Erst 2058 genauso viele Frauen wie Männer in deutschen Chefetagen

In Deutschland sind Frauen in Führungspositionen immer noch unterrepräsentiert. Ändern wird sich das laut einer Studie erst in ein paar Jahrzehnten.


Der Anteil von Frauen in Führungspositionen in Unternehmen in Deutschland ist seit 2009 jährlich um zwei Prozent gewachsen, wie eine Datenanalyse des Karrierenetzwerkes Linkedin zeigt. Nimmt der Frauenanteil auch weiterhin in diesem Tempo zu, erreicht die deutsche Wirtschaft erst in ein paar Jahrzehnten ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in den Chefetagen – und zwar 2058.

Die Untersuchung basiert auf der Auswertung von Linkedin-Profilen. Demnach liegt der Frauenanteil in Führungspositionen derzeit bei 22 Prozent – ein Fünftel mehr als noch 2009. Zwar ist die Wachstumsrate hierzulande höher als beispielsweise in manch anderen europäischen Staaten wie Frankreich oder Großbritannien. In den beiden EU-Ländern sind derzeit jedoch schon wesentlich mehr Frauen in den Chefetagen vertreten als in den deutschen: Fast jede dritte Person (31 Prozent) dort ist weiblich.

Den Weltfrauentag nimmt Barbara Wittmann, Direktorin für den Bereich Rekrutierungslösungen bei Linkedin, zum Anlass darauf hinzuweisen, dass die unausgewogenen Geschlechterverhältnisse nicht nur am heutigen Donnerstag, sondern immer wieder in das Bewusstsein der Menschen gerückt werden müssen. „Frauen sollen nicht erst in einem halben Jahrhundert, sondern schon heute alle Karrierechancen eröffnet werden“, sagt Wittmann.

Am stärksten stieg der Anteil von Frauen in Führungspositionen laut Studie vor allem in den Branchen, die bislang als typische Männerdomänen galten: Die Logistikbranche verzeichnete in den vergangenen neun Jahren einen Zuwachs von 46 Prozent, in der Finanz- und in der IT-Branche waren es jeweils fast 40 Prozent.

In den einzelnen Geschäftsbereichen stieg der Teil der weiblichen Führungskräfte am stärksten im Rechtswesen, in der Buchhaltung und im Marketing.



Der Branchenverband Bitkom hat derweil für eine Studie zum Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte untersucht, wie sich der Anteil der Top-Managerinnen in der Branche entwickelt hat – und kommt zu dem Ergebnis, dass Frauen im vergangenen Jahr gerade einmal sieben Prozent im IT-Top-Management ausmachten, zwei Prozentpunkte mehr als 2015. Von allen IT-Angestellten war 2017 etwas mehr als ein Viertel (28 Prozent) weiblich.

Dass der Anteil weiblicher IT-Fachkräfte jährlich steigt, zeigt nach Ansicht von Uta Menges, Vorsitzende des Bitkom-Fachausschusses „Frauen in der ITK“, dass die Branche auf einem richtigen Weg sei. „Die Unternehmen haben erkannt, dass weibliche Fach- und Führungskräfte für einen dauerhaften wirtschaftlichen Erfolg dringend gebraucht werden“, meint Menges.

Der Branchenverband vertritt die Ansicht, dass spezielle Mint-Frauenstudiengänge helfen können, in der Digitalbranche künftig noch mehr Frauen in Führungspositionen zu haben. Zum einen aufgrund der Kooperation der Hochschulen mit Unternehmen. Zum anderen, weil die Frauenstudiengänge darauf ausgelegt seien, auch familiäre Verhältnisse zu berücksichtigen.