Wenn es ein ETF werden soll, dann auf den MDAX!

Jakub Piwowarski, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Wenn du vorhast, dir ohne viel Stress und Arbeit über einen längeren Zeitraum ein Vermögen aufzubauen, ist ein Fonds eine der zuverlässigsten Methoden, um genau das zu tun. Foolische Investoren folgen dabei dem Rat von Warren Buffett und greifen zu passiv aufgestellten und kostengünstigen Indexfonds. Die einzige Frage, die du dir bei der Auswahl wirklich stellen musst, ist die, welcher Index dir besonders vielversprechend erscheint. Der Emittent bzw. der Anbieter spielt eine eher untergeordnete Rolle.

MDAX schlägt den DAX um Längen

Bei einer bevorzugten Anlage in deutsche Aktien wählen viele Anleger den DAX als Richtwert. Der DAX vereint die 30 größten Unternehmen unseres Landes und verspricht somit Stabilität und Sicherheit. Dazu kommt, dass selbst professionelle Anleger es selten schaffen, auf lange Sicht den Index zu schlagen. Sicherheit, Stabilität und langfristiger Erfolg. Genau das also, was sich ein entspannter Fool von seiner Anlage verspricht. Doch ein Blick in die zweite Reihe bringt Erstaunliches zum Vorschein.

Seit Jahrzehnten predigen Politiker und Wirtschaftswissenschaftler, dass der Mittelstand das Rückgrat der deutschen Wirtschaft ist. Dementsprechend sollte uns ein Blick auf den kleinen Bruder des DAX, den MDAX, eine Überlegung wert sein.

Der MDAX besteht derzeit noch aus 50 Aktien. Ich werde hier nicht sehr detailliert auf die Zusammensetzung, die Regeln und die einzelnen Unternehmen des MDAX eingehen, sondern schlage vor, dass wir uns einfach gemeinsam einen Chart anschauen:

Vergleich MDAX mit DAX und SDAX

Dieser Chart zeigt einen direkten Vergleich der letzten 18,5 Jahre für den SDAX, MDAX und den DAX an. Das Urteil könnte nicht deutlicher ausfallen: Der MDAX schlägt sowohl den DAX wie auch den SDAX um Längen!

Was dahintersteckt

Wenn du den Verlauf der Kurven auf dem obigen Chart genauer betrachtest, bemerkst du sicherlich, dass alle drei Indexlinien grob relativ ähnlich verlaufen. Der Unterschied liegt darin, dass beim MDAX die jeweiligen Marktveränderungen zu jeweils deutlich stärkeren Ausschlägen im Vergleich zum DAX und SDAX führen. Das bedeutet höhere Schwankungsbreiten. Entwickelt sich der Markt positiv, profitiert der MDAX überproportional stark. Kommt der Markt dagegen in eine negative Phase, so bekommen das die MDAX-Anleger auch deutlich stärker zu spüren. Das hat mehrere Gründe, die aber allesamt eigentlich ganz logisch sind. Auffällig ist aber auch, dass die Ausschläge in die positive Richtung stärker sind als diejenigen in die negative Richtung.

Zum einen ist zu erwähnen, dass kleinere Unternehmen deutlich flexibler sind und viel schneller auf Marktveränderungen reagieren können. Sie können ihre Zulieferer und Kapazitäten schneller mobilisieren, Produkte und Dienstleistungen rascher auf dem Markt anbieten und passen entsprechend schnell auch ihre Quartalsbilanzen und Gewinnprognosen an.

Das Gleiche funktioniert natürlich auch in die andere Richtung, wenn der Markt in eine Schwächephase kommt. Auch bei einer negativen Marktumkehr können die Anleger mit einer Neubewertung der Anlage schneller reagieren.

Damit haben wir also die größeren Schwankungsbreiten erklärt, aber noch nicht den Hauptgrund für die überragende Gesamtperformance. Wäre das allein der Grund, dann müsste auch der SDAX eine ähnliche Leistung vorweisen wie der MDAX. Der SDAX schneidet auch tatsächlich besser ab als der DAX, liegt jedoch, wie wir an dem Chart sehen, weit hinter dem MDAX und ist dem DAX nur marginal überlegen. Dieser Punkt alleine kann also nicht reichen.

