Erste Trauungen: "Ehe für alle" ist da - Hochzeit nach vielen Hindernissen

Hochzeit mit Regenbogenfahne: Karl Kreile (2.v.l.) und Bodo Mende (3.v.l.) sagen zum zweiten Mal „ja“ auf dem Standesamt

So sieht es also aus, wenn zwei Männer mit ihrer Liebe füreinander Geschichte schreiben: Sonntag, 9.30 Uhr, Rathaus Schöneberg. Kameras und Mikrofon-Angeln türmen sich um den dunklen Holztisch, rund hundert Gäste haben im Goldenen Saal Platz genommen, winden sich auf den olivgrünen Lederstühlen, um an den Journalisten vorbei einen Blick auf das Hochzeitspaar zu erhaschen: Karl Kreile, ein schmächtiger 59-Jähriger mit Dauergrinsen und akkurat getrimmten Henriquatre-Bart. Bodo Mende, 60, graue Stoppelfrisur und dem Ausdruck eines Mannes, der mit Stolz auf einen historischen Moment blickt.

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Grünen-Politiker Volker Beck und Adrian Petkov haben sich auf dem Standesamt Friedrichshain-Kreuzberg getraut Gregor Fischer / dpa

Ab 1. Oktober steht im Grundgesetz: "Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen." Die Ehe für alle ist in Kraft. Mende und Kreile sind die ersten in Deutschland, die von ihrem Recht Gebrauch machen.

Beide tragen schlichte, graue Anzüge, Schnittchen und Sekt sind vorbereitet. Eine normale Hochzeit, so soll es aussehen. Das einzige im Raum, was irgendwie schrill und queer wirkt, ist die Regenbogenfahne auf dem Tisch des Standesbeamten. Der heißt Gordon Holland, und wusste bis vor zwei Tagen nicht, ob das Update der Standesamtssoftware auf die "Ehe für alle" funktioniert. Jetzt fragt er das Hochzeitspaar: "Sind Sie eigentlich genauso aufgeregt wie ich?"

Die Ehe für alle ist ein längst überfälliges Gesetz

Eher entschlossen. "Die Zeit der jahrhundertelangen Diskriminierung Homosexueller geht jetzt zu Ende", sagt Kreile einen Tag vor der Trauung. Un...

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