiden Reaktoren wurden im August und Oktober 2015 wieder hochgefahren. Seitdem kamen fünf weitere dazu, weitere 17 warten auf die Genehmigung. Zwei neue Atomkraftwerke befinden sich zudem in der Bauphase.

Während in Deutschland das Atomzeitalter 2022 endet, werden andernorts auf der Welt derzeit 57 neue Reaktoren gebaut. Davon allein 20 in China. Das Reich der Mitte will seine Nuklearenergiekapazitäten bis 2020 mehr als verdoppeln. Zudem stecken weltweit 157 Reaktoren in der Planungsphase. Sicher, es werden auch immer wieder überalterte Reaktoren vom Netz genommen, bis 2035 nach Schätzungen der World Nuclear Association (WNA) etwa 140. Der Nettoeffekt aber bleibt positiv. Der Anteil der Nuklearenergie am weltweiten Energiemix wird zunehmen. Entsprechend steigen wird auch der Bedarf von Uran. Das radioaktive Metall ist der wichtigste Brennstoff für den Betrieb von Atomkraftwerken.

Eine Kaufpanik ist bei den Betreibern von Atomkraftwerken allerdings noch nicht auszumachen. Ihr jährlicher Bedarf von zuletzt etwa 165 Millionen Pound (lb, rund 454 Gramm) Uranoxid (U3O8) lässt sich derzeit beinahe komplett befriedigen aus der jährlichen Minenproduktion. Diese hat sich in den vergangenen zehn Jahren um 50 Prozent erhöht. Angeheizt wurde diese massive Produktionsausweitung durch die vorherige Hausse des Uranpreises. Zwischen 2001 und Juni 2007 verteuerte sich ein Pound U3O8 am Spotmarkt von sieben auf knapp 136 Dollar. Spekulative Hedgefonds hatten den Preis getrieben. Hinzu kamen Panikkäufe von Versorgern, hervorgerufen durch Produktionsunterbrechungen in wichtigen Uranminen. Auf dem Spotmarkt wird Uran mit Lieferzeiten von wenigen Monaten gehandelt. Nachdem die Blase platzte, stürzte der Spotpreis bis 2010 um gut 70 Prozent ab auf 40 Dollar ein. Die anschließende Erholung auf gut 70 Dollar endete mit der Katastrophe von Fukushima. Anschließend ging es wieder steil runter, im Tief auf unter 20 Dollar Ende 2016. Seither pendelt der Preis in einer Spanne zwischen 20 und 26 Dollar. Das aber ist zu wenig, um das radioaktive Metall profitabel abzubauen, geschweige in die Erkundung und Erschließung neuer Vorkommen zu investieren.


Kasachstan ist in den vergangenen Jahren zum größten Uranproduzenten der Welt aufgestiegen. Auf das zentralasiatische Land entfallen rund 40 Prozent der weltweiten Minenproduktion. Dahinter folgen Kanada (22) und Australien (10). Gut die Hälfte der kasachischen Produktion kommt vom staatseigenen Uranproduzenten Kazatomprom. Dieser will seine Produktionsmenge bis 2020 um gut 28,6 Millionen Pound kappen, davon allein 10,4 Millionen Pound 2018. Auch der größte börsennotierte Uranproduzent, die kanadische Cameco, hat inzwischen die Reißleine gezogen und die Produktion in der weltweit größten Uranmine McArthur River für mindestens zehn Monate ausgesetzt. Das entzieht dem Markt weitere 13,7 Millionen Pound. Dass die Minen erst jetzt ihre Produktionspläne an das veränderte Preisumfeld anpassen, liegt an den langfristigen Lieferverträgen, die Minen mit den Kraftwerksbetreibern in den vergangenen Jahren noch zu deutlich höheren Preisen abgeschlossen haben. Diese Verträge laufen in der Regel zwischen drei und 15 Jahren.

Die Ankündigungen von Produktionskürzungen durch die beiden weltgrößten Uranproduzenten sorgten für kurze Preissprünge. Der Effekt verpuffte aber rasch wieder. Denn weniger als zehn Prozent des weltweiten Uranbedarfs für 2018 und 2019 dürfte noch nicht über Lieferverträge gesichert sein dürften, schätzt Rob Chang vom Brokerhaus Cantor Fitzgerald in Toronto. Selbst ein steigender Uranpreis wäre für die Atomwirtschaft ein vergleichsweise geringes Problem. Von den Gesamtkosten eines Kraftwerks entfallen nur etwa fünf Prozent auf den Brennstoff. Weit wichtiger ist dessen Verfügbarkeit.  

Die weltweiten Uranlager von Produzenten, Versorgern und Regierungen dürften mit schätzungsweise 800 bis 1200 Millionen Pound zwar gut gefüllt sein. Diese aber werden gehalten als strategische Reserven und werden den Markt nicht überschwemmen, wenn die Preise steigen sollten. Über die genaue Höhe der Lagerbestände lässt sich allerdings niemand genau in die Karten schauen.


