Erste Studie: Legalisierung von Cannabis hat in den USA vielen Menschen zu Jobs und höheren Löhnen verholfen

In New York City darf Cannabis nicht nur konsumiert, sondern seit Ende Dezember auch verkauft werden.  - Copyright: KENA BETANCUR/AFP via Getty Images
In New York City darf Cannabis nicht nur konsumiert, sondern seit Ende Dezember auch verkauft werden. - Copyright: KENA BETANCUR/AFP via Getty Images

Die Legalisierung von Cannabis hat in den USA vielen Menschen geholfen, Arbeit zu finden, höhere Löhne zu erzielen und sogar gesünder zu leben. Das geht aus einer Analyse des National Bureau of Economic Research hervor – der ersten Untersuchung zu den Auswirkungen der Legalisierung von Marihuana auf Beschäftigung und Löhne amerikanischer Arbeitnehmer.

Die Legalisierung des Konsums und des Verkaufs von Marihuana in den USA wird nach einer früheren Umfrage von 68 Prozent der Bevölkerung unterstützt. Die Auswirkungen für Produktivität der Wirtschaft und das Wohl der Arbeitnehmer sind aber umstritten. Die Autoren beginnen ihr Papier denn auch mit zwei Zitaten, die das mit einem Augenzwinkern verdeutlichen sollen.

Tesla-Chef Elon Musk 2018: „Ich bin kein regelmäßiger Raucher von Gras .. . Ich finde nicht, dass es sehr gut für die Produktivität ist.“

Komiker Seth Rogen 2011: „Ich rauche eine Menge Gras, wenn ich schreibe.“

Autoren der Studie sind vier Wirtschaftsprofessoren der San Diego State University und der Bentley University. Sie fanden wenig Anhaltspunkte, dass die Legalisierung von Cannabis „die Beschäftigung oder die Löhne von Personen im erwerbsfähigen Alter“ reduziert habe.

Stattdessen fanden die Autoren Belege für einen „bescheidenen Anstieg der Beschäftigung oder der Löhne“ bei Personen über 30 Jahren, bei jüngeren Mitgliedern ethnischer Minderheiten und bei Personen, die in der Landwirtschaft arbeiten, die von der Öffnung der Cannabisindustrie profitiere.

„Diese Ergebnisse stützen die Ermöglichung einer legalen Industrie für Marihuana und – insbesondere bei älteren Personen – einer Substitution von härteren Substanzen wie Opiaten“, so die Forscher.

In den USA leben aktuell mehr als 158 Millionen Menschen in den 22 Bundesstaaten, in dem Marihuana legalisiert wurde. Staatlich zugelassene Cannabis-Unternehmen schufen 2021 über 100.000 Arbeitsplätze und beschäftigten 2022 bereits fast eine halbe Million Arbeitnehmer. Die Branche sei auch für die kommenden Jahren auf Wachstum eingestellt. Laut einer Prognose des Cannabis-Datenunternehmens BDSA kann der Cannabis-Umsatz in den USA von 25 Milliarden Dollar im Jahr 2021 auf 40 Milliarden Dollar im Jahr 2026 steigen.

Die Legalisierung hat der Studie zufolge dazu geführt, dass einige Personen frühere Verurteilungen wegen Marihuanakonsums aus ihrem Strafregister löschen konnten. Dies erleichtere es ihnen, einen Arbeitsplatz zu finden. In New York ist es das erklärte Ziel, die Hälfte Lizenzen für Cannabis-Shop an nach sozialen Kriterien an Antragsteller zu geben, die aus Gruppen kommen, die zuvor direkt oder indirekt von der Kriminalisierung von Cannabis betroffen waren.

Kritiker der Freigabe argumentieren, dass Marihuana-Konsum zu einer verminderten geistigen Leistungsfähigkeit und Motivation, zu Lethargie, schlechterer physischer und psychischer Gesundheit, dem Konsum härterer Drogen und niedrigeren Bildungsabschlüssen führen könnte.

Befürworter hält dem entgegen, dass die Cannabisindustrie nicht nur Arbeitsplätze schafft, sondern auch dazu beitragen könnte, dass einige Menschen ihren Opioidkonsum reduzieren, weniger Alkohol trinken, körperliche Beschwerden lindern, Stress bewältigen und ihre psychische Gesundheit verbessern.

Das Arbeitspapier stellt fest, dass es insbesondere viele junge schwarze und hispanische Männer aufgrund von Vorstrafen wegen Marihuanabesitzes schwerer haben, einen Arbeitsplatz zu finden – eine Herausforderung, die durch die Legalisierung bis zu einem gewissen Grad gemildert werden konnte.

Obwohl die Branche noch in den Kinderschuhen steckt, deutet die Studie auf positive Ergebnisse für amerikanische Arbeitnehmer hin. Da es sich bei der Legalisierung von Marihuana um eine neue Entwicklung handelt, so die Autoren, wird es noch einige Zeit dauern, bis die langfristigen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt wirklich entschlüsselt sind.

Das Original der Studie findet ihr hier.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Business Insider in den USA unter dem Titel: „Marijuana might hurt Elon Musk's productivity, but legalization has helped US workers find jobs and earn higher wages, a study finds“ . Das Original lest ihr hier.