Wie "ein unglaublicher Move" Deutschland ins Halbfinale hievte

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Wie "ein unglaublicher Move" Deutschland ins Halbfinale hievte
Wie "ein unglaublicher Move" Deutschland ins Halbfinale hievte

"Marcel ist in guter Behandlung bei unseren Medizinern. Da warten wir jetzt ab. Morgen können wir Genaueres sagen, und dann werden wir eine Entscheidung treffen im Sinne des Spielers und für die Mannschaft."

Die Worte, die der Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes am Mittwoch in Riga wählte, klangen nur mittelmäßig optimistisch. Ob Topscorer Marcel Noebels dem DEB-Team im Viertelfinale gegen die Schweiz wirklich zur Verfügung stehen würde, vermochte Stunden zuvor niemand mit Sicherheit zu sagen.

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Im abschließenden und entscheidenden letzten Gruppenspiel gegen Lettland hatte sich der Führungsspieler verletzt und war nicht mehr in das Spiel zurückgekehrt.

Noch vor dem ersten Bully gab es für die deutschen Kufen-Cracks dann aber Entwarnung: Der Spieler des Jahres in der PENNY DEL wurde rechtzeitig fit, von den Ärzten gab es grünes Licht. Gemeinsam mit seinen Berliner Klubkollegen Lukas Reichel und Leo Pföderl konnte der 29-Jährige wieder die deutsche Paradereihe bilden.

Deutschland holt Rückstand gegen Schweiz auf

Lange Zeit sah es dann im Spiel aber nicht danach aus, als ob der Traum von der ersten deutschen WM-Medaille seit 68 Jahren würde weitergeträumt werden können (WM-Halbfinale: Deutschland - Finnland, Samstag ab 16.30 Uhr auf SPORT1 im Free-TV und Livestream).

Bereits im ersten Drittel gingen die Schweizer in Führung, Mitte des zweiten Drittels folgte die Erhöhung auf 2:0.

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Doch das DEB-Team ließ sich nicht beirren und hielt am Matchplan von Bundestrainer Toni Söderholm fest. Erst gelang Tom Kühnhackl mit dem 1:2-Anschluss ein wichtiger Impuls, dann machte der 2:2-Ausgleich von Leon Gawanke nur 44 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit die Overtime klar.

Weil jedoch auch dort kein Sieger ermittelt werden konnte, musste ein nervenaufreibendes Penaltyschießen entscheiden.

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Erinnerungen an Forsberg

Mit dem zehnten und letzten regulären Penalty trat der tags zuvor noch angeschlagene Noebels auf das Eis. Was dann folgte, verblüffte alle.

"Das war ein Tor, von dem man eine Briefmarke macht – ein unglaublicher Move", jubilierte Söderholm und spielte auf Olympia 1994 in Lillehammer an, als der frühere Weltstar Peter Forsberg mit eben jener Bewegung den alles entscheidenden Penalty zum ersten Olympiasieg der Schweden verwandelt hatte.

Forsberg täuschte seinerzeit einen Schuss mit der Vorhandseite an, nur um den Puck dann mit der Rückhand rechts am bereits reagierenden Keeper vorbeizuschieben. Noebels tat ihm das gleich.

Noebels verblüfft mit Penalty

"Mein Herz ist um einiges tiefer gerutscht als normal. Ich bin froh, dass ich nicht ganz so früh wusste, dass ich schießen soll. Ich hatte viele Sachen im Kopf und bin froh, dass ich diese Variante gemacht habe. Als ich aufs Eis bin, wusste ich, dass ich es mache und habe den Kopf ausgeschaltet. Ich dachte, dass er (der Schweizer Keeper Genoni, Anm.d.Red.) das heute noch nicht gesehen hat. In der Liga hat das auch schon geklappt", zeigte er sich im SPORT1-Interview erleichtert.

Doch auch wenn dem 29-Jährigen ein ebenso grandioser wie historisch bedeutender Treffer gelang, gelobt werden wollte Noebels nicht. Viel mehr blieb er bescheiden und wies darauf hin, dass auch jeder andere Spieler so hätte treffen können.

"Ich bin einfach stolz, ein Teil dieser Mannschaft zu sein. Es war wieder nicht ganz einfach, aber toll, was wir aufs Eis gebracht haben. Wir haben wieder einen Weg zurückgefunden, das zeigt Stärke. Es macht unheimlich viel Spaß, das Trikot zu tragen."

Am Samstag bekommen Noebels und sein Team dann gegen Finnland die Chance, den Traum vom WM-Finale endgültig klar zu machen.

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