Ermittlungen zu Vergewaltigungsvorwürfen im Élysée

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Der Élysée-Palast in Paris (AFP/Ludovic MARIN)

Es soll nach einer Abschiedsparty im Élysée-Palast passiert sein, auf der Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine kurze Ansprache gehalten hatte: Eine junge Soldatin bezichtigt einen ihrer Kollegen, sie im Sicherheitstrakt des Präsidentenpalastes vergewaltigt zu haben. Die Justiz habe im Juli deswegen Ermittlungen aufgenommen, bestätigten Justizkreise in Paris am Freitag der Nachrichtenagentur AFP.

Der Élysée erklärte, laufende Justizangelegenheiten nicht zu kommentieren. "Sobald die Vorgesetzten davon erfuhren, wurden Maßnahmen ergriffen, um das Opfer anzuhören, es zu unterstützen und zu begleiten", hieß es. Der Élysée warte nun die Ermittlungen ab, "um die Fakten zu klären und zu sehen, welche Konsequenzen zu ziehen seien".

Der Mann wurde bereits im Juli von einem Untersuchungsrichter verhört und anschließend als sogenannter Zeuge mit Rechtsbeistand eingestuft - einer Zwischenstufe zwischen dem Status eines Zeugen und dem eines formell Beschuldigten. Er wurde auch an einen anderen Arbeitsplatz außerhalb des Élysées-Palasts versetzt.

Die Zeitung "Libération" hatte am Freitag berichtet, dass die mutmaßliche Vergewaltigung bei einer Abschiedsfeier für drei Mitarbeiter im Élysée verübt worden sein soll. Einer der Verabschiedeten sei der Brigadegeneral Valéry Putz gewesen, einer der Stellvertreter des Generalstabs im Élysée, der den Präsidenten in militärischen Fragen berät.

Präsident Macron habe im Garten des Élysées vor mehreren Dutzend Gästen eine informelle Ansprache gehalten und sich gegen 22.00 Uhr verabschiedet. Die Feier sei im stark abgesicherten Quartier des Élysée-Generalstabs fortgesetzt worden, wo etwa 30 Militärvertreter an besonders vertraulichen Angelegenheiten arbeiten, die beispielsweise Auslandseinsätze und Einsätze des Geheimdienstes betreffen.

Dort soll es am späteren Abend zu der Vergewaltigung gekommen sei. Die junge Frau, eine Kollegin des Beschuldigten, habe sich bereits wenige Stunden danach bei der Polizei gemeldet.

Laut "Libération" hat Verteidigungsministerin Florence Parly eine interne Untersuchung angeordnet. Der Beschuldigte muss sich möglicherweise vor einem Disziplinarrat verantworten. Das Verteidigungsministerium bestätigte dies zunächst nicht.

Auf Twitter mehrten sich am Freitagnachmittag kritische Kommentaren, die mehrfach die Affäre Benalla erwähnten. Der ehemals enge Mitarbeiter Macrons im Élysée war vergangene Woche zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte sich unter anderem fälschlich als Polizist ausgegeben und Demonstranten verprügelt.

Der Fall hatte in Frankreich große Entrüstung ausgelöst, zumal Benalla zunächst lediglich vom Dienst suspendiert worden war. Die Richterin erwähnte in der Urteilsbegründung, dass er sich als Mitarbeiter des Élysées besonders korrekt und beispielhaft hätte verhalten müssen.

kol/cp

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