"Harvey" schürt in Texas Angst vor "dramatischen Überschwemmungen"

Durch den Hurrikan "Harvey" sind im US-Bundesstaat Texas mindestens zwei Menschen getötet worden

Mit massiven Regenfällen hat Wirbelsturm "Harvey" im US-Bundesstaat Texas die Angst vor schweren Überschwemmungen geschürt. Der Hurrikan schwächte sich nach seiner Ankunft auf dem Festland am Samstag zwar zum Tropensturm ab, es wurden aber tagelange heftige Niederschläge befürchtet. Hunderttausende Haushalte waren ohne Strom; ein Mensch wurde getötet.

"Harvey" hatte Freitagabend (Ortszeit) als Hurrikan der zweithöchsten Kategorie vier mit Spitzengeschwindigkeiten von 215 Stundenkilometern Texas erreicht. Es war der stärkste Hurrikan seit mehr als zehn Jahren, der aufs Festland der USA traf. Im County Aransas kam den Behörden zufolge ein Mensch ums Leben, als während des Sturms in seinem Haus ein Feuer ausbrach.

Besonders schwer betroffen war der Küstenort Rockport . "Es gibt hier weit reichende Zerstörungen", sagte Bürgermeister C.J. Wax dem Sender MSNBC. Es gebe Geschäfte und Häuser, die "komplett zerstört" worden seien. "Ich habe so etwas noch nie gesehen", sagte der Ladenbesitzer Brandon Gonzales in der angrenzenden Großstadt Corpus Christi der Nachrichtenagentur AFP. "Unser Gebäude ist vor und zurück geschwankt."

Am Samstagabend waren in Texas nach Angaben der Versorger rund 230.00 Haushalte ohne Strom. Viele Straßen waren aufgrund von Trümmerteilen und heruntergerissenen Stromleitungen nur schwer zu passieren.

Das Nationale Hurrikan-Zentrum (NHC) stufte "Harvey" am Samstagnachmittag (Ortszeit) zwar vom Hurrikan zum normalen Tropensturm herunter, warnte zugleich aber vor "dramatischen und lebensbedrohlichen Überschwemmungen". In einigen Gebieten seien bereits 50 Zentimeter Regen gefallen, sagte der Gouverneur von Texas, Greg Abbott. Weitere 50 bis 75 Zentimeter Niederschlag seien möglich. "Unsere Hauptsorge bleiben dramatische Überschwemmungen", sagte Abbott. Vorhersagen zufolge könnte der Wirbelsturm für die kommenden vier bis fünf Tage über der US-Golfküste verharren.

Präsident Donald Trump schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter, "nichts" werde dem Zufall überlassen. Die lokalen Behörden und die Bundesregierung arbeiteten "großartig" zusammen. schrieb Trump nach einem Treffen mit seinem Kabinett. Bereits am Freitag hatte er auf Ersuchen von Gouverneur Abbott den Katastrophenfall für Texas ausgerufen. Damit können Bundesmittel zur Behebung der Sturmschäden freigegeben werden.

Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders kündigte zudem an, der Präsident werde Anfang kommender Woche nach Texas reisen. Nach dem verheerenden Hurrikan "Katrina", bei dem im Jahr 2005 mehr als 1800 Menschen ums Leben gekommen waren, war der damalige Präsident George W. Bush für sein Katastrophenmanagement heftig in die Kritik geraten. Dieser hatte das betroffene Gebiet im Bundesstaat Louisiana vom Flugzeug aus besichtigt, aber nicht betreten.

Vor "Harvey" waren bereits am Freitag hunderttausende Menschen in Sicherheit gebracht worden. Mehrere Gemeinden in Texas riefen die Anwohner auf, ihre Häuser zu verlassen. Auch Ölplattformen im Golf von Mexiko wurden geräumt.

Texas dürfte noch lange an den Folgen des Sturms leiden. "Der Wiederaufbau nach dieser Katastrophe wird Jahre dauern", sagte der Leiter der US-Katastrophenschutzbehörde Fema, Brock Long, im Sender MSNBC. "Für den Staat Texas wird das ein beispiellos langer und frustrierender Abschnitt."