Etwas neben der Spur - 90 skurrile Momente zum 90. Geburtstag der Oscars

Willy Flemmer
Freier Autor für Yahoo Kino
Die Oscar-Verleihung feiert 2018 ihren 90. Geburtstag. (Bild-Copyright: Invision/AP Photo)

Dieses Jahr werden die Oscars zum 90. Mal verliehen. Anlässlich der Jubiläumsveranstaltung haben wir uns alle Zeremonien angeschaut und die 90 skurrilsten, bemerkenswertesten und sonderbarsten Momente ausgewählt. Einführend kann man schon jetzt sagen: Die spektakuläre Panne im vergangenen Jahr bei der Vergabe des Preises für den besten Film stellt keine Ausnahme dar. Sie ist der vorerst letzte Höhepunkt in einer Reihe von Vorfällen, die mehr oder weniger neben der Spur waren.

1. Diese Panne aus dem Jahr 2017 ist wohl die größte, die sich bisher bei einer Oscar-Verleihung ereignet hat: Die Präsentatoren Warren Beatty und Faye Dunaway küren das Musical “La La Land” zum besten Film. Wenige Minuten später stellt sich heraus: Der eigentliche Sieger ist das Drama “Moonlight”. Was passiert war? Ein Angestellter des Wirtschaftsprüfungsunternehmens PricewaterhouseCoopers hatte Beatty den falschen Umschlag ausgehändigt.

Weitere Pannen der Oscars 2017

2. Angesichts der Furore machenden Panne geht an dem Abend ein anderer peinlicher Fehler der 89. Academy Awards nahezu unter. In der Rubrik “In Memoriam” wird der verstorbenen Kostümdesignerin Janet Patterson mit dem Bild der noch lebenden Filmproduzentin Jan Chapman gedacht. Die “Das Piano”-Produzentin ist schockiert. Später sagt sie in einem Interview: “Ich lebe noch, mir geht es gut und ich bin eine noch aktive Produzentin”. Übrigens: Mit der verstorbenen Patterson hatte Chapman nicht nur zusammengearbeitet, sie waren auch gut befreundet.

3. Als Casey Affleck 2017 für “Manchester by the Sea” den Hauptdarsteller-Oscar erhält, sind nicht alle glücklich über die Entscheidung. Der Schauspieler ist bis heute mit dem Vorwurf konfrontiert, im Jahr 2010 zwei Kolleginnen sexuell belästigt zu haben. Zu den größten Kritikern der Oscar-Entscheidung gehört auch Brie Larson, die Affleck an dem Abend zwar den Preis überreicht, ihm aber den verdienten Applaus verweigert.

Asghar Farhadi zusammen mit Lily-Rose Depp in Cannes

4. Die Oscars 2017 stehen auch unter dem Zeichen des neugewählten US-Präsidenten Donald Trump. Eine seiner ersten Amtshandlungen ist das per Dekret verfügte Einreiseverbot für Staatsangehörige aus den sieben mehrheitlich muslimischen Ländern Iran, Irak, Jemen, Libyen, Somalia, Sudan und Syrien. Aus Protest gegen die Entscheidung nimmt Asghar Farhadi an der Oscar-Verleihung nicht teil. Er wird an dem Abend für “The Salesman” mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet.

5. Pannen hin oder her, Kevin O’Connell dürfte am 26. Februar 2017 die schönste Zeit seines Berufslebens erlebt haben. Bis dahin war der Tontechniker der wohl größte Pechvogel in der Geschichte des Filmpreises. Insgesamt 20 Mal war er für seine Arbeit für einen Oscar nominiert gewesen, unter anderem für “Top Gun – Sie fürchten weder Tod noch Teufel” und “Pearl Harbor”, immer wieder ging er leer aus. 2017 gewinnt er endlich den begehrten Preis für Mel Gibsons Kriegsdrama “Hacksaw Ridge – Die Entscheidung”.

2016

6. Als Sänger Sam Smith 2016 den Oscar für den besten Film-Song gewinnt, sorgt er mit seiner Dankesrede für Aufsehen. Er sei wohl der erste offen schwule Oscar-Gewinner, sagt er und irrt sich. Smith bezog er sich auf ein Interview von Sir Ian McKellen, das er allerdings nicht sorgfältig genug gelesen hatte. Tatsächlich hatte es vor Smith mehrere offen homosexuelle Oscar-Preisträger gegeben, der prominenteste unter ihnen ist Sir Elton John. Der britische Musiker war 1994 für das Lied “Can You Feel the Love Tonight” aus “Der König der Löwen” ausgezeichnet worden. Dass er schwul ist, wusste man da schon längst.

7. George Miller hat 2016 einen Smoking an, den er aus Aberglauben seit 35 Jahren immer auf Preisveranstaltungen trägt. “Ich habe ihn für meine ersten Academy Awards geschenkt bekommen. Er passt immer noch und hat mir Glück gebracht”, sagt der Filmemacher kurz vor der 88. Oscar-Verleihung, als er für “Mad Max: Fury Road” zweifach nominiert ist. Der Smoking bringt ihm in dem Jahr kein Glück, das Science-Fiction-Spektakel gewinnt zwar sechs Oscars, Regisseur und Produzent Miller geht jedoch leer aus.

2015

8. Auch Academy-Präsidentin Cheryl Boone Isaacs ist nicht sicher vor Pannen. Bei der Verkündung der Nominierten in der Kategorie Beste Kamera im Vorfeld der Oscar-Verleihung 2015 nennt sie “Mr. Turner – Meister des Lichts”-Bildgestalter Dick Pope versehentlich Dick Poop (auf Deutsch: Kacke). Schnell erkennt Boone ihr Missgeschick und korrigiert sich. Pope selbst reagiert gelassen auf das Versehen. Er sei schon wesentlich schlimmer genannt worden, sagt er in einem Interview.

9. Sean Penn verkündet 2015 den Gewinner für den besten Film des Jahres. Bevor der Schauspieler den Sieger nennt, schreit er ins Mikrofon: “Who gave that son of a bitch his green card” (Wer gab dem Hurensohn die Green Card). Der Siegerfilm ist “Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)”, Regie führte Alejandro G. Iñárritu, auf den der Witz gemünzt ist. Später wird sich Penn des Rassismus-Vorwurfs erwehren müssen.

