Erster deutscher Spac seit vielen Jahren: Hometogo an der Börse

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Das Management-Team von Hometogo feiert im Firmenbüro den ersten Handelstag an der Börse: Steffen Schneider, Patrick Andrae, Wolfgang Heigl und Valentin Gruber (von links)
Das Management-Team von Hometogo feiert im Firmenbüro den ersten Handelstag an der Börse: Steffen Schneider, Patrick Andrae, Wolfgang Heigl und Valentin Gruber (von links)

Auf dem Fußboden des großen Altbaubüros von Hometogo liegt noch Konfetti. Heute morgen hat hier ein Großteil des 350-köpfigen Teams den erfolgreichen Börsengang gefeiert. CEO und Gründer der Ferienhausplattform Patrick Andrae wirkt noch emotional, als er an diesem Mittwochmittag Pressevertreter im Büro empfängt. Er versuche, sagt er, nicht zu sehr auf den Aktienkurs zu schauen, aber ganz davon lösen könne er sich trotzdem nicht. Am Nachmittag liegt er bei knapp neun Euro. Das ist zwar noch etwas entfernt vom ursprünglichen Ausgabepreis von 12 Euro, doch Andrae ist trotzdem zufrieden, genauso wie sein CFO Steffen Schneider, der Architekt hinter dem Börsengang.

Das Besondere an dem IPO: Hometogo ist durch einen sogenannten Spac an die Börse gegangen. In den USA gab es seit vergangenem Jahr einen regelrechten Boom um diese Börsenvehikel, hierzulande haben sich jedoch erst wenige Spacs firmiert. Der VC Lakestar des bekannten Investors Klaus Hommels war der erste, der eine solche Hülle aufgesetzt hat. Und er war der erste, dessen Übernahmeziel, nämlich Hometogo, es erfolgreich an die Börse geschafft hat. Der Lakestar-Spac und die Berliner Firma hatten am Dienstag fusioniert, am heutigen Mittwoch war der erste Handelstag.

Durch Absagen von Aktionären 100 Millionen Euro weniger als geplant

Spacs gelten als ein kostengünstigerer und schnellerer Weg auf das Börsenparkett. Bis Hometogo es aber tatsächlich an die Börse geschafft hat, hatten die Beteiligten einige Hürden zu überwinden. Zunächst einmal mussten sie die Aktionäre, die sich am Lakestar-Spac beteiligt hatten, davon überzeugen, ihre Anteile in Hometogo-Aktien umzutauschen. Etwa 37 Prozent wollten das nicht – eine Zahl, mit dem sich das Hometogo-Management dennoch zufrieden zeigt: Bei vielen anderen US-Spacs sei dieser Anteil nochmal deutlich höher, so CFO Steffen Schneider. Dennoch: Durch die Absagen entgehen der Firma so rund 100 Millionen Euro, weshalb Hometogo am Ende nur auf 250 Millionen Euro statt auf 350 Millionen Euro Kapital kommt.

Kompliziert sei es auch gewesen, weil es bei der Vorbereitung auf den Börsengang nur wenige Beispiele gegeben habe, an denen man sich habe orientieren können, so CFO Schneider. „Gelten bei uns die Regeln wie bei einem normalen IPO in Europa oder die Regeln eines Spacs wie in den USA? Da hat jeder was anderes behauptet.“

Nach ihrem anfänglichen Hype sind Spacs in den USA stark in die Kritik geraten, vor allem weil die Börsenmäntel in der Regel so aufgesetzt, dass die Initiatoren des Spacs am stärksten profitieren – auch dann, wenn der Deal für alle übrigen Beteiligten ein schlechter war, steht der Sponsor in aller Regel dennoch gut da. Klaus Hommels wollte hier gegensteuern und hat seinen Spac deshalb so aufgesetzt, dass er und die anderen Sponsoren einen Teil ihrer Aktien erst dann bekommen, wenn das Übernahmeziel entsprechend erreicht ist.

Laut Hometogo-Gründer Andrae sei dies auch einer der Gründe gewesen, weshalb man sich für den Lakestar-Spac entschieden habe. Ein weiterer Grund: Vertrauen. Lakestar ist bereits seit drei Jahren Investor bei der Ferienhausplattform, zuletzt hielt der VC rund vier Prozent der Firmenanteile an der Berliner Firma. „Wir wollten niemanden, der uns an die Börse klatscht und dann wieder weg ist“, sagt Andrae. „Ich finde es schön zu wissen, dass man nach dem Börsengang nicht allein ist.“

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