Essener Strafprozess gegen Middelhoff vor der Einstellung

Die Essener Strafverfahren gegen Thomas Middelhoff und sechs frühere Arcandor-Aufsichtsräte werden voraussichtlich eingestellt

Die Essener Strafverfahren gegen Thomas Middelhoff und sechs frühere Arcandor-Aufsichtsräte werden voraussichtlich eingestellt. Eine entsprechende Entscheidung im abgetrennten Prozess gegen den Ex-Arcandor-Chef Middellhoff könnte bereits am Mittwoch fallen, wie ein Sprecher des Landgerichts Essen am Dienstag mitteilte. Demnach hatte die Strafkammer zuletzt in Rechtsgesprächen mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung die Möglichkeit einer Einstellung der Verfahrens gegen alle sieben Angeklagten ausgelotet.

In dem Verfahren gegen Middelhoff geht es um einen Sonderbonus in Höhe von 2,295 Millionen Euro, den der heute 64-Jährige bei seinem Ausscheiden aus dem Arcandor-Konzern 2009 erhalten haben soll. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Middelhoff eine solche Zahlung nicht verlangen konnte und legte dem 64-Jährigen zur Prozessauftakt am 11. Mai Anstiftung zur Untreue zur Last.

Middelhoff wies die Vorwürfe mit Nachdruck zurück. Das Verfahren gegen den früheren Topmanager soll nun nach Paragraf 154 der Strafprozessordnung beendet werden. Danach kann ein Prozess eingestellt werden, wenn der Angeklagte bereits in einem früheren Verfahren verurteilt wurde und eine weitere Strafe im aktuellen Verfahren demgegenüber nicht mehr ins Gewicht fallen würde.

Das Essener Landgericht hatte Middelhoff schon Ende 2014 in einem ersten Strafprozess unter anderem wegen Veruntreuung von Konzernvermögen zu drei Jahren Haft verurteilt. Im Falle einer Einstellung des aktuellen Prozesses müsste Middelhoff keine Geldzahlung leisten oder sonstige Auflagen erfüllen.

Den sechs ebenfalls angeklagten Ex-Aufsichtsräten wirft die Staatsanwaltschaft Untreue im Zusammenhang mit dem Sonderbonus für Middelhoff sowie einer weiteren Bonus-Zahlung im früheren Arcandor-Konzern vor. Gegen zwei dieser Angeklagten sollen die Verfahren nun wegen geringer Schuld ohne Auflagen eingestellt werden. Die übrigen vier Angeklagten können mit einer Verfahrenseinstellung gegen Geldauflagen rechnen.