2014

10. Bei der Oscar-Verleihung 2014 ist in der Kategorie Bester Schnitt ein Mann namens John Mac McMurphy mitnominiert. Dabei gibt es diese Person gar nicht, hinter dem, Pseudonym steckt Regisseur Jean-Marc Vallée, der sein Drama “Dallas Buyers Club” zusammen mit Martin Pensa auch geschnitten hat. Vallée ist nicht der erste Filmschaffende, der in einem fiktiven Namen eine zweite Tätigkeit verbirgt. Der Cutter Roderick Jaynes, ein Pseudonym der Coen-Brüder, war bereits zwei Mal für einen Oscar nominiert.

11. Bei der Oscar-Verleihung 2014 schafft John Travolta seinen eigenen Star. Bei der Einführung von Idina Menzel, die auf der Bühne den Oscar-nominierten Song “Let it Go” aus Disneys “Die Eiskönigen – Völlig unverfroren” singen soll, nennt er die Sängerin fälschlicherweise Adel Dazeem. Später erklärt er in einem Interview, wie es zu dem witzigen Fauxpas kam. Er habe hinter den Kulissen Goldie Hawn getroffen, mit der er ins Plaudern kam. Am Ende hätte er zu wenig Zeit gehabt, die Aussprache von Menzels Namen zu üben.

12. Dass die Oscars in der modernen Welt angekommen sind, demonstriert die Moderatorin Ellen DeGeneres im Jahr 2014. Sie versammelt einige Schauspieler, darunter Meryl Streep, Bradley Cooper und Jennifer Lawrence, um ein Selfie zu schießen und es sogleich auf Twitter zu posten. Das von Cooper gemachte Foto soll auf dem sozialen Netzwerk das Bild mit den meisten Retweets (Weiterleitungen) werden, sagt DeGeneres. Ihre Prognose sollte sich bewahrheiten. Tatsächlich ist das Selfie drei Jahre lang das am meisten geteilte Foto auf Twitter.

2013

13. Als Jennifer Lawrence 2013 den Oscar für “Silver Linings” bekommt, kann sie es wohl kaum erwarten, den Preis entgegenzunehmen. Auf dem Weg zur Bühne stolpert sie über ihr Kleid und macht sich auf der Treppe lang. Peinlich berührt, nimmt sie von Vorjahressieger Jean Dujardin die Statue entgegen und sagt angesichts der Standing Ovation: “Ihr seid nur aufgestanden, weil ihr euch wegen meines Sturzes schlecht fühlt. Das ist echt peinlich.”

14. Keinen sonderlich geglückten Einstand hat Komiker, Schauspieler und Regisseur Seth MacFarlane als Moderator der 85. Oscar-Verleihung. Gleich am Anfang sorgt er mit dem Song “We Saw Your Boobs” (Wir haben eure Möpse gesehen) für Unbehagen unter den Zuschauern. Darin besingt er die “Möpse” von Schauspielerinnen, die man hier und da in Filmen sehen konnte. Im weiteren Verlauf der Gala wird MacFarlane seinem Bad-Boy-Image mit weiteren derben Gags gerecht. Für seinen Auftritt wird er später nicht nur heftig kritisiert, sondern auch des Sexismus bezichtigt. Es blieb seine einzige Oscars-Moderation.

2012

15. Als Admiral General Aladeen in der Komödie “Der Diktator” sorgt Sacha Baron Cohen 2012 für Lacher in den Kinos. In dieser Rolle erscheint der britische Komiker und Schauspieler auch bei der Oscar-Verleihung 2012. Auf dem roten Teppich hat der Diktator eine Urne mit sich, die angeblich mit der Asche des 2011 verstorben nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il gefüllt ist. Spätestens als Cohen alias Aladeen die Asche auf dem roten Teppich verstreut, wird aus der harmlosen Kostüm-Show rabenschwarzer Humor.

16. Die Academy Awards 2012 gehen auch als feuchtfröhliches Gelage in die Oscar-Geschichte ein. Verantwortlich dafür sind Melissa McCarthy und Rose Byrne. Als die beiden die Kategorie Bester kurzer Dokumentarfilm präsentieren, exen sie auf der Bühne jeweils einen Schnaps. Den Gag hatten sie bereits bei den Screen Actors Guild Awards vorgeführt. Es handelt sich um ein so genanntes “Scorsese”-Trinkspiel. Immer wenn auf einer Gala der Name Martin Scorseses fällt, muss ein Kurzer gekippt werden.

2011

17. Als Melissa Leo 2011 einen Nebendarstellerin-Oscar für das Boxer-Drama “The Figher” erhält, entschlüpft ihr in ihrer Dankesrede das unanständige Wörtchen “fuck”. “Bei Kate [Winslet] sah das vor zwei Jahren so fucking einfach aus… Ups”. Wenig später entschuldigt sich die Schauspielerin via Twitter. Sie versichert, dass ihr englisches Vokabular durchaus aus mehr Wörtern bestehe.

2010

18. Sandra Bullock wird 2010 innerhalb eines Tages aus dem Tiefpunkt zum Höhepunkt ihrer Karriere katapultiert. Die deutschstämmige Schauspielerin wird am 6. März 2010 für ihre eher bescheidene Leistung in “Verrückt nach Steve” als schlechteste Darstellerin des Jahres ausgezeichnet. Einen Tag später bekommt sie für das Drama “Blind Side – Die große Chance” den Oscar als beste Hauptdarstellerin.

19. Roger Ross Williams gewinnt 2010 einen Oscar für den Kurz-Dokumentarfilm “Music By Prudence”. Er ist damit der erste farbige Filmemacher, der den Regie-Oscar erhält. Als er auf der Bühne seine Dankesrede beginnt, wird er von der Autorin und Journalistin Elinor Burkett unterbrochen mit dem Satz “Männer lassen Frauen nie zu Wort kommen.” Als Ideengeberin von “Music By Prudence” glaubt sie, ebenfalls Anspruch auf den Preis zu haben. Das Problem war nur: Während der Arbeit an der Doku war sie von ihren Aufgaben entbunden worden.

20. Als 2010 der Dokumentarfilm “Die Bucht” den Oscar erhält, kommt Delphin-Schützer und Umweltaktivist Richard O’Barry mit dem Produzenten Fisher Stevens und dem Regisseur Louie Psihoyos auf die Bühne. Hier wird er im Hintergrund ein Banner in die Kamera halten mit der Aufschrift “Text Dolphin to 44144”. Für die Fernsehproduzenten ist das zu viel politische Botschaft auf einer Veranstaltung, die sich als unpolitisch versteht. Deshalb schneiden sie den Rest des Auftritts aus dem Programm.