Der meiner Meinung nach entscheidende Faktor ist, dass der MDAX deutlich mehr Potenzial für künftige Unternehmszusammenschlüsse und Übernahmen bietet. Diese produzieren in aller Regel überproportionale Kursanstiege für Anteilseigner und können somit einen gewaltigen Beitrag zur Gesamtperformance leisten. Während die Unternehmen im DAX aufgrund ihrer hohen Marktkapitalisierung schwierige Übernahmekandidaten darstellen und im SDAX die Unternehmen oftmals noch nicht interessant genug sind, hat der MDAX genau den richtigen Mix parat.

Dass der MDAX langfristig den DAX und den SDAX so eindeutig schlagen kann, ist also kein Zufall.

Ein weiteres Argument, das unbedingt einer Diskussion bedarf, aber eher selten als Grund für den MDAX erwähnt wird, sind die mittlerweile vielen, kurstechnisch leider erfolglosen Unternehmen im DAX. Diese werden aufgrund ihrer Größe zwar noch im Index mitgezogen, aber sie weisen seit geraumer Zeit massive Schwächen auf. Ein Blick auf den Bankensektor, den Stahl- und den Automobilsektor sowie etablierte Versorger lässt einen sich eher wundern, wie der DAX in den letzten Jahren überhaupt vorwärtskommen konnte.

Neue Regeln lassen viel Fantasie aufkommen

Die Deutsche Börse hat am Freitag, 18. Mai 2018, Änderungen für die Aufnahme von Unternehmen in die Indizes MDAX, SDAX und TecDAX bekannt gegeben. Demnach wird die bisherige Klassifizierung von Aktien nach Tech und Classic aufgehoben und der MDAX wie auch der SDAX vergrößert. Der MDAX von 50 auf insgesamt 60 Aktien. Der SDAX von ursprünglich ebenfalls 50 Aktien auf nun 70. All dies wird ab dem 24. September 2018 in Kraft treten.

Aus meiner Sicht ist das ein deutliches Signal aus der Industrie, Sprache endlich Taten folgen zu lassen. Die Politik spricht schon lange von der Digitalisierung Deutschlands und hat zu Recht festgestellt, dass Deutschland von anderen Industrienationen technologisch abgehängt zu werden droht. Eine Aufnahme von Technologieaktien in die wichtigsten Indizes unseres Landes wird diese Unternehmen nicht nur fördern, sondern auch deutlich stärker in den Fokus von Anlegern stellen.

Diese Form der Förderung von Technologietiteln bietet für Anleger insbesondere eines: die Chance, bei den künftigen technologischen Marktführern in unseren Breitengraden dabei zu sein. Denn wenn sich eine Technologieaktie etablieren und in den MDAX aufsteigen kann, hat sie alle Chancen und die Unterstützung von Millionen von Anlegern, in die obere Liga aufzusteigen – und damit den Wert unserer Anlage zu fördern.

Der MDAX verbindet hohe Chancen mit einem überschaubaren Risiko

Wie aus dem Beitrag bisher gut zu erkennen ist, ist der MDAX mein Favorit unter den vielen verschiedenen Indizes, die uns als Anleger zur Auswahl stehen. Er verbindet nicht nur die Chancen des Gesamtmarktes mit einem überschaubaren Risiko, sondern profitiert langfristig überproportional von Marktentwicklungen. Sowohl der DAX als auch der SDAX stellen für ihn dabei keine Konkurrenz dar.

Im Zuge der Neuausrichtung und Einbindung von Technologietiteln erwarte ich zusätzlich erhebliches Aufwärtspotenzial und damit verbunden noch wesentlich stärkere Vorteile gegenüber dem DAX.

Langfristige Anleger, die sich vor der deutlicher ausgeprägten Volatilität nicht abschrecken lassen, können mit einem ETF auf den MDAX daher meiner Ansicht nach nicht viel verkehrt machen und sich zum Beispiel über den iShares MDAX® UCITS ETF (DE) (WKN: 593392) oder den Lyxor German Mid-Cap MDAX UCITS ETF Dist (WKN: LYX0R1) beteiligen.

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Jakub Piwowarski besitzt iShares MDAX® UCITS ETF (DE)-Anteile. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Wertpapiere.

Motley Fool Deutschland 2018