Erste Verdächtige nach Attacke auf Transfrau in Bremer Straßenbahn identifiziert

Rund eine Woche nach einer Attacke auf eine 57-jährige Transfrau in einer Bremer Straßenbahn hat die Polizei vier Verdächtige im Alter zwischen zwölf und 13 Jahren ermittelt. Sie seien anhand von Videoaufzeichnungen als mutmaßliche Mitglieder der Tätergruppe identifiziert worden, teilte die Polizei in der Hansestadt am Dienstag mit. Die 57-Jährige war von etwa 15 Jugendlichen massiv beleidigt und von einem aus der Gruppe durch Faustschläge verletzt worden.

Laut Polizeiangaben erkannte eine Streifenwagenbesatzung zunächst einen der Verdächtigen während eines anderen Einsatzes am Sonntagabend im Stadtteil Huchting und wurde in der Folge auf neun weitere Kinder und Jugendliche aufmerksam. Die Ermittler hatten Aufzeichnungen der Überwachungskameras gesichert und anschließend polizeiintern Fotos von Verdächtigen verteilt.

Demnach wurden alle zehn Kinder und Jugendlichen mit zur Wache genommen, während deren Eltern benachrichtigt wurden. Dort seien durch weitere kriminalpolizeiliche Maßnahmen vier Zwölf- und 13-Jährige anhand der Videoaufzeichnungen identifiziert worden, teilte die Polizei weiter mit.

Die Ermittlungen zu deren genauen mutmaßlichen Tatbeiträgen liefen demnach noch. Die Verdächtigen wären im strafrechtlichen Sinne grundsätzlich noch nicht strafmündig. Die Grenze dafür liegt im Deutschland bei 14 Jahren.

Die transidente 57-Jährige war am Montag vergangener Woche während der Fahrt in einer Straßenbahn aus einer größeren Jugendgruppe heraus attackiert und grob beleidigt worden. Jugendliche rissen ihr unter anderem die Perücke vom Kopf, einer der Beteiligten schlug dem Opfer mehrfach mit der Faust ins Gesicht. Die Frau wurde schwer verletzt und musste in ein Krankenhaus gebracht werden. Die Gruppe flüchtete, als andere Fahrgäste einschritten.

Nur wenige Tage vor dem Vorfall in Bremen war im nordrhein-westfälischen Münster ein 25-Jähriger nach einem Angriff bei einer Veranstaltung zum Christopher Street Day (CSD) gestorben. Er hatte sich laut Polizei schützend vor Teilnehmerinnen gestellt, die von einem 20-Jährigen homophob beleidigt wurden. Der 20-Jährige schlug ihn mehrfach ins Gesicht, woraufhin er stürzte. Er starb später im Krankenhaus. Der mutmaßliche Angreifer befindet sich in Haft.

Insbesondere die Tat von Münster sorgte für Entsetzen. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) kündigte ein schärferes Vorgehen gegen queerfeindliche Gewalt in Deutschland an. Unter anderem stellte sie eine präzisere Erfassung in den Polizeistatistiken an. Es sei von einem großen Dunkelfeld auszugehen.

bro/cfm