Erwarteter Anstieg der Weinpreise, da die Produktion so niedrig war wie seit mehr als 50 Jahren nicht mehr

Weinproduktion fällt auf ein historisches Tief. (Getty Images)

Weinliebhaber sollten jetzt die Fassung wahren – denn der Preis für eine Flasche erschwinglichen Wein könnte schon bald in die Höhe schnellen.

Es wird erwartet, dass die globale Weinproduktion auf den niedrigsten Stand seit mehr als 50 Jahren sinkt – das belegen aktuelle Zahlen.

Frostperioden und Dürren in Europa haben dieses Jahr die Trauben erheblich beschädigt, berichtet die International Organisation of Vine and Wine.

In der Europäischen Union haben extreme Witterungsbedingungen „die Weinproduktion 2017 erheblich beeinträchtigt“, die auf einen historischen Tiefpunkt angelangt ist, so die Organisation.

Die Grafik veranschaulicht die globale Weinproduktion seit 2000. (Quelle: OIV)

Während Italien 2017 seinen Platz als führender Produzent weltweit das dritte Jahr in Folge verteidigen kann, wird die Produktion trotzdem um 23 % auf 39,3 Millionen Hektoliter (mhl) sinken.

Frankreich erleidet einen Einbruch um 19 % auf 36,7 Mio. Hektoliter, während Spanien Einbußen von 15 % auf 33,5 Mio. Hektoliter hinnehmen muss.

Ein Hektoliter sind 100 Liter, das entspricht ungefähr 133 herkömmlichen 750 ml Flaschen.

Portugal (6,6 mhl), Rumänien (5,3 mhl), Ungarn (2,9 mhl) und Österreich (2,4 mhl) waren die einzigen Länder, die im Vergleich zu 2016 einen Anstieg verzeichneten. Nach zwei schlechten Ernten hat Rumänien dieses Jahr wieder eine hohe Produktion.

Außerhalb Europas ist das Problem weniger dramatisch – die Produktion in Australien stieg um sechs Prozent und auch die südamerikanische Weinproduktion konnte erheblich zulegen.

Für die USA wurde ein leichter Rückgang erwartet, allerdings wurden die Zahlen vor den Buschbränden zusammengestellt, die im Weinstaat Kalifornien gewütet haben.

Global gesehen wird die Weinproduktion jedoch auf einen Wert sinken, der seit 1961 nicht erreicht wurde, sagt die OIV. Es wird erwartet, dass der Ertrag 2017 auf 246,7 Millionen Hektoliter fällt, acht Prozent weniger als vergangenes Jahr.

Weinliebhaber müssen demnächst vielleicht etwas mehr für ihre Flasche „Wochenend”-Wein ausgeben. (Hoberman Collection/UIG via Getty Images)

Die OIV sagt, die geringere globale Produktion könnte einen Angebotsüberschuss der vergangenen Jahre abschwächen, als durch die weltweite Finanzkrise 2008 die Nachfrage geringer war.

Die Auswirkung des Rückgangs auf das tatsächliche Angebot und die Preise hängt davon ab, wie viele Vorräte aus vergangenen Jahren vorhanden sind sowie von der Qualität der Weine aus berühmten Weinregionen.

Thierry Coste, Vorsitzender der Weinunion der EU, Copa-Cogeca, sagte: „Es wird trotz allem erwartet, dass die Qualität der Trauben in ganz Europa sehr gut sein wird, was einen exzellenten Wein verspricht.“

Die Zahlen zur weltweiten Weinproduktion 2017. (Quelle: OIV)

Aber qualitativ hochwertigere Trauben könnten die Preise am unteren Ende des Marktes steigen lassen.

Ein Bericht von Analysten der Rabobank warnte vergangene Woche vor den Folgen des Produktionsrückgangs.

„Wir sehen auch für 2018 einen dramatischen Rückgang der Verfügbarkeit von Wein“, sagte Stephen Rannekleiv, ein globaler Stratege für Getränke der Rabobank. „Wir erwarten den Rückgang [beim Verbrauch] am stärksten im niederpreisigen Segment.“

Mark Dorman