Erst die richtige Haltung macht Veränderung möglich

Auch im Business-Alltag ist nicht immer alles perfekt. Doch auch hier gilt: Wir sind, was wir aus uns machen.


Man macht sich das Leben vielleicht einfach zu schwer. Beispielsweise in Fragen der Schönheit. Heute Morgen hatte ich eine E-Mail im Posteingang – Betreff: „Kunstpalmen statt pflegeintensiver Echtpalmen“. Erst wollte ich die Nachricht ungelesen in den Spam-Ordner schieben, zusammen mit dem Angebot, jetzt doch mit Bitcoins reich zu werden. Dann wurde ich nachdenklich.

Es stimmt doch eigentlich: So eine Echtpalme braucht Licht – aber bitte nicht zu viel. Steht sie zu schattig, wächst sie der Sonne entgegen und sieht schnell scheußlich aus. Sie braucht Wasser – aber keinesfalls zu reichlich gießen, sonst werden die Blätter an den Spitzen braun. Frische Erde (kein Torf), alle paar Jahre ein größerer Topf (nicht zu groß!), Dünger…

Sogar einen Betreuer während längerer Abwesenheiten muss man finden. Dann doch lieber eine Kunstpalme. Diese kommt ihren dekorativen Aufgaben nach, ganz ohne Ansprüche zu stellen.
So einfach könnte also das Leben sein. Nur die schnöde Wirklichkeit hat ihre Tücken.


Was folgt daraus? Nun: Wäre die Welt makellos, so wäre sie auch sehr, sehr langweilig. Ecken, Kanten – und auch Falten – machen die Sache erst interessant, da sind wir uns wahrscheinlich einig. Aber seien wir doch ehrlich: Ab und an sollten wir uns mit ein bisschen schönem Schein den Alltag versüßen. Und das ist ein Motto, das ich für durchaus businesstauglich halte.

„Fake it till you make it.” Selbstvertrauen, Zuversicht, Kompetenz: Eine positive Grundeinstellung ist doch schon der erste Schritt auf dem Weg zur Erfüllung. Die richtige Haltung macht Veränderung erst möglich. Ein kleines Rädchen im großen Universum? Man kann doch nicht zaubern? Ich bin nun einmal wie ich bin? Papperlapapp. Wir sind, was wir aus uns machen.

Und manchmal tun wir eben auch einfach nur so, als ob. Als ob wir den perfekten Plan hätten. Als ob wir die Welt regieren würden. Als säßen wir im Cockpit, von dem aus wir die Geschicke der Welt lenkten. Wer genial sein will, muss sich erst einmal so verhalten, wie sich ein genialer Mensch verhalten würde. Und das ist nicht von mir, das ist von Aristoteles.

Beispiel aus der Praxis gefällig? Sagen wir, der Vorgesetzte fragt: „Ist die Präsentation für das Meeting morgen fertig“ – Ist sie nicht. Klar. Landunter seit zwei Wochen, die halbe Belegschaft krank, die andere Hälfte im Urlaub, und das ausgerechnet jetzt.


Falscher Ansatz: Jepp. Fix und fertig, und zwar in meinem Kopf. Alles ist da. An Ort und Stelle, die Arbeit ist gemacht, nun muss sie nur in ein technisches Format gebracht werden. Keine Sorge. Ergebnis: Beste Laune allenthalben.

Anderes Beispiel: Den Pitch können wir gar nicht gewinnen. Da stehen doch Hunderte an, die das schon zig Mal gemacht haben. Korrekt: Wer auf die eigenen Defizite schaut, wird keinen Blumentopf gewinnen. Wie stellen sich diejenigen auf, die den Pitch reißen? Genau. So wird’s gemacht.

Und nein: Das ist nicht Ihre Außendarstellung. Das ist Ihre Haltung, wo Sie gehen und stehen. Das ist das Bild, das Sie von sich selber haben. Und zwar: im edlen Zwirn. Ob Sie auf der x-ten Etage im schicken Office-Turm sitzen oder mit dem Laptop auf der Couch hocken: Seien Sie immer die beste Version Ihrer selbst.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich mit einem Missverständnis aufräumen: Wir reden nämlich nicht vom Flunkern. Wir stehen für etwas, und wir stehen für etwas ein. Erfolge und Niederlagen sind es gleichermaßen, die uns prägen – da haben wir gar nichts zu verbergen. Eine Kunstpalme ist eine Kunstpalme, daran werden wir nichts ändern, und wir werden sie nicht in eine dunkle Ecke stellen, damit es keiner merkt. Aber wo es was zu schillern gibt, da werden wir schillern, und zwar richtig.

Früher war mehr Lametta? Egal. Heute gibt’s Glitter und Glamour in allen Farben.

Sabina Wachtel berät Manager. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive mit dem Label ManagerOutfit. Außerdem ist sie Autorin.