Ermittlungsverfahren gegen Deutsche nach Zeltlager-Überschwemmung in Frankreich

Rettungskräfte im August in den Trümmern des Campingplatzes

Nach der Überschwemmung eines deutschen Ferienlagers in Südfrankreich ist gegen zwei Verantwortliche ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Gegen den Vorsitzenden und den stellvertretenden Vorsitzenden der Jugendförderung St. Antonius aus Leverkusen werde wegen "schwerer fahrlässiger Körperverletzung durch die Gefährdung anderer" ermittelt, sagte Staatsanwalt Eric Maurel der Nachrichtenagentur AFP. Die Kinder und Jugendlichen aus dem Zeltlager kamen nach Angaben der Organisatoren am Samstagabend wieder zuhause in Leverkusen an.

Nach Angaben des Staatsanwalts ergaben die Ermittlungen, dass das Gelände des Ferienlagers in Saint-Julien-de-Peyrolas am Fluss Ardèche in einem überschwemmungsgefährdeten Gebiet lag und die Betreiber dies wussten.

Die beiden Verantwortlichen waren am Donnerstagabend in Polizeigewahrsam genommen worden. Inzwischen wurden sie aus dem Gewahrsam entlassen und stehen nach Maurels Angaben unter Justizaufsicht. Sie dürften sich in dem Département Gard nur noch für Termine mit ihren Anwälten oder bei Gericht aufhalten. Innerhalb von 15 Tagen müssen sie zudem ihre Sachen vom Campingplatz abholen.

Ein Betreuer des Ferienlagers wird vermisst, seit der Campingplatz am Donnerstag nach heftigen Regenfällen überschwemmt wurde. Sein Wohnwagen wurde vom Wasser mitgerissen und später zerstört aufgefunden. Nach dem 66-Jährigen wurde am Wochenende weiter gesucht. Ein mehrere Quadratkilometer großes Gebiet sei abgesucht und von Hubschraubern überflogen worden, sagte Einsatzleiter Laurent Haas AFP. "Bisher haben wir noch nichts gefunden."

Nach der Überschwemmung waren nach Angaben der französischen Behörden insgesamt 184 Menschen gerettet worden, die sich in dem deutschen Zeltlager und auf zwei angrenzenden Campingplätzen aufhielten. Neun deutsche Kinder und Jugendliche wurden demnach leicht verletzt, rund hundert wurden psychologisch betreut.

Die Kinder und Jugendlichen hatten in einem Gemeinschaftsraum ausgeharrt, bevor es am Samstag zurück nach Hause ging. "Alle konnten ihre Kinder und Lieben in die Arme schließen", hieß es auf der Website der Jugendförderung St. Antonius.

Die Gemeinde Saint-Julien-de-Peyrolas wirft den deutschen Betreibern vor, ihren Zeltplatz zu nah an einen Seitenarm der Ardèche gebaut zu haben, der sich nach den Regenfällen in einen reißenden Strom verwandelte. Die Behörden hatten die Deutschen nach eigenen Angaben 48 Stunden vor dem Drama vor einer möglichen Überschwemmung ihres Campingplatzes gewarnt, der demnach nur knapp über dem Wasserspiegel liegt.