Erster Hilfskonvoi gelangt in syrische Rebellenenklave Ost-Ghuta

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Hilfskonvoi erreicht Ost-Ghuta, zieht aber vorzeitig wieder ab

Der erste Hilfskonvoi für die Einwohner der Rebellenhochburg Ost-Ghuta in Syrien hat seinen Einsatz am Montag vorzeitig beendet. Während des Beschusses durch die Regierungstruppen sei so viel geliefert worden wie möglich, aber nicht alles, hieß es

Die Einwohner der belagerten syrischen Rebellenenklave Ost-Ghuta haben erstmals seit Beginn einer Offensive der Regierungstruppen Hilfe erhalten: Am Montag traf ein Konvoi mit dringend benötigten Lebensmitteln und medizinischen Hilfsgütern in den östlichen Vororten von Damaskus ein, wie die UNO mitteilte. Zugleich wurden aber laut Aktivisten bei neuen Luftangriffen 50 Menschen getötet, während die Rebellen in der Region zunehmend an Boden verloren.

"Endlich... Ein Konvoi des syrischen Roten Halbmonds, des IKRK und der UNO ist mit dringend nötigen Hilfsgütern für zehntausende Menschen auf dem Weg nach Ost-Ghuta", erklärte der Hilfskoordinator für Syrien des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Robert Mardini. Für Donnerstag ist laut der UNO ein zweiter Hilfskonvoi für Ost-Ghuta geplant.

Laut der UNO haben die 46 Lastwagen Lebensmittel und Medikamente für 27.500 Menschen geladen. Allerdings habe die Regierung verhindert, dass zahlreiche medizinische Hilfsgüter nach Ost-Ghuta gebracht werden. Seit einer Woche gilt dort eine tägliche mehrstündige Feuerpause, um Hilfslieferungen und die Bergung von Verletzten zu erlauben.

Die von Russland initiierte Feuerpause hat zwar zum Rückgang der Gewalt geführt, aber nicht das Ende der Luftangriffe bewirkt. Bisher gelangte zudem keine Hilfe in die Region, auch konnten weder Verletzte geborgen werden, noch Zivilisten das Gebiet verlassen. Die humanitäre Lage in Ost-Ghuta ist seit langem katastrophal, es fehlt an Medikamenten, viele Kinder leiden Hunger.

Bei neuen Luftangriffen am Montag wurden laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 50 Zivilisten getötet, darunter 19 in der Ortschaft Hammurije. Damit stieg die Zahl der Opfer seit Beginn der Bombardements auf Ost-Ghuta am 18. Februar auf 740, darunter mindestens 170 Kinder.

Die US-Regierung verurteilte am Sonntag "die fortdauernde Militäroffensive gegen die Bevölkerung in Ost-Ghuta". Der UN-Hilfskoordinator für Syrien, Panos Moumtzis, sprach von einer "Eskalation der Gewalt" und einer "kollektiven Bestrafung der Zivilisten". Noch während der Hilfskonvoi in der Stadt Duma entladen wurde, waren neue Luftangriffe zu hören, wie ein AFP-Journalist vor Ort berichtete.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron forderte bei einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, Moskau müsse Druck auf das "syrische Regime" ausüben, damit die Luftangriffe und die Belagerung von Zivilisten aufhöre. Hilfslieferungen müssten ungehindert Zivilisten erreichen.

Syriens Machthaber Baschar al-Assad ist entschlossen, die Region vor den Toren der Hauptstadt zurückzuerobern, in der seit 2013 knapp 400.000 Menschen im Belagerungszustand leben. Nach dem wochenlangen Bombardement der Region starteten die Regierungstruppen kürzlich eine Bodenoffensive. Am Sonntag betonte Assad, er werde die Region vom "Terrorismus" befreien.

Seit Beginn der Bodenoffensive gelang es Assads Truppen bereits, ein Drittel der Rebellenenklave unter ihre Kontrolle zu bringen. Die Truppen hätten weitere Agrarflächen östlich von Damaskus erobert und rückten stetig vor, erklärte die Beobachtungsstelle am Montag. Ziel ist es demnach, die Region in zwei Teile zu teilen.

Laut der oppositionsnahen Organisation stehen die Regierungstruppen nur noch zwei Kilometer vor Duma. Die Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von Aktivisten vor Ort; für Medien sind sie kaum zu überprüfen.

Der UN-Menschenrechtsrat forderte die unabhängige internationale Untersuchungskommission für Syrien auf, umgehend Ermittlungen zum Vorgehen der Regierungstruppen in Ost-Ghuta aufzunehmen. Zudem verlangte er die Umsetzung der 30-tägigen Waffenruhe, die am 24. Februar vom UN-Sicherheitsrat beschlossen worden war, bisher aber nicht eingehalten wird.

Der iranische Präsident Hassan Ruhani erklärte derweil, der einzige Ausweg aus dem Konflikt sei eine "Stärkung" der syrischen Regierung. Teheran steht fest an Assads Seite.