Mutmaßlicher London-Attentäter orderte Komponenten des Sprengsatzes via Internet

Sicherheitskräfte an der Station Parsons Green

Der mutmaßliche Urheber des Anschlags in der Londoner U-Bahn hat die Komponenten seines Sprengsatzes nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft zum Teil über den Online-Händler Amazon geordert. Der Hauptsprengsatz, der bei dem Anschlag vom Freitag vergangener Woche nicht gezündet habe, habe mehrere hundert Gramm des bei islamischen Fundamentalisten verbreiteten Gemisches TATP enthalten, sagte Staatsanwalt Lee Ingham am Freitag vor einem Gericht in London.

Gegen den Verdächtigen, den 18-jährigen Ahmed Hassan, wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Ihm werde der Einsatz von Sprengstoff und versuchter Mord zur Last gelegt, teilte die Polizei mit. Laut britischen Medienberichten stammt der Jugendliche ursprünglich aus dem Irak, er wohne bei einer Gastfamilie in Sunbury-on-Thames. Hassan gab vor Gericht lediglich seinen Namen und seine Adresse an, weiter äußerte er sich nicht. Der Staatsanwalt sagte, Hassan habe "wirre politische Ansichten" vorgetragen und empfinde "Hass auf die britische Regierung und Gesellschaft".

Der Tatverdächtige wurde am Samstag, einen Tag nach dem Anschlag, in Dover festgenommen. Bei dem Anschlag waren 30 Menschen verletzt worden. Nach dem Stand der Ermittlungen hätte es durch die Explosion in der U-Bahn-Station Parsons Green eine weit höhere Anzahl von Opfern geben können. Der Sprengsatz ging nur teilweise hoch, das TATP zündete nicht. Der Sprengsatz enthielt zahlreiche Messer und Schrauben.

Neben dem 18-Jährigen sind noch drei weitere Männer im Alter von 17, 25 und 30 Jahren wegen mutmaßlicher Verwicklung in den Anschlag in Haft. Ein am Samstag im Westen Londons gefasster 21-Jähriger und ein 48-jähriger Mann aus Wales wurden hingegen wieder freigelassen.

Der Anschlag von Parsons Green war der fünfte, der in diesem Jahr in Großbritannien verübt wurde. Bei den Anschlägen wurden 35 Menschen getötet.