Ermittlungsdetail: Polizei Konstanz kommunizierte mit dem „Babybrei-Erpresser“ per Zeitungsannonce

Uwe Stürmer von der Polizei Konstanz hält bei einer Pressekonferenz eine Plastikflasche hoch, um die Menge des Giftes anzuzeigen. (Bild: dpa)

Die Polizei lässt sich bei der Verbrecherjagd nur ungern in die Karten schauen. Details zu den Ermittlungen werden häufig erst nach der Festnahme bekannt. So auch im Fall des sogenannten „Babybrei-Erpressers“: Laut „Focus.de“ soll die Polizei Konstanz mit dem Verdächtigen auf ganz besondere Weise kommuniziert haben.

Tagelang hielt der unbekannte Mann mit der grauen Wollmütze, der schwarzen Lederjacke und der gerahmten Brille ganz Deutschland in Atem. Das Fahndungsfoto ging durch sämtliche Medien. Jochen S., so der Name des Verdächtigen, hatte laut eigener Aussage Gläschen mit Säuglingsnahrung in mehreren Supermärkten vergiftet und eine Erpresser-Mail an Verbraucherorganisationen und das Bundeskriminalamt geschickt. Er forderte 11,75 Millionen Euro – sonst würde er noch mehr vergiftete Nahrung in Umlauf bringen. Zum Ablauf der Geldübergabe hatte sich der Erpresser offenbar etwas ganz besonderes überlegt: Er wollte sie mithilfe einer anonymen Annonce in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ mit der Polizei abwickeln.

Mit diesem Foto schrieb die Polizei den Erpresser zur Fahndung aus. (Bild: dpa)

Wie „Focus.de“ berichtet, haben die Ermittler auf Wunsch des Täters im Reiseteil der „FAS“ vom 24. September eine Anzeige geschaltet. Zu lesen war dort in Großbuchstaben: „Alles klar“. Zudem waren Ort, Datum und Uhrzeit angegeben – „Sigmaringen, 30.09.2017, um 22.00 Uhr“. Für den regulären Zeitungsleser ließ die Annonce keinen Rückschluss zu, was mit dem Text gemeint sein könnte. Wie sich nun herausstellt, war diese Annonce Teil des Plans von Jochen S., um an das geforderte Geld zu kommen.

S. diktierte der Polizei, wo er die Geldübergabe über die Bühne bringen wollte. Und zwar in Sigmaringen, am 30. September um 22 Uhr – genau wie später in der Zeitungsannonce der Polizei angegeben. In einem Auto sollte die Geldsumme hinterlegt sein. Und in der Tat beschaffte die Polizei den vom Täter geforderten Wagen und das Geld. Die einzige Möglichkeit der Kontaktaufnahme mit dem Täter war es laut „Focus.de“, eine Annonce zu schalten und den gewünschten Ort und die Zeit schriftlich zu bestätigen.

Doch zu der Übergabe kam es nicht mehr. Bereits einen Tag vorher, am 29. September, konnte die Polizei Jochen S. nach Hinweisen aus der Bevölkerung festnehmen. In einem Mehrfamilienhaus im baden-württembergischen Ofterdingen gelang den Ermittlern der Zugriff. Bei der Sonderkommission „Apfel“, die in dem Fall ermittelte, waren bis zu diesem Zeitpunkt über 1000 Hinweise eingegangen. Der Täter hat mittlerweile ein Geständnis abgelegt.