„Es geht doch nicht darum, sexy zu sein“ – Diätenwahn vs. Body Positivity bei „Hart aber fair“

Zu Gast bei Frank Plasberg: Jens Baas, Detlef Soost, Margareta Büning-Fesel, Angelina Kirsch und Moritz Sachs (v.l.n.r.). (Bild: Screenshot/ARD)

In der ersten Sendung des neuen Jahres stellte „Hart aber fair“ nicht die Politik, sondern den Kampf um die Kilos in den Mittelpunkt.

„Wampe oder Waschbrettbauch – gibt es gutes Leben ohne schlechtes Gewissen?“ lautete am gestrigen Abend das Motto bei Frank Plasberg. Das mag durchaus mit den noch frischen Neujahrsvorsätzen zusammenhängen. Zündstoff aber hat Thema Gewicht ohnehin immer wieder.

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Der Moderator lud eine illustre Gästeschar an den Gesprächstisch: Zum einen das Curvy-Model Angelina Kirsch, die behauptet, noch nie eine Diät gemacht zu haben. Dann Tanztrainer Detlef Soost, einst selbst recht füllig, seit seiner geglückten Diät aber mit Eifer und einem lukrativen Fitness-Unternehmen unterwegs. „Lindenstraße“-Schauspieler Moritz Sachs kenne das Gefühl, dass der eigene Bauch etwas zu groß ist: „Es gibt Tage, da ramme ich mir die Türklinke in den Bauch und denke: Mann, warum bin ich so dick geworden?“ Auch geladen waren die Ernährungswissenschaftlerin Margareta Büning-Fesel, Ernährungsberater Florian Schumacher sowie Jens Baas, seines Zeichens Vorstand der Techniker Krankenkasse.

Gewicht ist nach wie vor ein Reizthema

Die Sendung begann mit einer Straßenumfrage, die – wenig überraschend – zum Ergebnis hatte, dass ein Großteil der Bevölkerung unzufrieden mit der eigenen Figur ist. Nachvollziehbar, dass das Versprechen vom Traumgewicht da ein großes Geschäft ist – von dem auch Detlef Soost profitiert. Der 47-jährige Berliner, der 32 Kilogramm abspeckte und seitdem nicht nur Tanztrainer, sondern auch Fitness-Guru ist, wirbt seit einiger Zeit mit dem Slogan „I make you sexy“. Genau das kritisierte Moritz Sachs jedoch: „Es geht doch nicht darum, sexy zu sein.“ Und er fügte hinzu: „Es geht doch eher darum: Wollt ihr älter werden als 60 Jahre? Und wollt ihr mal einen Berg hochlaufen können, ohne einen roten Kopf zu bekommen?”

BU2: Model Angelina Kirsch fühlt sich wohl in ihrer Haut – auch mit Kleidergröße 42/44. (Bild: Screenshot ARD)

Sehr wohl sexy – und das in Plus Size – fühlt sich Angelina Kirsch. „Ich bin ein kurviges Model, das heißt, ich habe eine Figur wie die durchschnittliche Frau in Deutschland, ich trage Größe 42/44“, erklärte sie – und sprach von einer Diskrepanz: Obwohl sie eigentlich mit ihren Rundungen im Normalbereich liegt, wird Kirsch in der Branche als Übergrößenmodel betrachtet. Ihr gesundes Verhältnis zum eigenen Körper habe sie von ihrer Mutter, erzählte sie. Diese habe ihr schon früh erklärt, dass es ganz normal sei, kurvig zu sein. Dass das Thema Gewicht aber immer noch Reizpotenzial besitzt, beweisen die Kommentare auf der Facebook-Seite des Models. „Ich werde vor allem von dünnen Frauen angefeindet“, erzählte sie.

Abnehmen geht nur langsam

Diät? Ja. Aber eine Radikaldiät? Nein. Darüber waren sich vor allem die Ernährungswissenschaftlerin Büning-Fesel und Krankenkassen-Chef Baas einig. Baas stellte klar: „Man muss ein Selbstbewusstsein bei jungen Menschen erzeugen, dass es normal ist, nicht superschlank zu sein.“ Schließlich seien überzogene Vorstellungen durchaus gefährlich: „Das Schönheitsideal führt oft zu Magersucht.“

Beim Abnehmen sei es vor allem wichtig, nicht zu schnell die Kilos purzeln zu lassen, sondern nachhaltig und auf die Gesundheit achtend zu agieren. Eine Diät müsse langsam stattfinden, so Büning-Fesel: „Unser Körper hat in der Hinsicht Steinzeit-Gene.“

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Ebenso als Gesprächsteilnehmer dabei: Der Ernährungsberater Florian Schumacher, der auf das sogenannte „Self-Tracking“ setzt, also akribisch Datenmaterial zu seinem eigenen Lebensstil sammelt und analysiert. „Ich lebe gerne effizient und so, dass ich meine Ziele im Leben erreiche. Und ich glaube, es ist einfacher, wenn man das Ganze smart macht.“

Ein Konsens fehlt nach wie vor

Die Ernährungswissenschaftlerin konnte dem durchaus etwas abgewinnen. Und auch Baas fand diesen Zugang spannend, relativierte aber: „Ich mache mir allerdings immer die Sorge: Was passiert mit den ganzen Daten?“ Ungewöhnlich, dass gerade der Chef einer Krankenkasse Sorge vor Daten hat. Darauf angesprochen sagte er: „Wir wollen diese Daten gar nicht haben. Im Gegenteil: Ich würde sogar immer dafür plädieren, dass wir sie gar nicht haben dürfen.“

Am Ende blieb es bei punktuellen Ansätzen und persönlichen Geschichten. Einen thematisch runden Bogen konnte Moderator Plasberg ebenso wenig finden wie einen allgemeinen Konsens. Was bleibt: Das Körpergefühl ist subjektiv.

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