2009

21. Heath Ledger gewinnt bei der Oscar-Verleihung 2009 für seine Leistung in der Comicverfilmung “The Dark Knight” einen Nebendarsteller-Oscar. Der Schauspieler war ein Jahr zuvor im Alter von nur 28 Jahren gestorben. Den Preis nehmen seine Mutter, sein Vater und seine Schwester entgegen. Die posthume Ehrung ist kein Einzelfall in der Geschichte der Oscars. Der erste Schauspieler, der nach seinem Tod einen Preis erhält, ist Peter Finch (“Network”) im Jahr 1977. Der erste, der posthum nominiert wird, ist James Dean für die Romanverfilmung “Jenseits von Eden”.

2008

Frischgebackene Oscar-Gewinner: Daniel Day-Lewis, Marion Cotillard, Tilda Swinton und Javier Bardem (Bild: Screenshot via Academy of Motion Picture Arts and Sciences)

22. Die Oscar-Verleihung 2008 hätte auch unter dem Motto #OscarSoEuropean stehen können. Keiner unter den prämierten Darstellern war US-Amerikaner. Der britisch-irische Daniel Day-Lewis gewinnt für “There Will Be Blood” den Hauptdarsteller-Oscar. Die Französin Marion Cotillard setzt sich mit ihrer Rolle in “La vie en rose” bei den Frauen durch. Die Engländerin Tilda Swinton (“Michael Clayton”) und der Spanier Javier Bardem (“No County For Old Men”) gewinnen je einen Nebendarsteller-Oscar.

2007

23. Eddie Murphy ist 2007 für seine Leistung in dem Musical “Dreamgirls” als bester Nebendarsteller nominiert. Den Preis will der Komiker, der als Schauspieler nie ernst genommen worden war, unbedingt haben. Umso größer ist Murphys Enttäuschung, als der Oscar an Alan Arkin für “Little Miss Sunshine” geht. Damit ist der Abend für ihn gelaufen, frustriert verlässt er nach der Nebendarsteller-Entscheidung die Veranstaltung.

2006

24. “Brokeback Mountain” sorgt 2005 in den USA für einen Skandal. Ultrakonservative Kreise werfen dem Western über zwei schwule Cowboys “gay agenda” und Untergrabung traditioneller Werte vor. Aus Protest sehen sich viele Academy-Mitglieder den Film nicht an. Sie fühlen sich von den homoerotischen Szenen abgestoßen. Am Ende des Abends gewinnt “Brokeback Mountain” zwar drei Oscars (Regie, Drehbuch, Musik), den verdienten Oscar als bester Film verlieren die Produzenten jedoch an das eher mittelmäßige Episodendrama “L.A. Crash”.

2005

Chris Rock mit Rosario Dawson in “Top Five” (Bild: Paramount Pictures und IAC Films)

25. Im Jahr 2005 führt Chris Rock als Moderator durch die Oscar-Verleihung. Dass der von der Veranstaltung offenbar nicht sonderlich viel hält, wird im Vorfeld der Gala deutlich. “Das ist eine Modenschau”, sagt der Komiker und Schauspieler in einem Interview. “Welcher schwarze Hetero-Mann würde sich hinsetzen und die Oscars schauen?” Die Empörung ist groß, die Produzenten der Oscar-Verleihung stellen sich aber hinter Rock. “Chris’ Kommentare in den letzten Wochen sollen humorvolle Anstöße für eine Show sein, die von vielen als ein wenig verstaubt wahrgenommen wird”, erklärt Gilbert Cates in einem Statement.

2004

26. Der US-Sender ABC entscheidet, die 76. Oscarverleihung mit Zeitverzögerung von fünf Sekunden auszustrahlen. Schuld ist Justin Timberlake. Während eines gemeinsamen Auftritts in der Super-Bowl-Pausenshow am 1. Februar 2004 reißt er seiner Kollegin Janet Jackson das Lederbustier auf. 89 Millionen Zuschauer sehen die entblößte Brust der Sängerin. Die Sittenwächter sind entrüstet, der Skandal ist groß. So etwas darf bei den Oscars nicht passieren. Durch die zeitverzögerte Ausstrahlung der Verleihung hätten die Fernsehmacher die Möglichkeit, anstößige Bilder oder Worte überblenden zu können, so das Argument von ABC. Der damalige Academy-Präsident Frank Pierson ist empört und spricht von “Zensur”.

27. Der Schauspieler Carmine Caridi (“Der Pate 2”) muss nach 22-jähriger Mitgliedschaft die Academy of Motion Picture Arts and Sciences verlassen. Er hatte Kopien von den im Jahr 2004 nominierten Filmen “Mystic River” und “Was das Herz begehrt” an einen Mann weitergegeben. Der zog davon digitale Kopien und stellte sie ins Internet.

2003

28. Drei Tage vor der 75. Oscar-Verleihung bricht am 20. März der Zweite Irakkrieg aus. Die Veranstalter überlegen, die Gala zu verschieben, entscheiden sich dann doch dagegen. Dafür wird – zum Leidwesen der Haute-Couture-Designer – das traditionelle Rote-Teppich-Trara gestrichen.

29. Als Adrien Brody 2003 den Hauptdarsteller-Preis für das Holocaust-Drama “Der Pianist” erhält, ist er so glücklich darüber, dass er auf der Bühne Halle Berry abknutscht. Sein Kommentar: “Ich wette, sie haben dir nicht gesagt, dass das hier im Goodie Bag enthalten war bekommst.” Wie sich die Zeiten geändert haben. Ob sich Brody zu dieser Aktion auch heute, inmitten der MeToo-Debatte hätte hinreißen lassen?

2002

30. Etwas höchst Ungewöhnliches ereignet sich auch während der 74. Oscar-Verleihung am 24. März 2002. Woody Allen, einer der größten Oscars-Skeptiker, nimmt zum ersten und einzigen Mal an der Veranstaltung teil. Der legendäre Filmemacher springt an dem Abend über seinen Schatten, um der Opfer der Terroranschläge am 11. September 2001 zu gedenken und seiner Lieblingsstadt New York Ehre zu erweisen. An dem Abend wird deutlich, was den Oscars bis dahin entgangen war und seit dem entgeht. Allens witzige und alles andere als sentimentale und pathetische Rede gehört zu den besten, die je auf der Oscar-Bühne gehalten wurden.

2001

31. Als Julia Roberts 2001 für das Biopic “Erin Brockovich” den Oscar als beste Hauptdarstellerin erhält, denkt sie nicht daran, sich in ihrer Dankesrede von dem Orchester abwürgen zu lassen. “Sir, Sie machen ihre Arbeit großartig, aber Sie sind zu schnell mit ihrem Stöckchen. Warum setzen Sie sich nicht wieder hin, denn ich werde wahrscheinlich nicht noch einmal hier oben stehen”, sagt sie dem Dirigenten. Was Roberts sicher im Scherz sagte, legen ihr viele als Arroganz aus. Bestätigt sehen sich die Kritiker durch den Umstand, dass sie die echte Brockovich bei ihrer vier Minuten langen Rede gar nicht erwähnte.

