Erstes TV-Interview nach Rücktritt: Sebastian Kurz schließt Polit-Comeback aus - "für immer!"

Sebastian Kurz, in zwei Amtszeiten Bundeskanzler von Österreich, trat 2021 von allen politischen Ämtern zurück. (Bild: 2021 Getty Images/Sean Gallup)
Sebastian Kurz, in zwei Amtszeiten Bundeskanzler von Österreich, trat 2021 von allen politischen Ämtern zurück. (Bild: 2021 Getty Images/Sean Gallup)

Knapp ein halbes Jahr nach seinem Rücktritt hat der ehemalige österreichische Bundeskanzler sein erstes Fernsehinterview gegeben. Seine unter Falschaussageverdacht stehenden Einlässe vor dem Ibiza-Untersuchungsausschuss erklärte Sebastian Kurz mit Überlastung. Ein Polit-Comeback schloss er kategorisch aus.

Gerade mal 35 Jahre alt ist Sebastian Kurz. Doch seine einst so hoffnungsvoll gestartete Karriere als österreichischer Polit-Überflieger liegt bereits hinter ihm. 2021 trat er im Zuge der Korruptionsaffäre um seine Partei, die ÖVP, von allen politischen Ämtern zurück. 160 Tage nach diesem politischen Beben gab Kurz nun sein erstes langes TV-Interview. Im Gespräch mit dem Privatsender Servus TV gab er an, dass er die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen seine Person verkraften könne: "Ich lebe mittlerweile sehr gut damit."

Seine umstrittenen Aussagen im Ibiza-Untersuchungssausschuss bewertete der ehemalige österreichische Außenminister und Bundeskanzler ausweichend. "Wir sind hier sicherlich sehr, sehr leichtgläubig an die Dinge herangegangen", räumte er ein. "Wir haben Dinge richtig gemacht, Dinge falsch gemacht. Manche Entscheidungen waren besser, andere waren schlechter, aber wir haben nie was Unrechtes oder strafrechtlich Relevantes gemacht." Dass der Verdacht der Falschaussage vor dem Ausschuss aufkommen konnte, sei der Pandemie geschuldet: "Um ehrlich zu sein, ich bin damals rund um die Uhr im Einsatz gewesen, um irgendwie das Land durch diese Krise zu bringen."

Dem Sender Servus TV stand Sebastian Kurz für das erste lange TV-Interview nach seinem Rücktritt zur Verfügung. (Bild: Servus TV)
Dem Sender Servus TV stand Sebastian Kurz für das erste lange TV-Interview nach seinem Rücktritt zur Verfügung. (Bild: Servus TV)

"Ich habe ja nicht im Traum daran gedacht, dass man da angezeigt werden würde"

Angesichts der vielen Unwägbarkeiten rund um das Coronavirus sei "das Thema Aussage im Ausschuss" für ihn "zweitrangig" gewesen. Man habe sich bemüht, "es irgendwie im Kalender untergebracht zu bringen". Jedoch habe er der Angelegenheit "überhaupt keine Bedeutung zugemessen". Sebastian Kurz: "Ich habe ja nicht im Traum damals daran gedacht, dass man da angezeigt werden würde, was Falsches gesagt zu haben. Über Ereignisse, die Jahre her sind, wo dann darüber philosophiert wird, ob man jetzt involviert oder informiert als Wort verwendet hat in einer mehrstündigen Befragung. Also das war damals einfach für mich überhaupt nicht am Radar." Kurz insistierte: "In solch einer Situation - können Sie mir glauben - beschäftigt man sich mit dem Thema Ausschuss und Vorwürfe und Sonstiges? Keine Minute."

Über seinen Rücktritt vor rund einem halben Jahr sagte Kurz nun, er habe "am Ende des Tages auch gar keine Lust mehr gehabt auf diese Form der Auseinandersetzung". Für ihn habe sich diese Entscheidung "richtig angefühlt". Dazu habe auch der Umstand beigetragen, dass er einen Sohn bekommen habe: "Wenn man das erste Mal Vater wird, dann ändert das auch ein Stück weit die Perspektive und man erkennt vielleicht noch mehr, dass es einfach viele schöne Dinge auf dieser Welt gibt, dass es viele Dinge gibt, die Freude machen. Ich hatte meine Dosis an Politik. Das war wunderschön. Das möchte ich nicht missen. Aber ich habe auch genauso Freude jetzt am neuen Lebensabschnitt."

Comeback-Pläne hegt der Polit-Aussteiger aus diesem Grund auch nicht. "Das kann ich ausschließen", versicherte Kurz auf Nachfrage. Er genieße es, "jetzt privatwirtschaftlich tätig zu sein, Familienvater zu sein". Kurz: "Ich bin da, aber nicht mehr in der Politik. Das bleibt auch so. Für immer."

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