Erneut Proteste gegen Abholzung im Urwald Bialowieza in Polen

In Polen haben erneut zahlreiche Umweltschützer gegen die groß angelegte Abholzung im Urwald von Bialowieza demonstriert. Mit Plakaten wie der "Der Wald muss wild bleiben" versammelten sich am Dienstag hunderte Demonstranten in Krakau, wo derzeit das Unesco-Welterbekomitee tagt

In Polen haben erneut zahlreiche Umweltschützer gegen die groß angelegte Abholzung im Urwald von Bialowieza demonstriert. Mit Plakaten wie "Der Wald muss wild bleiben" versammelten sich am Dienstag hunderte Demonstranten in Krakau, wo derzeit das Unesco-Welterbekomitee tagt. Parallel zu den Naturschützern demonstrierten in Krakau auch Förster, die den Beschluss der polnischen Regierung, den Holzeinschlag in dem Waldgebiet auszuweiten, unterstützen.

Bialowieza gilt als einer der letzten großen Urwälder Europas. Die rechtskonservative Regierung von Ministerpräsidentin Beata Szydlo begründet die Maßnahme unter anderem mit der Bekämpfung des Borkenkäfers und der Vorbeugung von Waldbränden. Wissenschaftler, Umweltschützer sowie die Europäische Union sehen dagegen eine massive Bedrohung für den einzigartigen Wald.

Die EU-Kommission hatte Ende April eine "letzte Mahnung" an Warschau gerichtet und mit einem Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) gedroht, wenn das Land die Abholzung in dem Naturschutzgebiet nicht einstellt. Auch die Unesco äußerte sich besorgt. Polens Umweltminister Jan Szyszko forderte dagegen im Juni, den Wald von der Unesco-Liste zu streichen. Die Einstufung als Weltnaturerbe beinhaltet die Auflage, dass menschliche Eingriffe nur sehr eingeschränkt erlaubt sind. Besucher dürfen sich nur auf bestimmten Routen bewegen.

Der Wald von Bialowieza erstreckt sich über 150.000 Hektar entlang der Grenze zwischen Polen und Weißrussland. Im gesamten Wald sind 20.000 Spezies zu Hause, darunter 250 Vogel- und 62 Säugetierarten - wie zum Beispiel Europas größtes Landsäugetier, der Wisent.