2000

32. Für einen seltsamen Moment sorgen bei der Oscar-Verleihung 2000 Angelina Jolie und ihr Bruder James Haven. Die beiden Geschwister stehen sich augenscheinlich sehr nah – so nah, dass sie sich im Rahmen Veranstaltung dicke Küsse aufdrücken. Der Skandal im prüden Amerika ist damit perfekt.

33. Das Gerücht, dass zwischen Jolie und Haven mehr besteht als innige Geschwisterliebe, heizt die Schauspielerin am gleichen Abend auch mit ihrer Dankesrede nach dem Erhalt des Oscars für “Durchgeknallt” an. “Ich bin so in meinen Bruder verliebt”, sagt sie am Anfang ihrer Rede und fügt am Ende hinzu: “Jamie, ohne dich habe ich nichts. Du bist der stärkste und unglaublichste Mann, den ich je kennengelernt habe”. James sitzt im Saal und vergießt dicke Tränen.

34. Als Hilary Swank 2000 für “Boys Don’t Cry” den Oscar als beste Hauptdarstellerin bekommt, hält sie eine bemerkenswerte Rede: Sie besteht hauptsächlich aus der Aufzählung von Namen. Damit sich so etwas nicht wiederholt, führt die Academy bald darauf eine neue Regel ein. Alle Nominierten müssen der Academy eine Liste zuschicken, auf der die Personen genannt sind, denen sie im Falle eines Sieges danken würden.

35. Kurz vor der 72. Oscar-Verleihung werden alle 55 Oscars beim Transport von Chicago nach Los Angeles gestohlen. Alle bis auf drei Statuen tauchen kurz vor der Gala wieder auf. Ein 61 Jahre alter Schrotthändler namens William Fulgaer hatte sie in einem Müllcontainer auf einem Parkplatz von Los Angeles gefunden. Als Finderlohn kassiert er 50.000 Dollar und ein VIP-Ticket für die Oscar-Verleihung. Der 53. Oscar taucht später ebenfalls auf, die zwei letzten Oscars sind bis heute verschwunden. Das FBI konnte den Fall nie lösen.

36. Überhaupt ist 2000 für die Academy das Jahr der Pannen. Wenige Tage vor dem Oscar-Diebstahl verschwinden die Säcke mit den 4.200 Stimmzetteln für die Mitglieder. Die Academy muss daraufhin neue drucken und verschicken.

1999

37. Bei der 71. Oscar-Verleihung 1999 ist Roberto Benigni der große Gewinner des Abends. Der italienische Filmemacher wird für seine Tragikomödie “Das Leben ist schön” mit dem Fremdsprachen- und dem Darsteller-Oscar ausgezeichnet. Als er letzteren Preis gewinnt, begeistert er die Zuschauer mit seiner unbändigen Freude. Er steigt auf die Rückenlehnen der Sitze, wirft Arme und Beine in die Höhe, hoppelt auf die Bühne und umarmt Sophia Loren, die ihm den Preis übergibt. Bis heute rätselt man, was Benigni in seiner Dankesrede mit seinem starken italienischen Akzent eigentlich sagte. “You are the major of the joy”. Keiner verstand es, doch alle liebten den glücklichen Gewinner.

1998

38. James Cameron ist 1998 mit drei Oscars für das Katastrophen-Spektakel “Titanic” (Regie, Produktion und Schnitt) nicht nur der große Gewinner des Abends. Der Filmemacher fühlt sich überhaupt wie “der König der Welt”, wie er am Ende seiner Rede ins Mikrofon brüllt. Nicht wenige Zuschauer fühlen sich ob des mehr als selbstbewussten Freudenschreis etwas unbehaglich.

1997

39. Mehr als glücklich ist auch Cuba Gooding Jr., als er 1997 den Nebendarsteller-Oscar für “Jerry Maguire: Spiel des Lebens” erhält. Bei seiner Dankesrede ignoriert er das ihn abbrechende Orchester und redet und dankt und grüßt einfach weiter. I love you! I love you all! oh my goodness! I love you, i love you, i love you!

1995

40. Es gibt eine ungeschriebene Oscar-Regel für alle Nominierten. Wenn man den Preis nicht bekommt, sollte man wenigstens so tun, als freute man sich für den Gewinner. Samuel L. Jackson (nominiert für “Pulp Fiction”) denkt 1995 nicht daran, sich für Martin Landau zu freuen, als der für “Ed Wood” ausgezeichnet wird. Selbst Amateur-Lippenleser können das Wort verstehen, das er im Augenblick der Niederlage sagt: “Shit”.

1994

41. Tom Hanks gewinnt 1994 für seine Rolle eines homosexuellen, an Aids erkrankten Mannes in “Philadelphia” den Hauptdarsteller-Oscar. In seiner Rede dankt der Schauspieler nicht nur Kollegen wie Denzel Washington und dem Regisseur Jonathan Demmy. Er vergisst dabei auch seinen ehemaligen High-School-Lehrer nicht, den er “einen der besten schwulen Amerikaner” nennt. Die Sache ist nur: Hanks hat den Mann damit geoutet. Die Szene dient später als Vorbild für die Komödie “In & Out – Rosa wie die Liebe”.

1992

42. Als Jack Palance 1992 als bester Nebendarsteller für “City Slickers – Die Großstadthelden” ausgezeichnet wird, beweist der 72-Jährige auf der Bühne, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Er geht zu Boden und legt ein Paar Liegestütze hin, die er übrigens mit einem Arm macht. 14 Jahre später stirbt Palance im Alter von 87 Jahren.

1991

43. Joe Pesci dürfte für die Academy zu den dankbarsten Oscar-Gewinnern gehören. Als der Schauspieler 1991 den Nebendarsteller-Oscar für “GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia” erhält, beschränkt sich seine Dankesrede auf gerademal sechs Wörter: “It was my privilege. Thank you.” (Es war mir eine Ehre. Danke.) Die kürzeste Rede ist es aber nicht, die fand 23 Jahre vorher statt.

