Erneut Ausschreitungen bei regierungskritischen Protesten in Chile

Demonstranten setzen Barrikaden in Brand

Bei regierungskritischen Protesten in Chile sind dutzende Polizisten verletzt worden. In der Nacht zum Dienstag lieferten sich Demonstranten in der Hauptstadt Santiago de Chile gewalttätige Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften in der Hauptstadt Santiago de Chile, wie AFP-Reporter berichteten. Innenminister Gonzalo Blumel verurteilte die Gewalt und sprach von mehr als 70 verletzten Polizeibeamten sowie mehr als 280 Festnahmen.

Mehrere tausend Menschen hatten sich am Montagnachmittag auf der Plaza Italia zu einer Kundgebung versammelt. Bei Einbruch der Dunkelheit stießen vermummte Demonstranten nach Angaben von Reportern mit der Bereitschaftspolizei zusammen und griffen diese mit Steinen und Wurfgeschossen an. An anderen Orten in der Stadt bauten die Protestierenden Barrikaden auf und setzten diese in Brand. Die Polizei ging mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die Demonstranten vor.

"Das sind Gewaltakte, die nichts mit sozialen Forderungen zu tun haben", kritisierte Innenminister Blumel die Angriffe der Regierungsgegner.

Die Proteste in Chile hatten am 18. Oktober begonnen. Etwa 30 Menschen wurden seitdem nach Behördenangaben getötet, tausende weitere verletzt. Zwischenzeitig ließen die Proteste nach, nur freitags gab es immer wieder Demonstrationen im Zentrum der Hauptstadt. Zuletzt waren die gewaltsamen Proteste wieder aufgeflammt.

Die Massenproteste in Chile richteten sich zunächst gegen eine Erhöhung der Ticketpreise im öffentlichen Nahverkehr. Die Demonstranten kritisieren aber auch niedrige Löhne, hohe Kosten für Bildung und Gesundheit sowie die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in dem südamerikanischen Land. Präsident Sebastián Piñera kündigte für April ein Verfassungsreferendum an.