Erneutes großes Blutbad schockiert die USA

Nach dem Blutbad in einer texanischen Kirche prüft die US-Luftwaffe mögliche Versäumnisse bei der Weitergabe von Informationen über den Täter: Eine Verurteilung wegen häuslicher Gewalt wurde wohl nicht in eine Datenbank zur Überprüfung von Schusswaffenkäufern eingetragen

Schon wieder hat ein großes Blutbad die USA in Schockzustand versetzt. Weniger als eine Woche nach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag von New York und fünf Wochen nach dem Massenmord von Las Vegas schoss am Sonntag ein Täter in einer kleinen Kirche im Bundesstaat Texas um sich: 26 Gottesdienstbesucher im Alter zwischen fünf und 72 Jahren starben im Kugelhagel, 20 weitere wurden verletzt.

Der 26-jährige Täter, der frühere Luftwaffensoldat Devin Kelley, wurde kurze Zeit danach tot in seinem Wagen gefunden. Laut Polizei nahm er sich mutmaßlich selbst das Leben. Nach Angaben der Behörden hatte die Tat keinen politischen Hintergrund, sondern wurzelte in einem Familienstreit.

US-Präsident Donald Trump verurteilte den Angriff als "entsetzliches" Verbrechen und "Tat des Bösen". Auf ein Schusswaffenproblem führte er die Tat aber nicht zurück: "Wir haben viele Probleme mit geistiger Gesundheit in unserem Land", sagte Trump während eines Japanbesuchs.

Die Tat sei nicht rassistisch oder religiös motiviert gewesen, sagte der Regionaldirektor des texanischen Ministeriums für öffentliche Sicherheit, Freeman Martin. Vielmehr wurzele sie in einer "häuslichen Situation" in der Familie des Täters.

Kelley habe Textnachrichten mit "Drohungen" abgesetzt. Er sei wütend auf seine Schwiegermutter gewesen. Diese habe die Baptistenkirche in dem Dorf Sutherland Springs regelmäßig besucht. Näher wollte sich Martin dazu aber nicht äußern. Laut Medienberichten hielten sich Kelleys Schwiegereltern zum Zeitpunkt der Tat nicht in der Kirche auf.

Kelley hatte die Kirche nach Angaben der örtlichen Behörden am Sonntagvormittag (Ortszeit) mit einem Sturmgewehr angegriffen. Er war schwarz gekleidet und trug eine kugelsichere Weste. Die ersten Schüsse gab er noch vor der Kirche ab, bevor er in dem Gotteshaus das Feuer eröffnete.

Nach Verlassen der Kirche lieferte sich Kelley dann einen kurzen Schusswechsel mit einem ebenfalls bewaffneten Anwohner, wie Sheriff Joe Tackitt im Fernsehsender CBS News berichtete. Er nannte diesen Nachbarn einen "Helden".

Kelley flüchtete den Angaben zufolge mit seinem Auto. Der Anwohner stoppte einen Lkw und brachte dessen Fahrer dazu, den Angreifer zu verfolgen. Auf der Fahrbahn kam es dann laut Tackitt offenbar zu einem weiteren Schusswechsel.

Kelley habe dann einen Autounfall verursacht und sich daraufhin vermutlich selbst erschossen, sagte der Sheriff. In seinem Wagen wurden mehrere Waffen gefunden.

Nach Angaben der US-Luftwaffe hatte der Täter auf einem Stützpunkt im Bundesstaat New Mexico gedient. Er wurde demnach wegen eines tätlichen Angriffs auf seine damalige Ehefrau und sein Kind von einem Militärgericht zu zwölf Monaten Haft verurteilt. 2014 sei er unehrenhaft aus den Streitkräften entlassen worden.

Laut Medienberichten wurde Kelley von seiner ersten Frau geschieden und heiratete ein zweites Mal. Er lebte am Stadtrand von San Antonio, rund 50 Kilometer von dem 400-Einwohner-Dorf Sutherland Springs entfernt.

Unter den Todesopfern waren nach den Medienberichten acht Mitglieder derselben Familie, darunter eine im fünften Monat schwangere Frau. Auch die 14-jährige Tochter von Pastor wurde erschossen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) übermittelte Trump ihr "tiefes Mitgefühl". Sie habe mit großer Trauer und Bestürzung" von der "abscheulichen Gewalttat" erfahren, hieß es in ihrem Brief.

Es handelte sich um das dritte große Blutbad in den USA innerhalb von fünf Wochen. Am Dienstag vergangener Woche hatte im New Yorker Stadtteil Manhattan ein aus Usbekistan stammender Attentäter bei einer Kollisionsfahrt mit einem Kleintransporter acht Menschen getötet.

In Las Vegas feuerte Anfang Oktober ein Heckenschütze auf ein Countrymusik-Festival und tötete 58 Menschen. Dies war das schlimmste mit Schusswaffen verübte Massaker der jüngeren US-Geschichte.