1989

44. Die Oscar-Veranstaltung 1989 wird von vielen als die schlechteste aller Zeiten angesehen. Einer der Gründe: Die Veranstaltung hat keinen Moderator. Eine Premiere ist das allerdings nicht. In drei aufeinanderfolgenden Veranstaltungen beginnend mit 1969 hatte es auch keinen Host gegeben. In den Jahren zuvor hatte Bob Hope durch die Gala geführt. Offenbar hatte die Komiker-Legende die Messlatte so hoch gelegt, dass man keinen Ersatz finden konnte. Insgesamt moderierte Hope 19 Mal die Oscars, davon sieben Mal als Ko-Moderator.

45. Vielleicht wegen eines fehlenden Moderators gilt die Oscar-Verleihung 1989 als diejenige mit der wohl schlechtesten Eröffnungsnummer aller Zeiten. Dabei singt Rob Lowe mit der als Schneewittchen verkleideten Schauspielerin Eileen Bowman eine überarbeitete Fassung des Creedence Clearwater Revival-Klassikers “Proud Mary”. Der Auftritt wird zu einem Desaster. Disney will die Academy wegen nicht genehmigter Verwendung der Schneewittchen-Figur verklagen und der Produzent des Ganzen, Allan Carr, ist danach für immer seinen Job los.

46. Übrigens, seit der Oscar-Verleihung 1989 werden die Preise mit dem berühmten Satz “And the oscar goes to…” vergeben. Davor hieß es schlicht “The winner is…”. Grund für die Änderung: Die Academy will damit zum Ausdruck bringen, dass es keine Gewinner und Verlierer gibt. Es gibt Filmschaffende, die einen Oscar erhalten und solche, die keinen erhalten. Die vermeintlichen Verlierer sollen such auch als Gewinner fühlen. Vielleicht stand für den Gedanken auch das Motto der Olympischen Spiele Pate: Dabei sein ist alles.

1988

47. Bei den 60. Academy Awards ist mit Gustav Hasford der Drehbuchautor von “Full Metal Jacket” für den Oscar nominiert. Der Autor ist zu dem Zeitpunkt offiziell ein Straftäter. Kurz vor der Oscar-Verleihung war Hasford wegen Diebstahls angezeigt worden. Der Vorwurf: Er soll etliche Bücher in mehreren Bibliotheken ausgeliehen und nicht zurückgegeben haben. Später wird der Autor zu sechs Monaten verurteilt, absitzen wird er drei.

1987

48. Die 59. Oscar-Verleihung sollte mit einer Gesangsnummer von Frank Sinatra und Dean Martin eröffnet werden. Die beiden hatten aber keine Lust dazu. Als Ersatz engagieren die Veranstalter die Schauspieler Telly Savalas, Pat Morita und Dom DeLuise, die sich mit ihrem vermeintlich lustigen Auftritt nicht gerade mit Ruhm bekleckern.

49. Paul Newman gewinnt 1987 den Hauptdarsteller-Oscar für seine Leistung in Martin Scorseses “Die Farbe des Geldes”. Der Schauspieler glänzt an dem Abend mit seiner Abwesenheit. Seine Begründung: “Ich war sechs Mal dabei und habe jedes Mal verloren. Vielleicht werde ich gewinnen, wenn ich nicht komme.” So viel zum Thema Aberglauben.

1986

50. Steven Spielbergs “Die Farbe Lila” ist zusammen mit “Am Wendepunkt” von Herbert Ross Halter eines traurigen Rekords. Wie Ross’ Romanze wird Spielbergs Drama für elf Oscars nominiert. Wie “Am Wendepunkt” sieben Jahre zuvor geht auch “Die Farbe Lila” bei den Academy Awards im Jahr 1986 komplett leer aus. Spielbergs Pechsträhne wird erst 1994 enden, als er für das Holocaust-Drama “Schindlers Liste” zum ersten Mal einen Regie-Oscar erhält.

1985

51. Sir Laurence Olivier verkündet bei der 57. Oscar-Verleihung den Gewinner in der Kategorie Bester Film. Nach der Standing Ovation nennt die Schauspiellegende den Gewinnerfilm, “Amadeus”, ohne vorher die nominierten Kandidaten zu nennen. Olivier hatte es schlicht vergessen.

52. Nachdem Sally Field 1980 leer ausgegangen war, erhält sie 1985 endlich den Oscar für “Ein Platz im Herzen”. Bei ihrer berühmt gewordenen überschwänglichen Dankesrede sagt sie: “Ich kann die Tatsache nicht leugnen, dass sie mich mögen. Ja, sie mögen mich. Danke.” Der Satz geht in die Geschichtsbücher ein und wird danach immer wieder parodiert, unter anderem in der Fantasy-Komödie “Die Maske”.

1981

53. Die 53. Oscar-Verleihung wird 1981 um einen Tag verschoben, weil am 30. März 1981 ein Attentat auf US-Präsident Ronald Reagan verübt worden war. Reagan wird dabei schwer verletzt. Die Kugel dringt in seinen linken Lungenflügel ein und verursacht innere Blutungen. Nach der Operation wird er zehn Tage später aus dem Krankenhaus entlassen.

1979

54. John Wayne verabschiedet sich 1979 von der Welt. Die Western-Legende hat bei der 51. Oscar-Verleihung seinen ersten und letzten öffentlichen Auftritt nach seiner Krebsdiagnose. Zwei Monate später stirbt der Schauspieler an den Folgen seiner Erkrankung.

55. “Die durch die Hölle gehen” gehört heute zu den Klassikern des Anti-Kriegsfilms. Seinerzeit sorgt das Drama für einen Eklat. Vor der Oscar-Verleihung 1979 protestieren Menschen gegen den Film wegen angeblicher diskriminierender Darstellung des vietnamesischen Volkes. Bei der Preisverleihung ist das Meisterwerk dennoch der große Abräumer. Es gewinnt insgesamt fünf Oscars, unter anderem als bester Film.

1978

56. Der große Gewinner bei der Oscar-Verleihung 1978 ist Woody Allen. Seine Komödie “Der Stadtneurotiker” gewinnt vier Oscars, zwei davon gehen an den Regisseur und Ko-Drehbuchautor Allen. Der ist an dem Abend jedoch abwesend, weil er nicht sonderlich viel von den Oscars und Filmpreisen im Allgemeinen hält. Er glaube nicht, dass man Filme qualitativ miteinander messen könne. Es gebe Lieblingsfilme aber keine besten Filme, sagt er in einem Interview. Das Superlativ “Beste” könne man sich allenfalls auf dem Sportplatz verdienen, so Allen.

