Streik bei Volkswagen in der Slowakei

Bei Volkswagen in der Slowakei haben die Beschäftigten mit dem ersten Streik seit Produktionsbeginn 1992 eine satte Lohnerhöhung erkämpft

Bei Volkswagen in der Slowakei haben tausende Mitarbeiter für eine kräftige Lohnerhöhung gestreikt. Sie versammelten sich am Dienstag vor dem VW-Werk in Bratislava und forderten 16 Prozent mehr Lohn. Der Autobauer hatte 4,5 Prozent mehr in diesem und 4,2 Prozent mehr im kommenden Jahr angeboten, am Dienstag erhöhte er sein Angebot.

"Es geht nicht ums Geld. Es geht um den Anstand des Unternehmens", sagte einer der Streikenden, Stanislav Galva. VW habe "solch große Profite", die das Unternehmen mit den Arbeitern teilen müsse.

Gewerkschaftschef Zoroslav Smolinsky sagte, bis zu 8600 der 12.300 Beschäftigten hätten die Arbeit niedergelegt. Die VW-Arbeiter seien bereit, mehr als nur einen oder zwei Tage zu streiken.

Eine Sprecherin von VW Slovakia hatte die Forderungen der Gewerkschaft am Montag als "inakzeptabel" bezeichnet. Eine Lohnerhöhung um 16 Prozent gefährde die Wettbewerbsfähigkeit und die Zukunft des Unternehmens. Am Dienstag erhöhte der Autobauer sein Angebot auf 8,9 Prozent mehr Geld.

Die Linken-Politikerin Jutta Krellmann begrüßte den Ausstand in Bratislava. Konzerne, die in Billiglohnländern produzieren ließen und nicht bereit seien, den Lebensstandard der Bevölkerung zu erhöhen, "handeln unmoralisch", erklärte die gewerkschaftspolitische Sprecherin der Fraktion. Die Konkurrenz müsse über das Produkt ausgetragen werden und nicht über die Löhne der Beschäftigten, fügte sie hinzu.

Volkswagen produziert in der Slowakei unter anderem den Porsche Cayenne, den Volkswagen Touareg und den Audi Q7. Ein Angestellter verdient dort nach Unternehmensangaben im Schnitt 1800 Euro im Monat - die Gehälter der Top-Manager nicht eingerechnet. Der Durchschnittslohn in der Slowakei liegt bei 980 Euro monatlich.

VW ist der größte private Arbeitgeber im Land. In den Werken laufen täglich mehr als tausend Fahrzeuge vom Band. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt knapp 389.000 Autos. Erst am vergangenen Donnerstag feierte der Autobauer das fünfmillionste Auto.