Geopolitische Sprengkraft

Uran ist auch ein Brennstoff mit geopolitischer Sprengkraft. Das zeigt das Beispiel Uranium One. Der heute weltweit viertgrößte Uranproduzent (Marktanteil 13 Prozent) hinter Kazatomprom (21), Cameco (17) und der französischen Areva (13) wurde zwischen 2009 und 2013 sukzessive übernommen von der russischen Uranholding ARMZ und 2015 von der Börse genommen. Die Kontrollmehrheit an Uranium One sicherte sich ARMZ bereits 2010. ARMZ verwaltet alle russischen Beteiligungen an Uranminen und wird kontrolliert von Atomenergoprom, der zivilen Sparte des russischen Nukleargiganten Rosatom. Pikant: Durch den Kauf der kanadischen Uranium One sicherte sich Russland Zugriff auf 20 Prozent der US-Uranproduktion.

Ursprünglich entstand Uranium One 2005 aus der Fusion zwischen der südafrikanischen Gesellschaft Aflease Gold & Uranium und dem kanadischen Uransucher Southern Cross. Ende 2007 übernahm Uranium One dann den Konkurrenten UrAsia Energy des kanadischen Geschäftsmanns Frank Giustra. Dieser sicherte sich 2005 mit der Hilfe des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton in Kasachstan den Zuschlag für die Beteiligung an drei Uranbergwerken von Kazatomprom. Wenige Monate später spendete Giustra 31,3 Millionen Dollar an die Clinton Foundation, die Familienstiftung der Clintons.

Im April 2015 berichtete die „New York Times“ über den Fall Uranium One und deckte verdächtige Geldströme auf, die im Hintergrund des Deals geflossen sind. Die USA können nur sechs Prozent ihres eigenen Uranbedarfs aus eigener Produktion decken. Das wirft die Frage auf, warum die damalige US-Außenministerin Hillary Clinton 2010 die Übernahme von Uranium One durch die Russen nicht verhindert hat.
Der Uranpreis wird möglicherweise nicht so extrem nach oben gehen wie im letzten Zyklus, aber die Trendwende ist vorbereitet. Der Bedarf nimmt zu, der Nachschub aus den Minen fällt geringer aus, weil bei aktuellen Preisen nicht mehr profitabel produziert werden kann und keine neuen Vorkommen erschlossen werden. Bei 20 Dollar sollte der Uranpreis jetzt einen tragfähigen Preisboden eingezogen haben.


Risikobereite Anleger können daher behutsam anfangen, sich Aktien von Cameco ins Depot zu legen. Die Bilanz der Kanadier ist solide. Die Nettoverschuldung liegt mit 720 Millionen Dollar beim 1,6-fachen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda), was unbedenklich ist. Das Unternehmen verfügt noch über ausreichend Liquiditätsreserven um eine längere Durststrecke durchzustehen. Auch im schwierigen Umfeld erzielt Cameco positive freie Mittelzuflüsse, im vergangenen Jahr 318 Millionen Dollar. Die Investitionen wurden runtergefahren auf das Nötigste, die Dividende gekürzt. Statt zehn Cent pro Quartal erhalten Aktionäre jetzt nur noch einmalig acht Cent jährlich.

Dank langfristiger Lieferverträge erzielte Cameco zuletzt noch einen durchschnittlichen Verkaufspreis von 36 Dollar pro Pound, also 66 Prozent über dem Spotpreis. Nicht zahlungswirksame Wertberichtigungen aufgrund der tiefen Referenzpreise sorgten allerdings dafür, dass unter dem Strich ein Nettoverlust von 156 Millionen Dollar stand. Zukünftige Lieferverpflichtungen werden durch den Produktionsstopp in der Mine McArthur River nicht verletzt. Der Konzern kann auf eigene Lagerbestände zurückgreifen oder kauft billig am Spotmarkt zu.

Ein gewisses Risiko besteht aufgrund von Steuernachforderungen der kanadischen Behörden für 2003, 2005 und 2006. Dabei geht es um die steuerliche Behandlung von Einnahmen von Auslandstöchtern. Behörden in den USA forderten das allerdings auch, blitzten damit aber letztlich ab. Die Risiken sollten auf dem gedrückten Kursniveau der Cameco-Aktie weitgehend berücksichtigt sein. Geht die Entscheidung in diesem Jahr zugunsten von Cameco aus, dürfte die Aktie davon allerdings profitieren.

Bei einem anderen anhängigen Rechtsstreit kann Cameco eigentlich nur gewinnen. Hier geht es um eine Forderung gegen den japanischen Versorger Tepco. Der Betreiber des Kraftwerks in Fukushima hatte einseitig einen Liefervertrag mit Cameco gekündigt. Die Kanadier fordern von den Japanern 682 Millionen Dollar Konventionalstrafe plus Zinsen und die Erstattung der Verfahrenskosten. Hier fällt die Entscheidung voraussichtlich 2019.