57. Bei der 50. Oscar-Verleihung singt die Sängerin Debby Boone auf der Bühne das spätere Gewinner-Lied “You Light Up My Life” aus der Romanze “You Light Up My Life”. Begleitet wird sie von einem Chor gehörloser Mädchen, die den Text in Zeichensprache übersetzen. Gebärdensprachen-Kundigen fällt bald auf: Jedes der Mädchen zeigt eine andere Geste. Es stellt sich heraus, dass die Kinder die Gebärdensprache gar nicht beherrschen. Die Chormitglieder waren in letzter Sekunde ausgetauscht worden.

58. Vanessa Redgrave wird 1978 während ihrer Dankesrede ausgebuht. Der Grund: Sie sagt auf der Bühne, dass sie jede Form von Totalitarismus ablehne sich von einer “kleinen Gruppe zionistischer Ganoven” nicht einschüchtern lasse. Ein Jahr zuvor wirkte die politisch engagierte Schauspielerin in einer Dokumentation mit, die sich im Nahost-Konflikt für die Sache Palästinenser stark machte. Dagegen waren Mitglieder der extremen jüdischen Organisation Jewish Defense League auf die Barrikaden gegangen. Ihre Radikalität ging so weit, dass sie gegen die Academy Todesdrohungen aussprachen, sollte Redgrave den Oscar erhalten. Die Schauspielerin wird in dem Jahr für das Zweite-Weltkriegs-Drama “Julia” prämiert.

1977

59. Bei der Verkündung des Oscars für die beste Nebendarstellerin wird Sylvester Stallone 1977 auf der Bühne von Boxlegende Muhammad Ali unterbrochen. Der beschuldigt ihn scherzhaft, die Idee zu “Rocky” geklaut zu haben. Außerdem sei er der wahre Apollo Creed. Daraufhin improvisieren die beiden auf der Bühne ein Sparring. Stallone geht an dem Abend leer aus, “Rocky” erhält drei Oscars in den Kategorien Bester Film, Beste Regie und Bester Schnitt.

60. Marty Feldman zeigt sich auch bei den Oscars 1977 von seiner wilden Seite. Der Anarcho-Komiker überreicht den Oscar für den besten Kurzfilm. Vor der Preisübergabe wirft er die Statue auf den Boden, sodass sie in zwei Teile zerbricht. Danach sagt Feldman den verdutzten Gewinnern: “Da stand ‘Made in Hongkong’ drauf”.

1976

61. Louise Fletcher hält bei der Oscar-Verleihung 1976 einen Teil ihrer Dankesrede in Gebärdensprache, mit der sie sich an ihre gehörlosen Eltern wendet. “Ich möchte euch dafür danken, dass ihr mir beigebracht habt zu träumen”, sagt die Schauspielerin. “Ihr seht gerade, wie mein Traum wahr geworden ist.” Fletcher wird für ihre Rolle in “Einer flog über das Kuckucksnest” ausgezeichnet. Sie spielt in der Romanverfilmung die skrupellose Oberschwester einer Nervenheilanstalt. Das American Film Institute listet die Figur auf Platz fünf der bösesten Charaktere der US-Filmgeschichte. Wer den Film kennt, kann dem nur beipflichten.

1974

62. Es ist der Klassiker unter allen Oscar-Pannen. Als Schauspieler und Oscar-Ko-Moderator David Niven 1974 Elizabeth Taylor als Präsentatorin der Kategorie Bester Film aufrufen will, wird er von einem Mann überrascht, der nackt über die Bühne läuft. Den größten Lacher kassiert indes Niven, der cool bleibt und den schlagfertigen Kommentar bringt: “Ist es nicht faszinierend, dass der Mann in seinem Leben den einzigen Lacher dafür bekommt, dass er sich seiner Kleider entledigt und so seine Defizite offenbart?”

63. Katharine Hepburn besucht 1974 zum ersten und einzigen Mal die Oscar-Zeremonie, um den Ehrenpreis Irving G. Thalberg Memorial Award an ihren Freund, den Produzenten Lawrence Weingarten, zu verleihen. Die Schauspiel-Ikone war bis dahin elf Mal für einen Oscar nominiert gewesen, drei Mal hatte sie den Preis bereits erhalten. Den vierten und letzten Oscar erhält sie 1982 für das Drama “Am goldenen See”. Jedes Mal nimmt eine andere Person den Preis an ihrer Stelle entgegen.

1973

64. Als Marlon Brando 1973 für seine Titelrolle in “Der Pate” als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet wird, lehnt er den Preis ab. Auch zur Oscar-Verleihung kommt der Schauspieler nicht. Stattdessen schickt er die Apachin Sacheen Littlefeather zur Gala, die einen von ihm verfassten Brief gegen die rassistische Darstellung des Indianervolks in Film- und Fernsehen vorlesen sollte. Dazu kommt es zwar nicht (die Academy hatte es ihr verboten), dennoch trägt Sacheen Littlefeather in knappen Worten Brandos Anliegen vor. Nach dem Skandal beschließt die Academy, in Zukunft Vertreter bei Oscar-Reden auszuschließen.

65. Charlton Heston gehört 1973 neben Carol Burnett, Michael Caine und Rock Hudson zu den Gastgebern der 45. Academy Awards. Auf dem Weg zur Oscar-Gala hat der Schauspieler eine Reifenpanne und kommt zu spät. Clint Eastwood springt für ihn ein, wird es bald aber bereuen. Denn er muss Witze machen, die man für Heston geschrieben hatte. Eastwoods Kommentar angesichts eines Moses-Scherzes: “Oh Mann, das ist nicht mein Ding”. Die Lacher hatte er damit auf seiner Seite.

1971

66. Als Hollywood-Rebell und vor allem: als extremer Oscar-Kritiker erweist sich immer wieder auch George C. Scott. Der Charakterdarsteller weigert sich 1971, den Oscar für seine Leistung in “Patton – Rebell in Uniform” anzunehmen. In seiner Begründung bezeichnet er den Preis und die Verleihung als “beleidigend”, “barbarisch” und “korrupt”. Die Preis-Gala sei eine “zwei Stunden lange Fleisch-Parade” und nur darauf ausgerichtet, Geld zu verdienen. Als ihm am Abend des 15. April der Oscar zugesprochen wird, schaut er sich zu Hause im Fernsehen ein Hockey-Spiel an.

1969

67. Bei der Oscar-Verleihung 1969 gibt es zwei Gewinnerinnen in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin. Präsentatorin Ingrid Bergman ist sichtlich überrascht, als sie Barbra Streisand (“Funny Girl”) und Katharine Hepburn (“Der Löwe im Winter”) als Siegerinnen verkünden muss: “Es ist ein Unentschieden” sagt die “Casablanca”-Darstellerin. Auf die Bühne kommt allerdings nur Streisand, die an dem Abend auch mit ihrem durchsichtigen Kleid für Aufsehen sorgt.

1968

68. Die 40. Oscar-Verleihung wird 1968 vom 8. auf den 10. April 1968 verschoben. Der Grund ist die Trauer um den am 4. April ermordeten Bürgerrechtler Martin Luther King Jr.

69. Alfred Hitchcock wird 1968 mit dem Ehrenpreis Irving G. Thalberg Memorial Award ausgezeichnet. Der Meister des Suspense’ kommt lässig auf die Bühne, nimmt den Preis entgegen und hält die wahrscheinlich kürzeste Oscar-Rede aller Zeiten: “Thank You”, sagt er und geht wieder. Beobachter interpretieren die Lakonie als Abneigung Hitchcocks gegenüber der Academy. Diese hatte dem britischen Filmemacher den Regie-Oscar fünf Mal verweigert. Tatsächlich wurde Hitchcock nie mit einem regulären Academy Award ausgezeichnet.

1967

70. Die Fernsehausstrahlung der 39. Oscar-Verleihung wäre beinahe ins Wasser gefallen. Der Grund: Der sich für Schauspieler, Sänger sowie Fernseh- und Radio-Moderatoren einsetzende Verband American Federation of Television and Radio Artists (AFTRA) streikte. Drei Stunden vor Gala-Beginn einigen sich die Parteien und die Oscar-Zeremonie kann wie gewohnt gesendet werden.

1964

71. Die spektakuläre “La La Land”/”Moonlight”-Panne ist kein Einzelfall in der Pannengeschichte der Oscars. 1964 kommt es zu einem ähnlichen Fehler. Der Sänger und Schauspieler Sammy Davis Jr. verkündet den Komponisten John Addison als Gewinner in der Kategorie “Beste Filmmusik”. Das Problem: Addison ist in dieser Kategorie gar nicht nominiert. Davis’ Reaktion: “Sie haben mir den falschen Umschlag gegeben.” Als eigentlicher Gewinner stellt sich wenig später André Previn heraus, der für die Musik zu Billy Wilders “Das Mädchen Irma la Douce” ausgezeichnet wird.

72. Im Jahr 1964 hat so mancher Filmschaffende wohl keine große Lust auf die Oscars. Besonders deutlich wird das in der Darsteller-Kategorie. Sidney Poitier gewinnt als erster männlicher Afroamerikaner den Hauptdarsteller-Oscar für “Lilien auf dem Felde”. Von allen Gewinnern in allen vier Darsteller-Kategorien ist er der einzige im Saal Anwesende.

1962

73. Hollywood-Rüpel George C. Scott zum Zweiten. 1962 will der Schauspieler nicht einmal für eine Nominierung in Erwägung gezogen werden. Die Academy lässt sich aber nichts vorschreiben und nominiert ihn dennoch für das Sportdrama “Haie der Großstadt”. Der Nebendarsteller-Preis geht am Ende an George Chakiris, der für das Musical “West Side Story” ausgezeichnet wird. Die Mitnominierten Montgomery Clift, Jackie Gleeson und natürlich Scott sind nicht anwesend.

1961

74. Bob Hope moderiert 1961 zum 12. Mal die Oscar-Verleihung. An dem Abend gelingt es einem Taxi-Fahrer namens Stanley Berman, das komplexe Sicherheitssystem der Zeremonie zu umgehen, die Bühne zu stürmen und Hope einen selbstgebastelten Oscar zu übergeben. Sein Kommentar: “Ich bin hier, um Bob Hope seinen Oscar aus 1938 zu überreichen.” Hope hatte den Song “Thanks for the Memory” zum Film “The Big Broadcast 1938” gesungen. Das Lied war 1938 mit einem Oscar ausgezeichnet worden. Den Preis hatten Komponist Ralph Rainger und Texter Leo Robin entgegengenommen, Hope war leer ausgegangen. Mit seiner Aktion wollte der Berman den Sänger und Entertainer nachträglich ehren.

75. Bis Einschließlich 1961 werden jugendlichen Filmschaffenden für ihre Leistungen Spezial-Oscars verliehen. Beim Juvenile Award handelt es sich um eine Miniatur-Ausgabe der regulären Preises. Die Statue ist nicht deshalb kleiner, weil der normalgroße Oscar etwa zu schwer für die kleinen Gewinner wäre. Nein, man will die Erwachsenen einfach nicht mit Kindern messen. Es wäre doch eine Schmach, sollte sich ein Kind als besserer Schauspieler erweisen als ein Profi-Darsteller. Die erste Gewinnerin des Juvenile Awards ist übrigens Shirley Temple, die letzte heißt Hayley Mills, sie gewinnt den Preis 1961 für “Alle lieben Pollyanna”.

1959

76. Die Academy unternimmt immer viel, um die Preisgala zeitlich nicht aus dem Ruder laufen zu lassen. 1959 haben die Veranstalter ein umgekehrtes Problem. Die Veranstaltung ist 20 Minuten früher fertig als geplant. Ko-Moderator Jerry Lewis muss improvisieren und die Zeit irgendwie füllen. Er bittet alle Preisträger auf die Bühne, wo sie zusammen singen und tanzen. Es bleibt trotzdem einige Zeit übrig, weshalb der Sender NBC eine Sportsendung dazwischenschaltet.

1951

77. Marlene Dietrich stiehlt 1951 bei den 23. Academy Awards allen Anwesenden die Show. Der deutsche Hollywood-Export ist an dem Abed der größte Aufreger. Dietrich trägt ein Kleid, das ihr nur bis zu den Knien reicht.

78. Marilyn Monroes Kleid reicht an dem Abend zwar fast bis zum Boden, dennoch erlebt die Schauspielerin eine garderobenbezogene Panne. Monroe muss den Preis für den besten Ton überreichen. Kurz vor ihrem Bühnenauftritt reißt jedoch ihr Kleid. Sie schafft es zwar, die Trophäe zu übergeben, verschwindet dann aber ganz schnell hinter die Bühne. Ob und wie Monroe das Kleid hat richten lassen, ist nicht bekannt.

1948

79. Bei der Vergabe des Oscars für die beste Hauptdarstellerin erhebt sich Rosalind Russell aus ihrem Sessel noch bevor die Siegerin genannt wird. Sie hat sich zu früh gefreut, als eigentliche Oscar-Gewinnerin stellt sich Loretta Young (“Die Farmerstochter”) heraus. Russell war ehedem bereits zwei Mal nominiert gewesen, beide Male ging sie leer aus. Diesmal ist sie wohl sicher, dass sie für “Mourning Becomes Electra” gewinnen wird.

