Ersatzteile geklaut: Diebe hinterließen Dienstwagen als Wrack

Im Gebiet der Kölner Polizei gab es seit März 20 Delikte dieses Ausmaßes

Zuerst dachte Florian Wortmann nur an die „arme Sau“, der dieses Auto-Wrack gehört. Dann wurde ihm klar, dass das schwer ramponierte Auto seines ist.

Als der 31-jährige Modedesigner am Montagmorgen um 7.30 Uhr in seinen erst acht Monate alten BMW der 3er-Baureihe steigen wollte, den er am Abend zuvor an der Ecke Weyertal/Palanterstraße in Sülz abgestellt hatte, waren nicht nur die Frontschürze seines Dienstwagens weg, sondern auch die Motorhaube, die Armaturentafel, das Lenkrad, die Airbags und die Lüftung.

Ein „nacktes Auto“

In der Nacht zu Montag hatten Diebe offenbar ganze Arbeit geleistet. „Das war ein naked Car“, sagt Wortmann – ein nacktes Auto also. Der Schaden liege bei etwa 20 000 Euro, die Versicherung prüfe nun, ob es sich um einen wirtschaftlichen Totalschaden handelt. In diesem Fall würde sich eine Reparatur nicht mehr lohnen.

Dass Diebe Navigationsgeräte und Airbags aus Autos schrauben, ist für die Kölner Polizei ein alter Hut. Dass aber ganze Armaturentafeln und Karosserieteile verschwinden, ist laut Behördensprecherin Annemarie Schott ein Phänomen, das erst seit März dieses Jahres gehäuft auftritt. Im Gebiet der Kölner Polizei habe es seitdem 20 Delikte dieses Ausmaßes gegeben.

BMWs bevorzugt

Die Täter hätten keinen Stadtteil, in dem sie besonders gern zu Werke gehen, bevorzugten jedoch Autos von BMW. Im April etwa war ein BMW der 1er-Reihe an der Clever Straße in der Nähe des Ebertplatzes fachgerecht ausgeweidet worden.

Auch hier verschwanden die Motorhaube, die gesamte Frontschürze sowie große Teile des Interieurs. „Der Anblick hat mich völlig fassungslos gemacht“, sagte die Besitzerin damals dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Auch Florian Wortmann hat den Vorfall noch nicht verarbeitet: „Man fühlt sich persönlich angegriffen.“ Er sei schockiert über das Ausmaß der Schäden und „dass es an so einem belebten Fleck passiert“.

Wer die Täter sind, woher sie kommen und wie sie unbemerkt mitten in der Stadt derartige Schäden anrichten können, weiß die Polizei bisher nicht. „Wir haben keine Spur und keine Hinweise“, so Schott. Auch eine Ermittlungsgruppe existiere bislang nicht. Florian Wortmanns Rest-Auto wurde am Montag jedoch von der Spurensuche untersucht.

Teile werden vermutlich im Netz verkauft

Heinz-Gerd Lehmann vom Bereich Technik und Umwelt des ADAC Nordrhein vermutet, dass die Autoteile im Internet verkauft werden. Die Täter arbeiteten womöglich im Auftrag von Hintermännern, die bestimmte Autoteile regelrecht bestellten.

Um ihre Arbeit schnell zu erledigen, würden die Diebe wahrscheinlich gezielt an bestimmten Automodellen üben: „Sie wissen, wo sie schrauben müssen und haben in wenigen Minuten das Auto zerlegt.“

Florian Wortmann hat nun einen Leihwagen. Seinen neuen Dienstwagen wird er nur ungern wieder an der Straße parken. Aber in Sülz gebe es kaum Garagen: „Das ist das Hauptproblem.“...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta