Erneuerbare wachsen weiter

Die Bedeutung des aus erneuerbaren Quellen produzierten Stroms wächst kontinuierlich. Dieser Strom wird vor allem im Norden Deutschlands produziert. Damit steigt allerdings auch der Druck, die Stromnetze auszubauen.


Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung steigt. Das gab der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bekannt. In diesem Jahr wird der Wert vorrausichtlich 36 Prozent erreichen. Zum Vergleich: 2016 lag der Anteil noch bei 31,6 Prozent. Damit setzt sich der Wachstumstrend der vergangenen Jahre fort.

„Bereits jetzt haben die Erneuerbaren das von der Bundesregierung im Energiekonzept für 2020 gesteckte Ziel von 35 Prozent Erneuerbaren-Anteil am Bruttostromverbrauch übertroffen. Das ist eine gute Nachricht für den Klimaschutz“, sagte BDEW-Hauptgeschäftsführer Stephan Kapferer.

Der Anstieg wirft allerdings auch Probleme auf. Mit dem Ausbau der Erneuerbaren verlagert sich die Stromproduktion mehr und mehr in den Norden Deutschlands, wo der Anteil der Windräder am höchsten ist. Es fehlen aber die Leitungskapazitäten, um den dort produzierten Strom in die Verbrauchszentren im Westen und Süden der Republik zu leiten. „Damit der Strom aus Erneuerbaren umfänglich genutzt werden kann, müssen wir den Ausbau der Nord-Süd-Leitungen mit Hochdruck vorantreiben. Der Netzausbau muss mit dem Erneuerbaren-Ausbau eng verzahnt werden“, sagte Kapferer.

Prozentual gesehen verzeichnet die Stromerzeugung aus Windkraft offshore den größten Anstieg: Sie steigt voraussichtlich um 49 Prozent auf gut 18 Milliarden Kilowattstunden (kWh). 2016 waren es noch 12,3 Milliarden kWh. Nachdem die Stromerzeugung aus Wind an Land 2016 einen leichten Rückgang verzeichnet hat, legt sie 2017 voraussichtlich um 21 Milliarden kWh zu und erreicht gut 87 Milliarden kWh - das entspricht einem Anstieg von über 31 Prozent. Mit einem Anteil von mehr als 40 Prozent an der Stromerzeugung aus Erneuerbaren bleibt die Windenergie an Land weiterhin mit Abstand die stärkste Erneuerbaren-Quelle. Auf Platz zwei und drei folgen Biomasse mit fast 24 Prozent und Photovoltaik mit einem Anteil von gut 18 Prozent.


Bezogen auf den Gesamtenergieverbrauch, also unter Einbeziehung von Sektoren wie Wärme oder Mobilität, beträgt der Anteil der Erneuerbaren den aktuellsten Zahlen zufolge 14,8 Prozent.

Kapferer wies darauf hin, der schrittweise Ausstieg aus der Verstromung von Stein- und Braunkohle habe faktisch längst begonnen und werde sich kontinuierlich fortsetzen: „Allein 2017 wurden nach aktuellen Zahlen der Bundesnetzagentur sechs Steinkohlekraftwerke vom Netz genommen.

Erste Braunkohlekraftwerke wurden bereits aus dem Normalbetrieb in die Sicherheitsbereitschaft überführt, weitere Braunkohle-Blöcke werden bis 2019 folgen. „Zur Stilllegung angezeigt sind derzeit außerdem 14 weitere Steinkohlekraftwerke“, sagte Kapferer.

Ursache seien die veränderten Marktbedingungen, niemand investiere noch in Kohlekraftwerke. „Jede weitere Stilllegung muss energiewirtschaftlich verantwortbar sein und löst gegebenenfalls Entschädigungsnotwendigkeiten aus“, warnte Kapfer. Der derzeit noch vorhandene Überschuss an gesicherter Leistung werde bis 2023 vollständig abgebaut sein. „Ab 2023 besteht dann eine massive Unterdeckung, wenn die Politik die Investitionsbedingungen für emissionsarme Gaskraftwerke nicht schnell verbessert“, sagte der BDEW-Hauptgeschäftsführer.