1943

80. Greer Garson wird 1943 für William Wylers Kriegsromanze “Mrs. Miniver” als beste Hauptdarstellerin prämiert. Auf der Bühne hält die Schauspielerin eine Dankesrede, die mehr als fünf Minuten dauert. Für die Academy ist dies ein Anlass, für Gewinner-Reden eine zeitliche Beschränkung einzuführen. Mit den Jahren werden diese immer kürzer. Seit 2010 dürfen die Preisträger nur 45 Sekunden lang Kollegen, Familie, Gott und der Welt danken.

81. Bei der 15. Oscar-Verleihung kommt es zu einem einzigartigen Vorfall. Irving Berlin verkündet den Gewinner in der Kategorie bester Song. Das Besondere: Der Komponist ist nicht nur selbst für den Song “White Christmas” aus dem Musical “Musik, Musik” nominiert, er gewinnt den Preis auch. Berlin darf den Oscar also sich selbst überreichen. And the Oscar goes to… Me!

1940

82. Bei der 12. Oscar-Verleihung zeigt sich die Academy zugleich von einer guten und hässlichen Seite. Die Mitglieder küren Hattie McDaniel für ihre Leistung in “Vom Winde verweht” zwar zur besten Nebendarstellerin. Sie ist damit die erste schwarze Schauspielerin, die einen Oscar erhält. Bei der Platzvergabe im Ambassador Hotel in Los Angeles verweigern die Veranstalter ihr aber einen Platz am Tisch, an dem ihre Kollegen sitzen. McDaniel muss ganz hinten im Saal Platz nehmen. Als sie den Oscar gewinnt, legt sie den längsten Weg zur Bühne zurück. Ob den Anwesenden Stars mit jedem Schritt der Schauspielerin die Ungerechtigkeit der Situation bewusst gewesen ist?

1939

83. Zeichentrick-Pionier Walt Disney bekommt 1939 für den ersten abendfüllenden Zeichentrickfilm, “Schneewittchen und die sieben Zwerge”, einen Spezial-Oscar für einen bedeutenden Beitrag zum Film. Zusätzlich zur normalgroßen Statue erhält der Filmemacher in Anlehnung an die titelgebenden Charaktere des Films sieben Miniaturausgaben des Preises. Überreicht werden ihm die Trophäen von einer Mini-Person. Shirley Temple ist damals zehn Jahre alt.

84. Seit den 11. Academy Awards 1939 heißt der wichtigste Filmpreis der USA Oscar. Davor nannte man Auszeichnung “Academy Award of Merit”. Über den Namenspaten streitet seither die Fachwelt. Drei Personen erheben den Anspruch, Namensgeber zu sein. 1. Der Kolumnist Sidney Skolsky war es angeblich Leid, ständig die “Goldene Statue der Academy” zu schreiben, weshalb er den Preis eines Tages schlicht Oscar nannte. 2. Die einstige Academy-Direktorin Margaret Herrick nannte den Preis angeblich so, weil er sie an ihren Onkel Oscar erinnerte. 3. Schauspiellegende Bette Davis sah eine auffällige Ähnlichkeit zwischen dem knackigen Hinterteil des Preises und dem Allerwertesten ihres Mannes.

1938

85. Spencer Tracy wird sehr überrascht gewesen sein, als er 1938 den Darsteller-Oscar für das Abenteuer-Drama “Manuel” bekam. Auf der Statue ist nicht sein Name eingraviert sondern “Dick Tracy”. Ob da jemand an den gleichnamigen Comichelden gedacht hatte, dessen Abenteuer 1931 zum ersten Mal gedruckt wurden? Set dem Vorfall werden die Namen der Gewinner erst nach der Verleihung auf die Statue eingraviert.

86. Am gleichen Abend als Spencer Tracy seine Überraschung erlebt, gewinnt Alice Brady den Nebendarstellerin-Oscar für das Musical “Chicago”. Die Schauspielerin hatte sich kurz vorher einen Knöchelbruch zugezogen. Während der Preisverleihung nimmt ein Mann für sie den Preis entgegen. Danach verschwindet er mit der Statue und wird nie wieder gesehen. Brady gibt später an, den Mann nicht zu kennen. Die Academy überreicht ihr einen Ersatz-Oscar.

1935

87. Heute gibt es Proteste wegen #OscarsSoWhite oder fehlender geschlechtlicher Gleichberechtigung. 1935 ist das noch anders. Damals beschweren sich die Filmschaffenden, dass Bette Davis und Myrna Loy nicht als beste Darstellerinnen nominiert wurden.

Szene aus Frank Capras Komödie “Es geschah in einer Nacht” mit Clark Gable und Claudette Colbert (Bild: Sony Pictures)

1934

88. Als Schauspieler Will Rogers am 16. März 1934 den besten Regisseur des Jahrgangs verkündet, ruft er lässig: “Komm her und hol ihn dir, Frank”. Frank Capra, sicher, dass er für “Lady für einen Tag” gewonnen hat, springt Freude strahlend auf und geht zur Bühne. Bald merkt er, dass sich das Rampenlicht von ihm entfernt und sich an einen anderen Mann heftet. Da dämmert es ihm. Rogers meinte den anderen Frank, nämlich Frank Lloyd, der für “Cavalcade” ausgezeichnet wurde. Ein Jahr später bekommt Capra seine Genugtuung, als er für “Es geschah in einer Nacht” den Regie-Oscar bekommt.

1932

89. Warum die ganze Aufregung bei der Oscar-Verleihung? Dass man auch locker an die Sache rangehen kann, zeigt Jackie Cooper im Jahr 1932. Der ist während der Zeremonie so entspannt, dass er auf der Schulter von Marie Dressler einschläft. Als die Schauspielerin den Oscar als beste Hauptdarstellerin für “Emma” gewinnt, wird Cooper sachte auf den Schoß seiner Mutter gelegt. Um fair zu sein: Cooper ist damals neun Jahre alt. Dass er nicht zu Hause im Bett ist, liegt daran, dass er an dem Abend für “Skippy” als bester Hauptdarsteller nominiert ist.

1929

90. Der erste Schauspieler überhaupt, der einen Oscar erhält, ist Emil Jannings. Der Deutsche erhält den Preis für zwei Filme, “Sein letzter Befehl” und “Der Weg allen Fleisches”. Weil Jannings nach Deutschland abreisen muss, bekommt er die Auszeichnung vor der Preis-Gala ausgehändigt. Bis heute sind er und Luise Rainer die einzigen deutschen Schauspieler, die je einen Oscar erhalten haben.